„Ich werde angerempelt und entschuldige mich dafür.“
„Dieser trockene Wein ist abscheulich, aber ich trinke ihn, weil ihn alle hier trinken.“
„Ich habe keine Zeit für das Protokoll, schreibe es aber trotzdem und mache dann erst um 21 Uhr Feierabend.“
Solche oder ähnliche Sätze sind die unsichtbare Last der People Pleaser.
People Pleaser, auf Deutsch auch als „Ja-Sager“ bekannt, sind Personen, die dazu neigen, die Bedürfnisse und Wünsche anderer über ihre eigenen zu stellen.
Inhalt
Definition von People Pleasing
Ein People Pleaser ist eine Person, die ein starkes Bedürfnis hat, von anderen gemocht und akzeptiert zu werden. Deshalb neigt sie dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Meinungen zugunsten der Bedürfnisse anderer zu vernachlässigen. Sie sagen oft Ja, wenn sie eigentlich Nein sagen möchten. Damit vermeidet sie Konflikte und hält die Harmonie in ihren Beziehungen aufrecht.
Warum ist das Thema relevant?
Das Thema People Pleasing ist in der heutigen Gesellschaft von großer Relevanz. Viele Menschen neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer zu vernachlässigen. Dies kann zu einem Gefühl der Unzufriedenheit, des Stresses und der Selbstentfremdung führen. Zudem kann es langfristig zu Beziehungsproblemen und einem Mangel an Selbstachtung führen. Durch ein besseres Verständnis des Phänomens des People Pleasings können wir nicht nur unser eigenes Verhalten reflektieren, sondern auch Wege finden, um gesündere Beziehungen zu anderen aufzubauen.
Was ist ein:e People Pleaser:in?
People Pleaser zeigen typischerweise bestimmte Verhaltensweisen und Denkmuster, die charakteristisch für ihr Verhalten sind. Im Folgenden werden einige der häufigsten Merkmale eines People Pleasers näher erläutert:
People Pleaser neigen dazu, die Bedürfnisse und Wünsche anderer über ihre eigenen zu stellen. Sie fühlen sich oft verpflichtet, anderen zu helfen, selbst wenn dies zu ihrem eigenen Nachteil ist. Dies kann dazu führen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen und ihre eigenen Ziele und Wünsche hinten anstellen.
Eine der treibenden Kräfte hinter dem Verhalten von People Pleasern ist die Angst vor Konflikten und Ablehnung. Sie fürchten sich davor, andere zu enttäuschen oder ihre Zustimmung zu verlieren. Daher versuchen sie Konflikte um jeden Preis zu vermeiden. Diese Angst kann dazu führen, dass sie sich überfordern, indem sie Ja sagen, wenn sie eigentlich Nein meinen, nur um potenzielle Konflikte zu umgehen.
People Pleaser sind oft übermäßig hilfsbereit und versuchen, anderen in jeder Situation zu helfen, selbst wenn dies nicht angemessen oder gesund für sie ist. Sie fühlen sich oft verpflichtet, sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern. Und dies auch auf Kosten ihrer eigenen physischen und emotionalen Gesundheit.
Eine weitere charakteristische Eigenschaft von People Pleasern ist ihre Schwierigkeit, klare Grenzen zu setzen. Sie haben oft Probleme damit, Nein zu sagen oder ihre eigenen Grenzen zu kommunizieren, aus Angst, andere zu enttäuschen oder abzulehnen. Dies kann dazu führen, dass sie sich überfordern und sich in ungesunden oder unerwünschten Situationen wiederfinden.

Die Ursachen von People Pleasing
Das Verhalten von People Pleasern wird durch verschiedene Ursachen beeinflusst, die sowohl aus persönlichen Erfahrungen als auch aus sozialen Einflüssen resultieren. Im Folgenden werden einige der häufigsten Ursachen von People Pleasing näher erläutert:
Die Erfahrungen während der Kindheit spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von People Pleasing-Verhaltensweisen. Personen, die in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem ihre Bedürfnisse nicht angemessen beachtet wurden oder in dem sie dazu ermutigt wurden, sich um die Bedürfnisse anderer zu kümmern, entwickeln oft ein Muster des People Pleasings. Eltern oder Bezugspersonen, die stark auf Lob oder Bestätigung reagieren und die ihre Liebe oder Zustimmung von der Erfüllung bestimmter Erwartungen abhängig machen, können dazu beitragen, dass Kinder zu People Pleasern werden.
Ein niedriges Selbstwertgefühl ist eine häufige Ursache von People Pleasing. Menschen, die sich selbst wenig Wert zuschreiben oder sich selbst ablehnen, neigen dazu, ihre eigene Meinung und ihre eigenen Bedürfnisse zu negieren, um die Zustimmung und Anerkennung anderer zu gewinnen. Sie suchen nach externer Bestätigung, um ihre eigene Selbstachtung zu stärken. Und sie glauben fälschlicherweise, dass die Erfüllung der Bedürfnisse anderer ihren eigenen Wert steigert.
Die Angst vor Ablehnung und Konflikten ist ein weiterer wichtiger Faktor, der zum People Pleasing beiträgt. Menschen, die unter dieser Angst leiden, fürchten sich davor, von anderen abgelehnt oder kritisiert zu werden. Daher versuchen sie, Konflikte um jeden Preis zu vermeiden. Sie glauben, dass das Erfüllen der Erwartungen anderer der beste Weg ist, um sich vor Ablehnung zu schützen. Dabei passen sie sich den Wünschen anderer an, selbst wenn dies ihren eigenen Bedürfnissen widerspricht.
Die Gesellschaft und kulturelle Normen können ebenfalls dazu beitragen, dass Menschen zu People Pleasern werden. In vielen Kulturen werden bestimmte Verhaltensweisen und Rollen von Individuen erwartet. Menschen, die diesen Erwartungen nicht entsprechen, können sich unter Druck gesetzt fühlen, sich anzupassen und die Erwartungen anderer zu erfüllen. Dieser soziale Druck kann dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zugunsten der gesellschaftlichen Normen vernachlässigen.

Welche Folgen hat das People Pleasing?
Das Verhalten des People Pleasings kann weitreichende Auswirkungen auf das individuelle Wohlbefinden und die zwischenmenschlichen Beziehungen haben. Im Folgenden werden einige der häufigsten Auswirkungen näher erläutert:
People Pleaser neigen dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu vernachlässigen, um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Dies kann zu übermäßigem Stress, Erschöpfung und Burnout führen. Indem sie ihre eigenen Bedürfnisse kontinuierlich ignorieren, setzen sie sich einem erhöhten Risiko für physische und emotionale Erschöpfung aus, was langfristig ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden beeinträchtigen kann.
Das ständige Bemühen, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen, kann zu einem tiefen Gefühl der Unzufriedenheit und Leere führen. Menschen, die sich ständig bemühen, anderen zu gefallen, erleben möglicherweise ein Gefühl der Entfremdung von sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen. Dies kann zu einem Verlust des Selbstwertgefühls und einem Mangel an innerer Erfüllung führen.
People Pleaser haben oft Schwierigkeiten, gesunde zwischenmenschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Ihr Verhalten, ständig die Bedürfnisse anderer über ihre eigenen zu stellen, kann zu einem Ungleichgewicht in Beziehungen führen und dazu führen, dass sie sich ausgenutzt oder unverstanden fühlen. Zudem kann ihr Unvermögen, klare Grenzen zu setzen, zu Konflikten und Missverständnissen in Beziehungen führen.
Das People Pleasing-Verhalten kann die persönliche Entwicklung und Authentizität einer Person einschränken. Indem sie ständig versucht, den Erwartungen anderer gerecht zu werden, kann sie ihre eigenen Interessen, Ziele und Werte aus den Augen verlieren. Dies kann dazu führen, dass sie sich von ihren wahren Bedürfnissen und Leidenschaften entfremden und ein Leben führt, das nicht authentisch zu ihr passt.

People Pleasing in der Mediation
Das Phänomen des People Pleasing ist nicht auf persönliche Beziehungen beschränkt, sondern kann auch in professionellen Kontexten wie der Mediation auftreten. People Pleaser können in der Mediation sogar eine spezifische Herausforderung für die Mediatorin oder den Mediator darstellen:
People Pleaser haben oft Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar zu kommunizieren. In der Mediation kann dies dazu führen, dass sie ihre eigenen Anliegen vernachlässigen und stattdessen versuchen, den anderen Parteien entgegenzukommen, um Konflikte nicht aussprechen zu müssen. Dadurch wird es schwierig, dass sie ihre eigenen Interessen angemessen vertreten und eine für sie bzw. natürlich für alle günstige Lösung zu finden.
People Pleaser tendieren dazu, schnell und großzügig Zugeständnisse zu machen, um Konflikte zu lösen und anderen zu gefallen. Dies kann in der Mediation zu einem Ungleichgewicht führen, wenn eine Partei zu viele Kompromisse eingeht, während die andere Seite starr bleibt. Dadurch wird das Verhandlungsergebnis möglicherweise nicht gerecht oder ausgewogen sein.
Die Angst vor Konfrontation und Ablehnung kann People Pleaser:innen auch in der Mediation im Weg stehen. Sie können zögern, bestimmte Probleme anzusprechen oder ihre Meinung offen zu äußern, aus Angst, dass dies zu Konflikten oder Ablehnung seitens der anderen Parteien führt. Dies kann den Mediationsprozess erschweren, da eine ehrliche und offene Kommunikation für eine erfolgreiche Konfliktlösung unerlässlich ist.
Um People Pleaser effektiv in der Mediation zu unterstützen, ist es wichtig, ihre Bedürfnisse und Ängste anzuerkennen und ihnen zu helfen, ihre Stimme zu finden. Die Mediatorin bzw. der Mediator können Techniken wie aktives Zuhören und vor allem das Doppeln einsetzen, um People Pleasern zu helfen, ihre Bedürfnisse klar zu artikulieren und sich aktiv am Prozess zu beteiligen. Durch Bild- oder Bedürfniskarten können eigene Bedürfnisse leichter erkannt werden.
Letztlich können durch die Stärkung ihrer Fähigkeiten zur Selbstfürsorge und Selbstvertretung die People Pleaser zu einer ausgewogenen und zufriedenstellenden Lösung für alle Parteien beitragen.

Was tun, wenn du ein:e People Pleaser:in bist?
Wie du die unsichtbare Last der People Pleaser los wirst und eine gesündere Lebensweise entwickeln kannst, das erfährst du in den folgenden praktischen Tipps:
🍀 Selbstreflexion und Bewusstwerdung
Um das People Pleasing-Verhalten zu überwinden, ist es entscheidend, sich selbst zu reflektieren und bewusst zu werden, warum man dazu neigt, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Regelmäßiges Journaling, Selbstbeobachtung und das Nachdenken über vergangene Situationen können dabei helfen, diese Bewusstwerdung zu erreichen.
🍀 Aufbau von Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz
Ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstakzeptanz sind Schlüsselaspekte bei der Überwindung von People Pleasing. Indem du positive Selbstgespräche führst und deine persönlichen Stärken und Talente identifizierst und stärkst, kannst du dein Selbstwertgefühl stärken und dich weniger anfällig für das People Pleasing-Verhalten machen.
🍀 Entwicklung von Grenzen und Selbstfürsorge
Die Entwicklung klarer Grenzen und die Förderung von Selbstfürsorge sind ebenfalls entscheidend. Lerne, Nein zu sagen und klare Grenzen zu setzen. So kannst du deine eigenen Bedürfnisse schützen, und deine Gesundheit und dein Wohlbefinden an erste Stelle setzen. Manchmal genügt da schon der einfache Satz: „Nein, das möchte ich nicht.“
🍀 Umgang mit Ablehnung und Konflikten
Es ist wichtig zu akzeptieren, dass Ablehnung und Konflikte unvermeidliche Bestandteile des Lebens sind. Indem du Bewältigungsstrategien wie Resilienz und Konfliktlösungstechniken entwickelst, kannst du lernen, mit diesen Herausforderungen konstruktiv umzugehen.
🍀 Kleine Schritte zur Veränderung machen
Setze kleine Ziele und arbeite schrittweise daran, dein Verhalten zu ändern. Konzentriere dich zunächst auf eine bestimmte Situation, in der du leicht „ja“ sagst und versuche diese Situation so zu verändern, dass du hier ein „nein“ schaffst. Oder konzentriere dich auf eine Person, bei der du üblicherweise ein People Pleaser bist. Setze dann schrittweise Strategien zur Veränderung ein. Indem du diese Schritte umsetzt, kannst du zu einem selbstbewussten, authentischen und erfüllten Leben gelangen. Sag einfach mal „Das Prokoll schaffe ich heute nicht mehr zu schreiben.“ oder „Ich trinke lieber Bier statt Wein.“ Du wirst merken, es ist gar nicht so schlimm eine eigenes Bedürfnis zu benennen. Es wird respektiert und dir geht es danach viel besser …
Welche kleinen Veränderungen wirst du ab morgen vornehmen, um deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen besser zu respektieren?
Schreib gerne in die Kommentare und lass uns darüber ins Gespräch kommen …
💚 Bis ganz bald, sagt Christa

Literaturempfehlung
Gerne möchte ich hier auch ein weiterführendes Buch zum Thema empfehlen. Es ist ein Spiegel Bestseller von 2023. Das Buch stammt von Dr. Ulrike Bossmann und trägt den Titel „People Pleasing. Raus aus der Harmoniefalle und weg mit dem schlechten Gewissen.“



4 Kommentare
Hallo Christa, nur ganz kurz: Du bist mit all deinen Themen einfach nur mitten im Leben und die meisten von uns werden sich sicher oft wiedererkennen
LG Ingrid
Hallo Ingrid,
vielen Dank für deinen Kommentar und die lieben Worte!
Es freut mich ungemein zu hören, dass du die Themen meines Blogs so direkt und persönlich nachvollziehen kannst. Das zeigt mir, dass wir alle ähnliche Erfahrungen machen und Herausforderungen teilen.
Es ist mein Ziel, Themen aufzugreifen, die uns alle im täglichen Leben berühren und uns vielleicht auch ein Stückchen weiterhelfen oder zum Nachdenken anregen. Dein Feedback motiviert mich sehr, genau in dieser Richtung weiterzumachen. Danke dir, sagt Christa 🌞
Liebe Christa,
auf der Suche nach Informationen über People-Pleasing bei Kindern bin ich auf deinen Artikel – und so auf deine Website – gestoßen. Darüber habe ich mich sehr gefreut! Ich kenne dich als Autorin der Bücher „Verhaltensauffälligkeiten bei Kita-Kindern“, „Konflikte bei Kita-Kindern“ sowie als Autorin eines Kapitels des Buches „Das schwierige Kind“. All diese Beiträge waren für mich für meinen Beruf als Erzieherin sehr wertvoll und deine inspirierende Haltung gegenüber Konflikten und Kindern, die einen herausfordern können, hat mich nochmal zusätzlich weitergebracht!
Gerade jetzt ist dieser Artikel über People-Pleasing eine wertvolle Unterstützung für mich, da aus meiner Sicht dieses Verhalten, besonders bei Kindern im Kita-Alter – wo Kinder gerade ihr Ich-Bewusstsein entwickeln und daher natürlicherweise auf sich selbst ausgerichtet sind – ebenso bedenklich ist wie nach außen deutlich sichtbares aggressives Verhalten (bei dem sie wenigstens versuchen, für sich einzutehen bzw. ihre Gefühl, in irgendeiner Weise unter Stress zu stehen, zum Ausdruck bringen). Im Gegensatz dazu werden Kinder, die sehr hilfsbereites und selbstloseres Verhalten zeigen, also People-Pleaser, immer noch oft als „gut erzogen“ gesehen, obwohl das Maß an gesunder Ausrichtung auf andere dabei schon längst überschritten ist.
Ich habe auch das Gefühl, dass die Entwicklung von Kindern zu People-Pleasing von manchen Personen in meiner Einrichtung aktiv vorangetrieben wird, im Glauben, dass sei gut für das Kind, jedoch mit Mitteln, die streng genommen zu Mikrogewalt (psychisch) zählen müssten. Doch solche subtilen Dinge werden so gut wie gar nicht mit Fehlverhalten in Verbindung gebracht… Schließlich sind solche Kinder ja allgemein sehr pflegeleicht und es ist für viele wünschenswert, möglichst viele solcher Kinder in einer Gruppe zu haben, die Konflikte meiden, eine große anstrengungsbereitschaft haben, schnell nachgeben und bereitwillig große Zugeständnisse machen.
Tatsächlich finde ich, dass man als People-Pleaser im Leben sehr weit kommen kann, wenn da nicht die Kehrseite wäre, die du ja sehr treffend beschreibst.
Außerdem ist da auch die Gefahr von negativen Auswirkungen auf ein Kind, wenn die „erzieherischen“ Methoden, die es zu einem People-Pleaser machen sollen, zar angewandt werden, aber nicht das gewünschte Ergebnis für das Verhalten haben. Dann wird trotzdem der Selbstwert angegriffen bzw. seine Entfaltung gehemmt, bestimmte, als anstrengend wahrgenommene Gefühle wie Wut, Unbehagen, Ekel etc. abgesprochen etc., was einem Menschen in seiner Entwicklung einfach nicht guttut.
Also, vielen Dank, dass du das Thema hier aufgebracht und unterschiedliche Aspekten davon beleuchtet hast. Die Zitate finde ich auch super!
Zuletzt noch eine Bitte bzw. eine Idee: Aus meiner Erfahrung bin ich der Ansischt, dass es einen Bezug zwischen People-Pleasing und Mobbing-Dynamiken gibt, was ich für ein sehr wichtiges Thema halte. Menschen, die People-Pleaser sind, können Opfer von Mobbing werden, weil sie sich nicht gut wehren können. Darüber hinaus kann es aber auch sein, dass sie Mobbing durch ihr Handeln bzw. Nicht-Handeln unterstützen, da sie aufgrund ihres Bedürfnisses nach Bestätigung/ Anerkennung/Wohlwollen von Autoritätspersonen (in Mobbing-Dynamiken üblicherweise der / die Aggressor(en)) den Drang verspüren (bewusst oder unbewusst), sich nicht mit dem Opfer zu solidarisieren (um sich nicht selbst zur Zielscheibe von Angriffen zu machen ). Eine nicht selten gewählte Option ist, sich stattdessen um die Gunst des Täters / der Täter zu bemühen, z. B. durch Lästern in Abwesenheit des Opfers bis hin zu direkten Angriffen in Gegenwart des Täters / der Täter. Und das alles nicht, weil der People-Pleaser tatsächlich etwas gegen das Opfer hätte, sondern einzig und allein aus dem großen Bedürfnis nach Sicherheit.
Um Mobbing-Dynamiken zu stoppen und langfristig zu verhindern, denke ich daher, dass es nicht ausreicht, sich lediglich auf die schädlichen Auswirkungen für das / die Opfer zu beschränken. Vielmehr wäre es aus meiner Sicht wichtig, sich auch mit der „Not“ mancher Täter zu befassen bzw. mit dem Mangel an Selbstbewusstsein und Konfliktfähigkeit, der hinter ihrem Verhalten steckt und der sie erst zu People-Pleasern gemacht hat (sofern das der Fall ist).
Vielleicht habe ich es einfach noch nicht gefunden, aber wenn du noch nichts darüber geschrieben hast, wäre ich sehr gespannt und dankbar, zu lesen, was deine persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema (Verbindung von People-Pleasing und Mobbing) sind.
Ganz liebe Grüße, alles Gute und viel Erfolg weiterhin!!!
Hallo Saskia,
hab vielen Dank für deinen ausführlichen und durchdachten Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut – sowohl über deine wertschätzenden Worte zu meinen Büchern als auch über deine differenzierten Gedanken zu meinem Artikel. Es bedeutet mir viel zu lesen, dass meine Texte dich in deiner Arbeit als Erzieherin begleiten und stärken. 💚🍀
Was du über People-Pleasing bei Kindern schreibst, finde ich äußerst wichtig. Gerade weil stark angepasstes, übermäßig hilfsbereites oder konfliktscheues Verhalten im pädagogischen Alltag oft positiv gelesen wird, bleibt leicht unsichtbar, dass dahinter auch Unsicherheit, Angst, ein geschwächter Selbstwert oder das Verlernen eigener Grenzen stehen können. Du benennst sehr klar, wie problematisch es ist, wenn Kinder dafür gelobt werden, möglichst bequem, pflegeleicht und anspruchslos zu sein, obwohl sie dabei vielleicht längst den Kontakt zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen verlieren.
Auch dein Hinweis auf subtile Formen psychischer Mikrogewalt ist sehr bedeutsam. Solche Dynamiken werden tatsächlich oft übersehen, gerade weil sie nicht laut, spektakulär oder offensichtlich verletzend daherkommen. Und doch können sie die Entwicklung eines Kindes tief beeinflussen – besonders dann, wenn unangenehme Gefühle wie Wut, Ekel, Unbehagen oder Widerstand keinen Raum bekommen dürfen.
Deine Gedanken zur Verbindung von People-Pleasing und Mobbing finde ich ebenfalls sehr spannend und wichtig. Ja, ich sehe darin auch einen Zusammenhang. People-Pleasing kann Menschen verletzlich machen, weil Abgrenzung, Widerspruch und Selbstbehauptung schwerfallen. Gleichzeitig kann das starke Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Anerkennung auch dazu führen, sich aus Angst mit den „Stärkeren“ zu verbünden oder nicht einzugreifen, obwohl man innerlich spürt, dass etwas nicht stimmt. Dass du dabei nicht vorschnell moralisch urteilst, sondern auf die Not, die Unsicherheit und die dahinterliegenden Bedürfnisse schaust, finde ich besonders wertvoll.
Danke auch für deine Anregung für einen weiteren Blogartikel. Ich nehme diese sehr gern auf. Einen Blogartikel zur Verbindung von People-Pleasing und Mobbing finde ich sehr spannend, und du hast dafür schon viele wichtige Gedanken angestoßen. Danke, dass du mich darauf gebracht hast.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, Klarheit und Rückhalt für deine wichtige Arbeit. Ganz liebe Grüße von Christa 🌷🌷🌷