Die Fish!-Philosophie

Der Fisch symbolisiert die FISH! Philosophie

Was hat ein quirliger Fischmarkt in Seattle mit Mediation, Coaching und Pädagogik zu tun? Mehr, als du denkst – denn hinter dem bunten Treiben auf dem Fischmarkt steckt eine Philosophie, die mit vier einfachen Prinzipien Beziehungen stärkt und Motivation erhöht. Das Ganze gibt dann zusammen die Fish!-Philosophie

Inhalt

Es war ein ganz normaler Morgen in Seattle – zumindest dachte ich das. Ich war 2024 auf Workation dort, mitten im Trubel der Stadt, mit Blick auf neue Ideen für meine Arbeit als Mediatorin und Pädagogin. Und dann stand ich plötzlich vor einem Marktstand, an dem Fischverkäufer mit lautem Lachen Lachse durch die Luft warfen, sich gegenseitig anfeuerten und den Kund:innen ein Lächeln ins Gesicht zauberten.

Was auf den ersten Blick wirkte wie ein touristischer Showact, entpuppte sich schnell als etwas viel Tieferes: Die Verkäufer am Pike Place Fish Market leben und arbeiten nach einem Konzept, das mittlerweile weltweit unter dem Namen Die Fish!-Philosophie bekannt ist.

Diese Begegnung hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich hatte das Glück, sie live zu erleben – nicht als Zuschauerin in einem Imagefilm, sondern mittendrin. Und genau seit diesem Moment lässt mich die Fish!-Philosophie nicht mehr los.

Blick auf den Publik Market Seattle

Was mich an der Fish!-Philosophie fasziniert

Es ist nicht nur die gute Laune. Es ist die Haltung dahinter. Die bewusste Entscheidung, wie wir mit anderen umgehen. Ob am Fischstand, in der Mediation, im Coaching oder in der Schule – wir haben die Wahl, wie wir Beziehungen gestalten. Und das macht die Fish!-Philosophie so spannend: Sie ist leicht zugänglich und gleichzeitig tiefgründig.

In diesem Artikel nehme ich dich mit auf eine Reise durch die vier Prinzipien der Fish!-Philosophie – mit vielen Beispielen und Ideen, wie du sie in deinem eigenen beruflichen Alltag nutzen kannst. Egal ob du in der Mediation, im Coaching oder in der Pädagogik arbeitest: Hier steckt viel Potenzial für gelingende Beziehungen, echte Präsenz und überraschend viel Leichtigkeit.

Verkäufer mit Fisch und guter Laune beim Fischmarkt Seattle

Und falls du sehen möchtest, wie es auf dem Fishmarket in echt zugeht, dann gewinne gerne hier auf youtube einen kleinen Einblick

Ursprung der Fish!-Philosophie

Die Geschichte von der Fish!-Philosophie beginnt an einem Fischmarkt. Genauer gesagt, am weltberühmten Pike Place Fish Market in Seattle.

Was heute wie ein lebendiges, fröhliches Spektakel wirkt, war nicht immer so. In den 1980er-Jahren stand der Marktstand kurz vor dem Aus. Das Team war unmotiviert, der Umsatz stagnierte, und von Freude bei der Arbeit war wenig zu spüren. Doch anstatt sich dem Frust hinzugeben, traf das Team – gemeinsam mit einem Coach – eine radikale Entscheidung: Sie wollten der beste Fischstand der Welt werden.

Was auf den ersten Blick größenwahnsinnig klingt, wurde zur Geburtsstunde einer Haltung, die Menschen auf der ganzen Welt bis heute inspiriert. Denn um dieses Ziel zu erreichen, brauchten sie keine besseren Fische – sondern ein besseres Miteinander. Sie entwickelten vier einfache, aber kraftvolle Prinzipien, die seitdem unter dem Begriff Fish!-Philosophie bekannt sind.

Das Beeindruckende: Diese Philosophie wurde nicht am Reißbrett entworfen, sondern entstand aus der Praxis – aus echter Notwendigkeit und einem starken Wunsch nach Veränderung. Genau deshalb ist sie so alltagsnah.

Ich selbst konnte die Fish!-Philosophie bei meiner Workation in Seattle und beim Marktbesuch dort hautnah erleben. Und ich kann dir sagen: Da steckt mehr dahinter als nur ein paar fliegende Fische. Es ist die spürbare Energie, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und die Kunst, auch im stressigen Alltag die Verbindung zu den Menschen nicht zu verlieren.

Christa vor dem Fischmarkt Seattle

Die vier Prinzipien der Fish!-Philosophie

Was macht die Fish!-Philosophie so besonders? Es sind vier einfache Prinzipien, die auf den ersten Blick fast banal klingen – und genau deshalb so kraftvoll sind. Denn sie greifen dort, wo es zählt: bei der Haltung, mit der wir Menschen begegnen.

Diese vier Prinzipien lauten:

Sie sind keine starren Regeln, sondern Einladungen zur Reflexion und zum bewussten Handeln. Ob im Mediationsteam, beim Coaching mit Einzelpersonen oder im pädagogischen Alltag mit Kindern und Jugendlichen – die Fish!-Philosophie erinnert uns daran, wie viel Gestaltungsspielraum wir tatsächlich haben.

Die Philosophie lässt sich übrigens wunderbar mit anderen Ansätzen verbinden – mit systemischem Denken, Gewaltfreier Kommunikation oder achtsamer Pädagogik. Sie ist kein Gegensatz zu Tiefe, Professionalität oder Ernsthaftigkeit – sondern oft der Schlüssel, um genau diese zu ermöglichen.

Erstes Prinzip „Wähle deine Einstellung“

Das erste Prinzip der Fish!-Philosophie lautet: „Wähle deine Einstellung“

Jeder Mensch kann selbst entscheiden, mit welcher Einstellung er in den Tag und an seine Aufgaben geht. Diese bewusste Wahl beeinflusst das eigene Wohlbefinden und das Umfeld maßgeblich.

Was so simpel klingt, hat es in sich. Es bedeutet: Ich habe die Wahl, wie ich auf eine Situation reagiere – und welche Haltung ich einnehme.

In der Mediation zeigt sich dieses Prinzip besonders deutlich, denn in der Mediation ist stets meine innere Haltung entscheidend:

🐟 Ich gehe wertfrei und offen in den Prozess

🐠 Ich bin ich präsent, auch wenn ich innerlich getriggert werde

🐟 Ich vertraue darauf, dass Entwicklung möglich ist – selbst wenn der Anfang noch so verhärtet wirkt

Auch im Coaching spielt dieses Prinzip eine zentrale Rolle. Viele Klient:innen kommen mit der Idee, dass äußere Umstände sie festhalten oder andere ihnen im Weg stehen. Gemeinsam erarbeiten wir dann, wie sie sich innerlich neu positionieren können – nicht durch Verdrängung, sondern durch bewusste Wahl. Wer seine Einstellung bewusst wählt, übernimmt Verantwortung für den eigenen Einflussbereich.

Und in der Pädagogik?

Gerade im stressigen Schul- oder Kita-Alltag erleben viele Fachkräfte Momente, in denen sie zwischen Reiz und Reaktion einfach „funktionieren“. Genau hier lädt uns die Fish!-Philosophie ein, einen Schritt zurückzutreten und neu zu wählen.

🐟 Bleibe ich in der Bewertung eines schwierigen Kindes – oder sehe ich das Verhalten als Signal?

🐠 Reagiere ich genervt auf die zehnte Rückfrage – oder sehe ich darin ein Bedürfnis nach Sicherheit?

„Wähle deine Einstellung“ bedeutet nicht, dass alles leicht sein muss. Aber es gibt dir Handlungsspielraum – und damit Würde. Du bist nicht ausgeliefert, sondern gestaltest mit.

Diese bewusste Haltung ist für mich ein Kernbestandteil professioneller Beziehungsarbeit. Und genau deshalb hat mich die Fish!-Philosophie in Seattle so berührt. Da standen Menschen, die Fische verkauften – und gleichzeitig eine Haltung lebten, die wir alle in unsere Arbeit mitnehmen können.

Zweites Prinzip „Spiel mit allem, was du tust“

Das zweite Prinzip der Fish!-Philosophie heißt: „Spiel mit allem, was du tust“

Arbeit darf und soll Spaß machen. Durch spielerisches und kreatives Handeln entsteht eine positive Atmosphäre, die Motivation und Innovation fördert.

Es geht nicht darum, albern zu sein oder Arbeit zu einem Kasperletheater zu machen – sondern darum, eine spielerische, kreative Grundhaltung einzunehmen. Denn Spiel bedeutet: neugierig bleiben, ausprobieren dürfen, nicht alles kontrollieren müssen.

Ich erinnere mich noch gut an die Stimmung am Pike Place Fish Market in Seattle. Da war echtes Chaos, aber kein Stress. Rufe flogen durch die Luft, Fische auch, und mittendrin: Lachen, spontane Wortwechsel mit den Kund:innen, ein Miteinander, das auf echtem Spaß basierte. Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Die Fish!-Philosophie meint mit „Spiel“ eine Haltung, die auch in fordernden Kontexten Lebendigkeit bewahrt.

In der Mediation kann genau das helfen, wenn Gespräche festgefahren wirken. Ich nutze gern kleine Methoden oder Impulse, um Leichtigkeit einzuladen:

🐠 eine ungewöhnliche Frage, wie z.B. „Mit welcher Farbe würden Sie Ihren Konflikt beschreiben?“

🐟 eine kreative Visualisierung

🐠 oder ein Perspektivwechsel über Humor

🐟 Spiel öffnet neue Räume – ohne den Konflikt zu bagatellisieren

Auch im Coaching kann ein spielerischer Zugang neue Energie bringen. Wenn Menschen feststecken, hilft oft nicht noch mehr Analyse, sondern ein kleiner Umweg: ein Aufstellungsobjekt, eine absurde Analogie, ein Satz wie „Stell dir vor, du wärst ein Wetterbericht – wie würde das kommende Wetter lauten?“ Das bringt Bewegung ins Denken – und genau das brauchen Veränderungsprozesse.

Und in der Pädagogik ist Spiel ohnehin ein Grundpfeiler. Doch auch hier gilt: Spiel darf nicht nur für Kinder gelten. Lehrkräfte, Erzieher:innen, Schulsozialarbeitende – wir alle dürfen mitspielen.

🐠 In Projekten, in Ritualen, in Sprache.

🐟 Wenn wir mit einer Klasse lachen, statt schimpfen.

🐠 Wenn wir mit Kindern Ideen spinnen, statt nur Vorgaben umsetzen.

Die Fish!-Philosophie erinnert uns daran: Arbeit darf Freude machen. Und gerade in emotional belastenden Kontexten wie Mediation oder Schule ist es diese Freude, die Beziehungen trägt und Motivation nährt.

Drittes Prinzip „Bereite anderen eine Freude“

Das dritte Prinzip der Fish!-Philosophie lautet: „Bereite anderen eine Freude“

Ziel ist es, anderen – Kollegen, Kunden oder Partnern – aktiv eine Freude zu bereiten und ihren Tag zu verschönern. Jede Interaktion bietet die Chance, etwas Positives zu bewirken

Und nein, das heißt nicht, ständig Geschenke zu verteilen oder sich selbst zu vergessen. Es geht um echte, kleine Gesten der Wertschätzung. Um Momente, in denen du einem anderen Menschen zeigst: Ich sehe dich.

Als ich in Seattle am Fischstand stand, habe ich es selbst erlebt: Ein Verkäufer warf nicht nur Fische, sondern auch Komplimente. Er begrüßte eine ältere Dame mit „You look like sunshine today!“ – und ihre ganze Haltung veränderte sich. Ich bekam Gänsehaut. Diese kleine Geste war völlig authentisch. Kein Verkaufstrick. Sondern ein Ausdruck von Beziehung. Genau das macht die Fish!-Philosophie so kraftvoll.

Auch in der Mediation sind solche Momente Gold wert. Besonders dann, wenn die Fronten verhärtet sind. Ein aufrichtiger Satz wie „Ich finde es großsartig, dass Sie heute gekommen sind, obwohl es nicht leicht war.“ kann die Atmosphäre verändern. Oder die bewusste Entscheidung, in der Zusammenfassung positive Aspekte zu betonen („Sie beide haben ein Ziel: Sie wollen, dass es Ihren Kindern gut geht.“).

Im Coaching ist Wertschätzung ein zentraler Wirkfaktor. Und doch vergessen wir sie manchmal im Eifer des methodischen Gefechts. Dabei ist es oft ein einziger Satz, der Mut macht:

🐟 „Was Sie da leisten, ist beeindruckend.“

🐠 „Ich sehe, wie viel Herzblut Sie investieren.“

🐟 „Dafür lohnt es sich weiterzugehen.“

In der Pädagogik schließlich ist dieses Prinzip ein echter Gamechanger. Kinder, Jugendliche und auch Kolleg:innen blühen auf, wenn sie gesehen werden. Ich arbeite in vielen Schulen mit der Übung „Warme Dusche“ – eine Komplimenterunde, die nicht oberflächlich, sondern verbindend wirkt. Auch kleine Rituale wie „Wertschätzungssterne“ oder Wochenbriefe mit positiven Rückmeldungen können den Schulalltag nachhaltig verändern.

Denn das Schöne ist: Freude schenken kostet nichts – und verändert trotzdem alles. Die Fish!-Philosophie erinnert uns daran, dass Beziehung nicht durch Perfektion entsteht, sondern durch kleine Zeichen von Menschlichkeit.

Viertes Prinzip „Sei präsent“

Das vierte Prinzip der Fish!-Philosophie lautet: „Sei präsent“

Präsenz bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und sich voll und ganz auf die aktuelle Aufgabe und das Gegenüber zu konzentrieren. So entstehen echte Verbindungen und Wertschätzung

Und es ist vielleicht das herausforderndste von allen. Denn präsent zu sein bedeutet, ganz da zu sein – mit deiner Aufmerksamkeit, deiner Haltung, deinem Herzen. Nicht im Autopilot, nicht mit halbem Ohr, nicht mit Gedanken beim nächsten To-do. Sondern jetzt.

Am Pike Place Market in Seattle habe ich gesehen, was das bedeuten kann. Die Verkäufer dort tun viele Dinge gleichzeitig – Fisch werfen, kassieren, rufen, lachen – und trotzdem haben sie in jeder Begegnung Präsenz gezeigt. Ob Kind oder Tourist, Stammkundin oder Fotokamera – sie waren da. Echte Verbindung in einem Sekundenmoment. Das ist die Fish!-Philosophie in Reinform.

In der Mediation ist Präsenz das Fundament. Wenn ich nicht voll da bin, spüren es alle im Raum. Präsenz heißt: Ich höre nicht nur, ich lausche. Ich beobachte, ohne sofort zu bewerten. Ich nehme Körpersprache wahr, Zwischentöne, Spannungen. Und ich halte aus – auch das, was schwer ist. Gerade in hoch eskalierten Situationen ist meine Präsenz oft das einzige stabile Element.

Im Coaching geht es darum, mit dem Gegenüber in einen Resonanzraum zu treten. Präsenz bedeutet hier: Ich bin nicht nur Coach, sondern Mensch. Ich halte die Stille aus, stelle nicht die nächste kluge Frage, sondern warte. Lasse Raum. Und manchmal entstehen genau dann die entscheidenden Erkenntnisse – weil jemand endlich ganz gesehen wird.

In der Pädagogik ist Präsenz ein Geschenk. Für Kinder und Jugendliche, die sich oft nach echter Aufmerksamkeit sehnen. Eine Lehrkraft, die kurz innehält, Augenkontakt aufnimmt, sich auf die Höhe des Kindes begibt – das bleibt. Präsenz schafft Sicherheit. Und sie ist oft der Unterschied zwischen einem eskalierenden Streit und einem klärenden Gespräch.

Die Fish!-Philosophie macht uns bewusst: Wir können jeden Tag entscheiden, ob wir Menschen wirklich begegnen – oder nur an ihnen vorbeihandeln.

viele Menschen beim Fischmarkt Seattle

Mehr als gute Laune – Die Tiefe der Fish!-Philosophie

Wer die Fish!-Philosophie nur für eine nette Stimmungskampagne hält, unterschätzt ihre Wirkung. Denn hinter den vier einfachen Prinzipien steckt ein tiefes Verständnis von Beziehung, Verantwortung und Arbeitskultur. Es geht nicht darum, Konflikte zu übertünchen oder schwierige Gefühle wegzulächeln. Im Gegenteil: Die Philosophie lädt uns ein, in herausfordernden Situationen bewusst Haltung zu zeigen.

Sie fordert uns auf, nicht in den Reaktionsmodus zu verfallen – sondern in den Gestaltungsmodus zu wechseln:

🐠 Wie will ich mit Menschen sprechen, auch wenn ich müde bin?

🐟 Und wie will ich zuhören, auch wenn ich unter Zeitdruck stehe?

🐠 Und wie will ich führen, begleiten, vermitteln?

In meiner Arbeit mit Teams, in Mediationen oder Workshops sehe ich immer wieder, wie die Prinzipien der Fish!-Philosophie Veränderungen auslösen – nicht, weil sie neu wären, sondern weil sie erinnern. An das, was uns wichtig ist. An das, was manchmal im Alltag untergeht.

Und: Die Philosophie wirkt nicht nur individuell, sondern systemisch. Wenn ein Team beginnt, diese Haltung zu leben, verändert sich die Stimmung. Die Kommunikation wird offener. Konflikte werden nicht mehr als Störung, sondern als Lernchancen gesehen. Beziehungen vertiefen sich. Vertrauen wächst.

Dabei funktioniert die Fish!-Philosophie auch wunderbar in Kombination mit anderen Ansätzen – etwa mit Mediation nach dem Harvard-Konzept, systemischem Coaching oder partizipativer Pädagogik. Sie ist kein entweder-oder, sondern ein tragender Rahmen, der alles verbinden kann.

Für mich ist sie eine tägliche Einladung:

🐟 Zur Selbstreflexion.

🐠 Zur bewussten Entscheidung.

🐟 Zur echten Begegnung.

Grenzen der Fish!-Philosophie

So inspirierend und motivierend die Fish!-Philosophie auch ist – sie ist kein Allheilmittel. Und sie sollte auch nicht missverstanden werden. Denn wo Freude zum Zwang wird, entsteht das Gegenteil von Lebendigkeit: Oberflächlichkeit, Erschöpfung oder sogar emotionale Kälte hinter einem Dauerlächeln. Genau deshalb ist eine kritische Einordnung wichtig.

Verkäufer mit Fisch auf Fischmarkt Seattle

Kein „Happy-Washing“ bitte!

In manchen Organisationen wird das Prinzip „Mach jemandem eine Freude“ leider so interpretiert, als müssten alle immer fröhlich sein – unabhängig davon, wie es ihnen wirklich geht. Das ist nicht nur ungesund, sondern auch gefährlich: Denn wer negative Gefühle nicht zeigen darf, verliert sich selbst.

Die Fish!-Philosophie lädt nicht zur Verdrängung ein – sondern zur bewussten Wahl. Und die darf auch heißen: Heute bin ich erschöpft, traurig oder still. Wichtig ist, sich selbst dabei freundlich zu begegnen – und anderen auch.

Raum für echte Emotionen

In der Mediation, im Coaching oder in der pädagogischen Arbeit begegnen uns oft starke Gefühle: Wut, Enttäuschung, Scham, Ohnmacht. Wer hier mit einer „positiven Fassade“ reagiert, kann ungewollt abwerten. Dann wirkt das Prinzip „Spiel mit allem, was du tust“ schnell wie Zynismus. Viel hilfreicher ist es, diese Gefühle wahrzunehmen, anzuerkennen – und dann zu schauen: Was hilft mir jetzt, um handlungsfähig zu bleiben?

Die Fish!-Prinzipien können dabei eine Orientierung sein, kein Zwang. Es geht um innere Beweglichkeit, nicht um emotionale Kontrolle.

Impuls, nicht Dogma

Für mich persönlich ist die Fish!-Philosophie ein Impulsgeber – kein Dogma. Ich frage mich nicht: Habe ich heute genug Freude gemacht? Sondern:

🐠 Wie bin ich heute anderen Menschen begegnet?

🐟 War ich präsent, offen, zugewandt?

🐠 Habe ich meine Einstellung bewusst gewählt – oder bin ich gerutscht?

Wenn wir sie so verstehen, kann die Fish!-Philosophie uns wirklich bereichern. Nicht als Methode, sondern als Haltung. Nicht als Regelwerk, sondern als Einladung zum echten Kontakt – mit anderen und mit uns selbst.

Fazit

Wenn ich heute an meinen Aufenthalt in Seattle zurückdenke, dann denke ich nicht nur an fliegende Fische und lachende Marktverkäufer. Ich denke an einen Moment, in dem mir bewusst wurde, wie kraftvoll Haltung im Alltag wirken kann. Die Fish!-Philosophie hat mich dort mitten im Trubel eines Fischmarkts erreicht – und begleitet mich seither durch Mediationen, Workshops, Coachings und pädagogische Prozesse.

Was ich daran so schätze? Ihre Einfachheit. Und ihre Tiefe.

Die vier Prinzipien –

🌟 Wähle deine Einstellung

✨ Spiel mit allem, was du tust

🌟 Mach jemandem eine Freude

✨ Sei präsent –

… sind kein Werkzeugkoffer mit schnellen Lösungen. Sie sind ein Kompass. Sie helfen mir, auch in schwierigen Situationen bei mir zu bleiben. Und sie erinnern mich daran, dass Beziehung immer gestaltbar ist – mit Herz, Klarheit und Humor.

Ich wünsche mir, dass wir gerade in herausfordernden beruflichen Feldern wie Mediation, Coaching und Pädagogik den Raum behalten für genau diese Haltung:

🐟 Für bewusste Entscheidungen statt Automatismen.

🐠 Für echte Begegnung statt bloße Abläufe.

🐟 Für Menschlichkeit – auch und gerade, wenn es schwierig wird.

Wenn du Lust hast, die Fish!-Philosophie selbst einmal auszuprobieren, dann wähle doch für die nächste Woche eines der vier Prinzipien bewusst aus – und beobachte, was sich verändert. Vielleicht notierst du dir am Abend, wie es dir damit ging. Und vielleicht merkst du: So klein die Impulse sind – so groß kann ihre Wirkung sein.

Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. Schreib mir gern oder komm mit mir ins Gespräch – z. B. bei einem meiner Workshops oder im Rahmen des nächsten online Schulmediationskongresses.

🐠 Und bis dahin: Bleib präsent. Bleib mutig. Und wirf ruhig mal einen Fisch.

🐟 Alles Gute wünscht dir Christa

Literaturhinweise

Stephen C. Lundin; Harry Paul; John Christensen: Fish!™. Ein ungewöhnliches Motivationsbuch – Mit einem Vorwort von Ken Blanchard. Goldmann 2015.

Stephen C. Lundin; Harry Paul; John Christensen: Für immer FISH!™. Wie Sie die Fish!™-Philosophie verankern und Ihre Motivation frisch halten. Goldmann 2006.

Stephen C. Lundin; Harry Paul; John Christensen: Fish for Life. Mit der Fish!™-Philosophie zu einem glücklichen Privatleben. Goldmann 2006.

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