10 Friedensschulen für Leipzig
– Das Projekt mit der Friedensbrücke –
Es gibt Projekte, die beginnen mit einem Impuls. Mit einer Idee, die sich festsetzt, die langsam Form annimmt – und irgendwann einfach raus in die Welt muss. „10 Friedensschulen für Leipzig“ ist genau so ein Projekt. Und heute darf ich es endlich vorstellen.
Inhalt
Eine Friedenstreppe
Begonnen hat alles mit dem Format der Friedenstreppe. Dieses Format der Konfliktklärung habe ich schon vor langer Zeit entdeckt und in vielen Webinaren und Seminaren in die Welt gebracht. Eine Anleitung zur Friedenstreppe ist übrigens hier auf dem Blog kostenfrei herunterladbar. Mit dieser Anleitung kann die Friedenstreppe schnell und dennoch nachhaltig in Grundschulklassen eingeführt werden.
Eine Friedenstreppe, auch Friedensbrücke genannt, führt mediationsanalog Kinder durch die Phasen des Mediationsgespräches. Die Friedenstreppe ist ein „Trainingsbaustein“, bei dem Kinder unter Anleitung nach einem bestimmten Muster lernen, ihre Streitigkeiten und Konflikte zu lösen.
Und was ist eine Friedensschule?
Der Begriff „Friedensschule“ klingt groß – und das darf er auch. Denn dahinter verbirgt sich eine Haltung: Die Überzeugung, dass Schule mehr ist als Unterricht, mehr als Noten, mehr als Leistung. Eine Friedensschule ist ein Ort, an dem Konflikte nicht unterdrückt, sondern verstanden werden. An dem Kinder und Erwachsene lernen, ihre Bedürfnisse auszudrücken, zuzuhören, Kompromisse zu finden – und gemeinsam eine Schulkultur zu gestalten, die auf Wertschätzung, Achtsamkeit und Teilhabe basiert. Die Prinzipien der Schulmediation sind dabei eine wichtige Grundlage für die Friedensschulen.
Frieden in der Schule bedeutet nicht Harmonie um jeden Preis. Sondern die Fähigkeit, mit Unterschieden umzugehen, Spannungen auszuhalten und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Genau hier setzt dieses Projekt an.
Warum wir Friedensschulen brauchen – jetzt mehr denn je
Manchmal frage ich mich: Wie wollen wir eigentlich leben? Und wie sollen unsere Kinder leben – in einer Welt, die oft laut, schnell und konfliktreich ist? In einer Zeit, in der Polarisierung zunimmt, in der viele sich nicht mehr zuhören, sondern nur noch ihre Standpunkte gegeneinanderstellen?
Für mich ist die Antwort klar: Frieden muss früh anfangen. Und er beginnt nicht auf diplomatischer Bühne – sondern auf dem Pausenhof. Im Klassenrat. In der Begegnung zwischen Kind und Lehrkraft. In der Haltung, mit der wir in Bildungseinrichtungen miteinander umgehen. Deshalb setze ich mich für Friedensschulen ein.
Nicht als Idealbild. Nicht als fertiges Konzept. Sondern als Weg und Haltung, die wir gemeinsam gehen können.
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Streit
Friedensschulen sind Orte, an denen Kinder lernen, mit sich selbst und anderen in Beziehung zu sein. Sie üben, wie man einen Konflikt anspricht, ohne zu verletzen. Wie man Wut wahrnimmt und trotzdem klar bleibt. Wie man sich selbst behauptet, ohne andere kleinzumachen.
Das klingt simpel. Aber wir wissen alle: Das ist hohe Kunst. Und genau deshalb brauchen Kinder dafür Raum, Anleitung, Vorbilder – und Zeit.
Eine Friedensschule ist kein Ort, an dem es keine Konflikte gibt. Sondern ein Ort, an dem Kinder und Erwachsene lernen, damit umzugehen – achtsam, ehrlich und gemeinsam.
Warum das gerade jetzt so wichtig ist
In einer Gesellschaft, die von Krisen, Unsicherheiten und Spaltungen geprägt ist, brauchen wir nicht nur technisches Wissen, sondern soziale Intelligenz und innere Stärke. Kinder, die gelernt haben, Konflikte zu verstehen und friedlich zu lösen, sind besser gerüstet für das Leben – in der Schule, in Beziehungen, im Beruf und in der Demokratie.
Denn:
🚩 Wer sich selbst versteht, kann andere verstehen.
🚩 Wer gehört wird, muss nicht schreien.
🚩 Wer Konflikte aushalten kann, wird nicht so schnell gewalttätig.
🚩 Friedensbildung ist kein „Soft Skill“, sondern eine grundlegende Zukunftskompetenz.
Friedensschulen als Beitrag zur Gesellschaft
Ich bin überzeugt: Jede Schule kann zur Friedensschule werden. Und jede Friedensschule trägt dazu bei, dass unsere Gesellschaft freundlicher, gerechter und widerstandsfähiger wird.
Was Kinder in der Grundschule über Konflikte, Gefühle, Zusammenarbeit und Empathie lernen, prägt sie für ihr ganzes Leben. Es stärkt ihr Selbstwertgefühl, ihre Kommunikationsfähigkeit – und ihr Vertrauen in sich und andere.
Für mich persönlich ist dieses Projekt auch eine Haltung: Ich will nicht zuschauen, wie Schulen unter Druck geraten, wie Kinder in Systeme gepresst werden, die nicht mehr tragen können. Ich will mitgestalten. Räume öffnen. Menschen stärken. Das Projekt „10 Friedensschulen für Leipzig“ ist mein Beitrag dazu. Und ich freue mich auf jede Schule, die sich mit uns auf diesen Weg macht.
Die Projektziele
Das Projekt verfolgt folgende Hauptziele:
- Kinder werden befähigt, Konflikte gewaltfrei und eigenständig zu lösen
- Pädagogische Fachkräfte erwerben Sicherheit im Umgang mit Konflikten und wenden die Friedenstreppe an
- Schulen und Kitas entwickeln eine friedensfördernde Beziehungskultur
- Leipzig positioniert sich als Stadt des Friedens und der Bildungsinnovation
- Ein nachhaltiges Modell entsteht, das auf andere Regionen übertragbar ist
So sieht das Projekt konkret aus
Steinbeis zeigt Haltung – und macht Mut zur Veränderung
Das Projekt basiert auf meiner Idee und wird in Kooperation zwischen dem Bundesverbandes Steinbeis für Mediation, Supervision und Coaching und der Berliner comedu GmbH (communication, mediation, education) durchgeführt. Der Bundesverband wird dieses Projekt aktiv mit tragen und fördern. Seit vielen Jahren engagiert sich der Verband für den Schulmediationskongress. Mit dem Projekt „10 Friedensschulen für Leipzig“ geht der Verband nun einen Schritt weiter und bringt die Mediation in Gestalt der Friedensbrücken direkt an Schulen in Leipzig. Besten Dank an ✨Ulrike Arndt und ✨Dr. Gernot Barth für die wunderbare Zusammenarbeit in diesem Projekt.
Gemeinsam mit der comedu GmbH ein starkes Bündnis
Kooperationspartnerin des Projekts ist die comedu GmbH aus Berlin, der ich als Geschäftsführerin vorstehe. comedu bringt ihre Expertise in Demokratielernen, Partizipationsförderung und kreativer Bildungsarbeit ein. Sie ist Träger des großen jährlichen Schulmediationskongresses, der Schulmediationsausbildung online sowie weiterer Aktivitäten.
So funktioniert’s
Das Projekt richtet sich an zehn Leipziger Grundschulen, die bereit sind, sich gemeinsam mit ihren Schüler:innen, Kolleg:innen und Eltern auf den Weg zu machen. Jede Schule durchläuft dabei ein mehrstufiges Modell:
- Zwei Pädagog:innen pro Schule nehmen an einem zweitägigen Training teil und werden darin geschult, die Friedensbrücke sowie die Friedensarbeit im Schulalltag professionell zu verankern.
- Eine dritte oder vierte Klasse pro Schule erlebt die Friedensbrücke – ein kindgerechtes Trainingsformat, das hilft, Konflikte zu benennen, Gefühle auszudrücken und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie baut oder malt eine Friedensbrücke für die Schule und stellt sie anderen Schüler:innen vor.
- Ziel ist es, dass die Haltung der Friedensarbeit sich in der Schule verbreitet – durch Vorbildwirkung, Weitergabe im Kollegium, schulinterne Projekte und sichtbare Verankerung im Schulprogramm oder Leitbild.
Längerfristig soll jährlich ein Friedensprojekt in den Schulen durchgeführt werden. Wichtig ist: Der Friedensgedanke wird sichtbar, erlebbar – und im Schulalltag verankert. Dazu kann jede Schule im Laufe des Schuljahres ein eigenes Projekt durchführen– sei es ein Theaterstück, ein Lied, ein Kunstprojekt oder eine Mitmachaktion zum Thema Frieden. Jetzt geht es jedoch erst einmal um den Anfang …
Der Zeitplan – auf dem Weg zum Frieden
Die Eröffnungsveranstaltung findet am 22. September 2025, dem Internationalen Tag des Friedens, statt – ein symbolischer und kraftvoller Startpunkt.
Im Oktober/November 2025 folgen die zweitägigen Trainings für die Pädagog:innen sowie die Schulungen in den Klassen.
Bitte um Interessensbekundung der Schulen
Die Interessensbekundung läuft ab sofort. Leipziger Grundschulen, die Teil des Projektes werden möchten, können sich können bis zum 20. August 2025 formlos Ihre Interessensbekundung abgeben. Neben der Bekundung soll natürlich auch die Ansprechpartnerin oder der Ansprechpartner des Projektes an der Schule angegeben werden. Und ergänzend ein Motivationsgedanken, weshalb die Schule am Projekt teilnehmen möchtet.
Leser:innen dieses Blogartikels haben es einfach. Schreibe dazu das Interesse unten in den Kommentar und wir melden uns bei dir / bei Ihnen.
Ich bin sehr dankbar und voller Vorfreude auf dieses Projekt. Leipzig bekommt zehn Friedensschulen, und ich bin überzeugt, dass sie Impulse weit über die Stadt hinaus setzen werden.
💕 Herzlich, eure
💕 Dr. Christa Schäfer
Mediatorin (BM), Mediationsausbilderin (BM), Demokratiepädagogin, Schulmediatorin, Projektleiterin von „10 Friedensschulen für Leipzig“ und Vorstandsmitglied im Bundesverband Steinbeis für Mediation, Supervision und Coaching.


