Was will ich eigentlich bewirken, als Pädagogin, als Mediatorin, als Trainerin?
Diese Frage taucht bei mir immer wieder auf – nicht nur in Übergangsphasen oder Krisen, sondern auch mitten im Alltag. Wenn ich zum x-ten Mal einen Workshop plane, ein schwieriges Gespräch führe oder ein Kind dabei begleite, seine Gefühle zu sortieren.
In solchen Momenten halte ich inne und erinnere mich daran, warum ich das alles mache. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich etwas verändern will. Weil ich wirken will. Weil ich spüre: Es macht einen Unterschied.
Sich seines Purpose – seines eigenen Wozu – bewusst zu sein, ist kein Luxus. Es ist ein Kompass. Gerade in Berufen, in denen wir viel geben, ist es wohltuend und klärend, sich mit dem tieferen Sinn hinter dem eigenen Tun zu verbinden.
Inhalt
Purpose – mehr als ein Trendwort
„Purpose“ ist ein Begriff, der in letzter Zeit vermehrt auftaucht – in Unternehmen, in der Persönlichkeitsentwicklung, in Imagekampagnen. Für manche klingt er abgegriffen. Anderen ist er bisher vollkommen unbekannt. Der eigentliche Kern dieses Begriffes ist kraftvoll: Purpose bedeutet, dem eigenen Handeln Sinn und Richtung zu geben.
Nicht zu verwechseln mit einer Vision.
Übrigens, meine Vision ist bereits in diesem Blog nachzulesen.
Sie lautet: Die Mediation in Erziehung und Bildung bekommt den Platz, der ihr gebührt.
Aber jetzt geht es in diesem Blogartikel um Purpose …
Für mich heißt das: Ich frage nicht nur Was tue ich?, sondern Was will ich bewirken?
Welche Spuren möchte ich hinterlassen – bei den Menschen, mit denen ich arbeite, aber auch in der Welt, die mich umgibt?
„Purpose ist kein Trend, sondern schon immer da gewesen. Die Frage, die sich Organisationen stellen müssen, ist, wie sie diesen Purpose erlebbar machen – aus Überzeugung.“ Fabian Kienbaum (Chief Empowerment Chef von Kienbaum Consultants International)
Interessant ist auch die Kienbaum Purpose Studie 2020, in der Fach- und Führungskräfte aus Deutschland zum Purpose in ihrem Unternehmen befragt wurden. Ein Ergebnis dieser Studie war, dass die Einführung eines wertvollen Unternehmenspurpose die Mitarbeiterzufriedenheit in ¾ der befragten Unternehmen zum Positiven verändert hat. Somit hilft ein offizielles Bekenntnis zum Purpose zwar nicht unmittelbar bei der Bewältigung des Tagesgeschäfts, steht jedoch in Verbindung mit einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit.
Gerade in sozialen, bildungsnahen Berufen reicht es nicht, nur funktional zu handeln. Wir sind mehr als unsere Methoden, unsere Pläne, unsere Tools. Wir sind Sinnträger:innen. Brückenbauer:innen. Möglichmacher:innen.
Also sollten wir uns um unseren Purpose kümmern. Immer wieder. Nicht, um uns zu überfordern – sondern um uns zu erden.
Was ich als Pädagogin bewirken will
Als Pädagogin bin ich oft im Kontakt mit jungen Menschen oder mit Menschen, die mit jungen Menschen arbeiten. Also mit Systemen, in denen junge Menschen groß werden. Ich sehe mich dort natürlich als Wissensvermittlerin im klassischen Sinn, aber auch als Beziehungsarbeiterin, Begleiterin und manchmal auch als Ermutigerin, gerade dann, wenn das Vertrauen in sich selbst Risse bekommen hat.
Ich möchte Räume schaffen, in denen Kinder und Jugendliche sich gesehen und gehört fühlen, in denen sie lernen, dass ihre Stimme zählt. Und ich wünsche mir, dass sie ihre Stärken entdecken dürfen, auch wenn sie nicht ins klassische Schulraster passen. Ebenfalls setze ich mich dafür ein, dass Bildung nicht nur Leistung meint, sondern auch Selbstwirksamkeit, Empathie und Mitgestaltung.
Wenn ich mit einer Klasse über Gerechtigkeit diskutiere, einen Klassenrat begleite oder ein Kind nach einem Streit wieder zu sich findet, dann spüre ich: Das ist der Grund, warum ich das tue. Weil ich mithelfen will, dass junge Menschen lernen, gut in Verbindung mit sich und anderen leben zu können.
Was ich als Mediatorin bewirken will
Als Mediatorin sehe ich mich oft mitten in komplexen Systemen: Familien, Kitas, Schulen. Und mittendrin: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
🩶 Kinder, die spüren, wenn Erwachsene streiten.
💚 Kinder, die schweigen, wenn sie niemand fragt.
🖤 Kinder, die reagieren – auf das, was um sie herum nicht ausgesprochen wird.
Ich möchte bewirken, dass Konflikte nicht auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen ausgetragen werden. Ich möchte Eltern, Fachkräfte, Teams dabei unterstützen, so miteinander ins Gespräch zu kommen, dass junge Menschen entlastet werden. Dass sie wieder atmen können. Spielen. Lernen. Wachsen. Dass Schulmediation in Schule ihren wichtigen Raum bekommt.
Dafür braucht es mehr als Techniken. Es braucht Räume, in denen Erwachsene sich zuhören, Verantwortung übernehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ich begleite diesen Prozess – mal leise, mal klar, immer mit dem Blick auf das Ganze. Denn wenn wir es schaffen, im Inneren eines Systems Frieden zu stiften, dann kann dieser Frieden Kreise ziehen.
Was ich als Trainerin bewirken will
Trainings sind für mich keine „Veranstaltungen“, sondern Lernräume. Räume, in denen Menschen sich weiterentwickeln – fachlich, aber auch menschlich.
Was ich bewirken will? Ich möchte, dass Teilnehmer:innen Methoden und Haltung mitnehmen. Dass sie sich ermutigt fühlen, Neues auszuprobieren, zu reflektieren, auch mal querzudenken. Ich will nicht nur Inhalte vermitteln – ich will Prozesse anstoßen.
Dabei geht es mir nicht um Perfektion. Sondern um Echtheit, Verbindung, Bewegung. Wenn ich spüre, dass sich in einer Gruppe etwas öffnet, dass Menschen anfangen, einander wirklich zuzuhören – dann weiß ich: Hier passiert gerade mehr als Training. Hier wirkt etwas.
Und was willst du bewirken? Finde deinen Purpose!
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, wie auch in dir etwas in Bewegung kommt. Vielleicht kennst du deinen Purpose längst – oder du spürst nur eine leise Ahnung. Beides ist okay. Sich dem eigenen Warum zu nähern, ist kein einmaliger Akt. Es ist eine Einladung zum Innehalten. Und manchmal auch zum Mutigsein.
Hier sind ein paar Fragen, die dir helfen können, deinem Purpose auf die Spur zu kommen:
🌀 Was hat dich in deinem Leben besonders berührt oder geprägt?
🌱 Wann fühlst du dich lebendig, kraftvoll, ganz bei dir?
🔥 Für welches Thema brennst du – selbst wenn niemand zusieht?
👣 Was soll bleiben, wenn du gehst? Was ist dein Fußabdruck?
💬 Wenn du nur einen Satz sagen dürftest: Was willst du in dieser Welt bewirken?
Du musst keine perfekten Antworten finden. Vielleicht ist es eher ein Gefühl, ein inneres Bild, ein erster Satz. Schreib ihn auf. Lass ihn wachsen. Und lies ihn dir durch, wenn du zweifelst, dich verlierst oder dich erinnerst, warum du tust, was du tust.
Wirken statt nur funktionieren
In einer Welt, die oft von Effizienz, Leistung und Tempo geprägt ist, geht der Blick für das Wesentliche schnell verloren. Wer sich mit dem eigenen Purpose verbindet, arbeitet nicht bloß mechanisch. Sondern mit Sinn. Mit Haltung. Mit innerem Feuer. Dann wird der Beruf zur Berufung, und auch kleine Handlungen entfalten eine größere Wirkung.
Wirken bedeutet, etwas zu hinterlassen: einen Gedanken, ein Gefühl, eine neue Perspektive. Es zeigt sich in der Art, wie Beziehungen gestaltet werden, wie Konflikte gelöst, wie Räume geöffnet werden – für Entwicklung, für Mitgestaltung, für Miteinander.
Es braucht keine Heldentaten, um etwas zu bewirken. Oft sind es die leisen Impulse, das beherzte Fragen, das aufmerksame Zuhören. Menschen, die mit Klarheit und Überzeugung handeln, verändern Systeme – manchmal sichtbar, manchmal ganz still.
Nicht das perfekte Konzept zählt, sondern die gelebte Haltung.
Nicht der reibungslose Ablauf, sondern der Moment, in dem etwas in Bewegung gerät.
Sinn entsteht dort, wo Menschen im Miteinander sind.
Ich freue mich sehr, dass du diesen Artikel gelesen hast.
Lass uns einen Unterschied machen.
Beste Grüße von Christa ✨


