Schnee über Lindenwinkel ist eine winterliche Kurzgeschichte über Chaos, Dunkelheit und einen unerwarteten Moment der Ruhe. Ein Schneesturm, ein Stromausfall und ein geheimnisvolles Klopfen bringen alles durcheinander – bis Achtsamkeit, Nähe und Menschlichkeit den Abend retten. Eine Geschichte für kalte Tage und warme Herzen.
🌟🎄💫
Schnee über Lindenwinkel
Eine winterliche Kurzgeschichte
von Dr. Christa D. Schäfer
In Lindenwinkel fing der 23. Dezember eigentlich ganz harmlos an. Ein bisschen Schnee, ein bisschen Wind – nichts, das Familie Mertens aus der Ruhe bringen konnte. Doch gegen Mittag zog ein richtiges Wintermonster auf: Ein Schneesturm, der aussah, als hätte jemand eine ganze Kissenfabrik in die Luft gejagt. Der Wind heulte wie ein Wolf, die Flocken tanzten wie verrückt, und die Straße vor dem Haus verschwand unter einer dicken, weißen Decke.
Dann passierte alles gleichzeitig
Der Strom ging aus.
Mit einem zisch verschwanden die Lichter.
Die Heizung gluckerte noch einmal beleidigt und verstummte.
Und die Handyakkus – natürlich – nur noch 7 %, 4 %, 1 % … tot.
„Super“, murmelte Papa Mertens und tastete im Dunkeln nach einer Kerze.
„Das war mein letzter Satz Hausaufgaben“, seufzte Sohn Tom, „die waren im Onlineportal…“
„Und ich wollte doch die Plätzchen fertig backen!“, jammerte die kleine Leni.
„Die sind jetzt halb roh UND verbrannt.“
Mama Mertens kniff die Augen zusammen: „Wieso riecht’s plötzlich nach Rauch?“
Alle rannten gleichzeitig in die Küche.
Die Plätzchen sahen aus wie kleine Kohlebriketts.
Der Schneesturm heulte draußen, drinnen schrie jeder durcheinander.
Und dann klopfte es, laut
Domm! Tadomm! Tadadomm!
Tom schrie: „Ein Einbrecher!“
Leni kreischte: „Ein Schneemonster!“
Papa rief automatisch: „Ich hab einen Besen als Waffe!“
Mama schnappte sich eine Taschenlampe wie eine Polizistin.
Langsam öffneten sie die Tür.
Draußen stand – halb eingeschneit, völlig durchgefroren – Onkel Ben.
Der chaotischste Mensch, den man sich vorstellen konnte.
Seine Mütze hing schief, seine Handschuhe waren zwei verschiedene, und sein Auto … steckte schräg im Schnee, wie ein gestrandeter Wal.
„Ich glaube“, sagte Onkel Ben zitternd, „ich hab mich verfahren.“
Die Katastrophe war komplett
Kalter Sturm.
Kein Strom.
Verbrannte Plätzchen.
Ein feststeckendes Auto.
Ein unerwarteter Gast.
Leni begann zu zittern.
Tom schnaufte.
Papa fluchte.
Mama sah aus, als würde sie gleich die Küche putzen, nur um sich zu beruhigen.
Und dann, wie aus dem Nichts, schlug die alte Standuhr im Wohnzimmer fünfmal.
Ein dumpfer, warmer Klang.
Ganz anders als der Sturm draußen.
Fünf Schläge.
Fünf Atemzüge.
Und plötzlich fühlten alle das Gleiche.
Stopp
Einfach mal stehen bleiben.
Atmen.
Schauen, was wirklich wichtig ist.
Mama setzte sich auf den Boden.
„Ich glaube, wir müssen einmal kurz… nichts tun.“
Alle schauten sie an.
„Setzt euch“, sagte sie.
„💫 Wir sind zusammen.
💛 Wir sind warm angezogen.
💫 Wir sind sicher.
✨ Der Rest… findet sich.“
Und so saßen sie da – auf dem Wohnzimmerteppich, umringt von Kerzen, Onkel Ben inklusive – und lauschten dem Sturm.
Tom lehnte sich halb an Papa, Leni kuschelte sich an Mama, und Onkel Ben holte ein Stück Käse aus seinem Rucksack, als hätte er nur darauf gewartet, eine Notfallvesper zu eröffnen.
Und dann passierte etwas Seltsames
Es wurde stiller.
Im Kopf.
Im Haus.
Und sogar draußen.
Leni flüsterte: „Ist das… Weihnachten?“
Mama lächelte. „Vielleicht ist Weihnachten genau das: Wenn wir trotz Chaos einen Moment Ruhe finden.“
Ein paar Stunden später…
Der Sturm legte sich.
Der Mond kam vorsichtig hinter den Wolken hervor.
Und als Papa nach draußen schaute, sah er es:
Ein Nachbar hatte das Auto von Onkel Ben halb freigeschaufelt.
Eine Kerze stand als Zeichen im Schnee.
Jemand hatte geholfen.
Einfach so.
„Seht ihr“, sagte Papa, „manchmal braucht man nur ein bisschen Zeit… und einander.“
Kurz nach Mitternacht ging auch der Strom wieder an.
Lichter flackerten.
Die Heizung gähnte und erwachte.
Und Leni rief: „Ich backe neue Plätzchen! Und diesmal passen wir alle darauf auf!“
Alle lachten.
Und der 23. Dezember wurde…
trotz allem,
wegen allem,
ein wunderschöner Vorweihnachtstag.
Ich wünsche euch ein schönes Weihnachtsfest 2025,
sagt Christa ✨



2 Antworten
Genau liebe Christa,
“ wir sind zusammen
wir sind warm angezogen
wir sind sicher
Der rest findet sich “
So oft wir vergessen die wichtigsten Dinge zu schätzen ✨️
Liebe Grüße,
Vilma
Hallo Vilma,
danke dir von Herzen für diese Rückmeldung. ✨
Ja – genau das. So schlicht, so wahr und so tragend.
Wenn wir zusammen sind, uns sicher fühlen und ein bisschen Wärme da ist, darf der Rest tatsächlich wachsen, sich finden, sich ordnen. Viele Grüße von Christa 💫✨