Das DISG-Modell, auch für Kinder und Jugendliche?

Mädchen mit Sonnenbrille

DISG ist ein Persönlichkeitsmodell, das uns helfen kann, Menschen in ihrem Verhalten besser zu verstehen, ohne sie vorschnell in Schubladen zu stecken.

In der Arbeit mit Erwachsenen ist das Modell weit verbreitet. Aber ist das DISG-Modell auch für Kinder und Jugendliche geeignet? Können wir auch hier schon von „Persönlichkeitstypen“ sprechen? Und ist es überhaupt sinnvoll, junge Menschen durch ein solches Modell zu betrachten? Lies hier mehr dazu …

„Persönlichkeit zu verstehen heißt nicht, Menschen in Schubladen zu stecken, sondern Unterschiede achtsam wahrzunehmen und gut reagieren zu können.“ Dr. Christa D. Schäfer

Inhalt

Das DISG-Modell

Das DISG-Modell unterscheidet vier Grundverhaltenstypen: Dominant, Initiativ, Stetig und Gewissenhaft. Jeder Mensch trägt alle vier Anteile in sich – aber in unterschiedlicher Ausprägung.

Manche Menschen treten laut, schnell und entscheidungsfreudig auf – sie gehören eher zum „D“-Typ (dominant). Andere wirken offen, begeisterungsfähig und kontaktfreudig – das sind die „I“-Typen (initiativ). Dann gibt es Menschen, die ruhig, geduldig und harmoniebedürftig sind – sie entsprechen dem „S“-Typ (stetig). Und schließlich die, die genau, gewissenhaft und strukturiert arbeiten – typische Merkmale des „G“-Typs (gewissenhaft).

DISG steht nicht für Schubladen, sondern für Verhaltensmuster, die helfen, sich selbst und andere besser zu verstehen. Das Modell zeigt, wie Menschen ticken, wie sie kommunizieren – und was sie in Stressmomenten brauchen. Statt Persönlichkeiten in gut oder schlecht einzuteilen, hilft DISG, Unterschiede wertschätzend wahrzunehmen. Ob jemand lieber klare Ansagen mag, nach Harmonie strebt oder gerne im Detail arbeitet – DISG gibt Orientierung. Wichtig: DISG beschreibt Verhalten, nicht Charakter. Und Verhalten ist veränderbar, je nach Situation. Wer die vier Typen kennt, kann Gespräche gezielter steuern – egal ob im Klassenzimmer, Coaching oder Konfliktgespräch.

„Jedes Kind ist anders – und genau darin liegt seine Stärke. Wenn wir Unterschiede verstehen, wird Miteinander leichter.“ Dr. Christa D. Schäfer

Kinder und Jugendliche

Grundsätzlich gilt: Kinder und Jugendliche befinden sich in einem dynamischen Entwicklungsprozess. Ihre Persönlichkeit ist – anders als bei Erwachsenen – noch nicht vollständig gefestigt. Und doch lassen sich bereits bei jungen Menschen bestimmte Verhaltensmuster erkennen, die erstaunlich stabil sind. Manche Kinder reagieren schnell und impulsiv, andere brauchen lange, um sich auf Neues einzulassen. Manche übernehmen gerne die Führung, während andere lieber im Hintergrund wirken oder Harmonie in Gruppen sichern. Es sind genau diese Tendenzen, die das DISG-Modell sichtbar machen kann.

Natürlich geht es dabei nicht darum, Kinder in feste Schubladen zu stecken oder ihnen starre Etikettierungen aufzudrücken. Im Gegenteil: Das Ziel ist, ihnen eine Sprache zu geben für das, was sie spüren, denken und tun – und gleichzeitig ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass andere eben anders ticken. Gerade in der Schulmediation, in Sozialtrainings oder im Coaching mit Jugendlichen kann das einen großen Unterschied machen.

Das DISG-Modell für Kinder und Jugendliche

Tierbilder oder Farben statt Buchstaben

Das DISG-Modell lässt sich kindgerecht anpassen. Statt mit Buchstaben wie D, I, S oder G zu arbeiten, kann man beispielsweise Tierbilder nutzen, um die verschiedenen Verhaltenstypen zu beschreiben. Ein Kind, das sich klar durchsetzen kann und gerne bestimmt, könnte als löwenähnlich beschrieben werden. Ein Kind, das gerne von einem zum anderen Thema flattert und dabei bunt und viel erzählt, ähnelt einem Papagei. Ein anderes, das gerne zuhört und für alle da sein will, erinnert an eine Schildkröte. Und ein Kind, das länger nachdenkt und dann erst reagiert, und meist auch den guten Überblick hat, mutet Eulen-ähnlich an. Diese Bilder machen das Modell auch für Kinder greifbar und helfen dabei, die eigenen Verhaltensweisen – und die von anderen – besser zu verstehen.

Für die vier DISG-Typen haben sich deshalb folgende Tiere bewährt, weil sie die jeweiligen Verhaltensmuster auf eine klare, bildhafte Weise verkörpern:

D – 🦁 – Löwe – stark, durchsetzungsfähig, will führen und schnell Entscheidungen treffen

I – 🦜 – Papagei – bunt, gesellig, redet viel, liebt Aufmerksamkeit und neue Ideen

S – 🐢 – Schildkröte – ruhig, ausgeglichen, sucht Harmonie, mag keine plötzlichen Veränderungen

G – 🦉- Eule – klug, vorsichtig, beobachtet genau, denkt erst, bevor sie handelt

Diese Tiermetaphern sind leicht verständlich, auch für Kinder und Jugendliche, und können ohne Bewertung eingesetzt werden. Sie helfen dabei, Verhalten zu spiegeln, ohne es persönlich zu machen – denn niemand ist ein Tier, aber jeder kann sich manchmal wie eines verhalten. Besonders in der Schulmediation oder im Coaching mit Jugendlichen bieten sie eine kreative und niedrigschwellige Möglichkeit, über schwierige Gesprächssituationen zu reflektieren.

Eine weitere Möglichkeit ist es über Farben zu arbeiten, wir haben hier die Zuordnung:

D – 🦁 – dominant – rot

I – 🦜 – initiativ – gelb

S – 🐢 – stetig – grün

G – 🦉 – gewissenhaft – blau

DISG altersgerecht, spielerisch und ressourcenorientiert

Für Kinder und Jugendliche kann das DISG-Modell ein wirksames Werkzeug zur Selbstreflexion sein – besonders in einer Phase, in der sie beginnen, ihre Identität zu entwickeln und sich zunehmend mit Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Wie wirke ich auf andere?“ auseinandersetzen. In Gesprächen oder im Rahmen von Projekten kann die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kommunikationstypen helfen, Verantwortung zu übernehmen, Stärken zu erkennen und den Umgang mit Unterschiedlichkeit zu üben.

Kurz gesagt

Ja, das DISG-Modell kann auch bei Kindern und Jugendlichen sinnvoll eingesetzt werden – wenn es altersgerecht, spielerisch und ressourcenorientiert vermittelt wird. Es hilft jungen Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen, Konflikte einzuordnen und in Gruppen sicherer zu agieren. Dadurch ist das DISG-Modell für Pädagog:innen ein wirkungsvolles Werkzeug, um Beziehungsgestaltung, Kommunikation und Konfliktlösung wirksam zu unterstützen – ohne zu vereinfachen oder zu etikettieren.

DISG bei Kindern bedeutet nicht: „Du bist eben der Typ soundso, also bleib so.“ Sondern: „Du hast eine Tendenz – und kannst trotzdem neue Verhaltensstrategien lernen.“

Ein guter Umgang mit dem Modell bedeutet also:

  • Ressourcen stärken statt Defizite betonen
  • Vielfalt anerkennen statt Verhalten bewerten
  • Verständnis fördern statt Etiketten kleben

Mediation mit DISG bei Kindern & Jugendlichen

In der Mediation mit Kindern und Jugendlichen kann das DISG-Modell auf spielerische Weise helfen, Verhaltensmuster verständlich zu machen – ganz ohne Theorie. Statt mit Begriffen wie „dominant“ oder „gewissenhaft“ zu arbeiten, lassen sich tierische Metaphern nutzen, die den vier Typen entsprechen: etwa Löwe, Papagei, Schildkröte und Eule. Eine mögliche Frage im Gespräch lautet dann: „Ich habe hier vier Tiere. Was denkst du, wie welches Tier hast du dich in der Konfliktsituation verhalten? Als welches Tier hat sich dein Konfliktpartner verhalten“

So entsteht ein sicherer Raum, in dem Kinder über Verhalten sprechen können, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen. Es geht nicht um Schuld, sondern um das Erkennen von Dynamiken. Das Tier steht symbolisch für ein bestimmtes Kommunikations- oder Reaktionsmuster. Die jungen Konfliktparteien können sich selbst und andere besser einschätzen – und entwickeln im Gespräch mehr Verständnis für das „Warum“ hinter dem Verhalten. Der Perspektivwechsel gelingt leichter, weil er nicht über Konfrontation, sondern über Bilder und Emotionen funktioniert.

Coaching mit DISG bei Kindern & Jugendlichen

Coaching mit Kindern und Jugendlichen ist immer eine Einladung zur Entfaltung. Es geht darum, „Probleme zu lösen“ und Potenziale zu entdecken, Handlungsspielräume zu erweitern und den Blick auf sich selbst und andere zu schärfen. Das DISG-Modell kann dabei ein wirkungsvolles Werkzeug sein – vorausgesetzt, es wird altersgerecht, spielerisch und mit einem ressourcenorientierten Blick eingesetzt.

Kinder und Jugendliche sind oft sehr empfänglich für Modelle, die ihnen helfen, sich selbst besser zu verstehen – besonders, wenn sie dabei nicht bewertet, sondern gesehen werden. Genau hier liegt die Stärke von DISG: Es sagt nicht, was „richtig“ oder „falsch“ ist, sondern zeigt auf, wie unterschiedlich Menschen in ihrer Art zu denken, zu kommunizieren und zu handeln sein können.

In der Arbeit mit Kindern

kann das Modell zum Beispiel durch Tierfiguren, Farben oder Alltagssituationen eingeführt werden. Ein Kind, das oft vorprescht, viel redet und gerne mitbestimmt, erkennt sich vielleicht im Bild des Löwen im roten Bereich wieder. Ein anderes, das ruhig ist, gut zuhören kann und ungern im Mittelpunkt steht, fühlt sich vielleicht bei der Schildkröte oder im grünen Bereich wohl. Wichtig ist, dass die Einordnung nicht als Etikett verstanden wird, sondern als Einladung zur Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis: „So bin ich – und das darf ich sein. Und andere sind anders – und das ist auch in Ordnung.“

In Coachings mit Jugendlichen

lässt sich das DISG-Modell noch gezielter einsetzen. Besonders im Alter zwischen 12 und 18 wächst das Bedürfnis nach Orientierung, nach Klarheit über die eigene Rolle in der Gruppe, über Stärken und Schwächen. Hier können kurze Typen-Checks, Reflexionsübungen oder Gruppenaktionen helfen, sich selbst einzuordnen und über Kommunikationsverhalten ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es weniger um Diagnostik als um Erkennen und Verstehen. Was bedeutet es, wenn ich immer wieder anecke? Bin ich zu direkt – oder nur sehr klar? Wieso nervt mich meine Sitznachbarin so – oder wieso fühle ich mich schnell übergangen?

Besonders in Einzelcoachings ist das DISG-Modell hilfreich – etwa, wenn Jugendliche mit sozialem Rückzug, Leistungsdruck oder Konflikten zu kämpfen haben. Die Arbeit mit Farben, kurzen Fragen oder Rollenspielen kann helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren – ohne erhobenen Zeigefinger. Es entstehen Gespräche über innere Antreiber, über Kommunikation und über Unterschiede im Umgang mit Stress. Manche Jugendliche erkennen sich im „initiativ-geprägten Stil“ wieder: kreativ, schnell, aber manchmal auch flatterhaft. Andere beschreiben sich als „gewissenhaft und genau“ – aber eben auch mit dem Hang zum Perfektionismus und zur Selbstkritik. Dieses Wissen gibt ihnen Sprache und Orientierung.

Drei Beispiele

Eine Klassensituation

In einem Unterrichtssetting mit einer 8. Klasse, die sich auf eine Projektwoche vorbereiten soll, spürt man sofort eine deutliche Dynamik. Einige reden laut durcheinander, machen Vorschläge und übernehmen sofort Aufgaben. Andere halten sich zurück, flüstern oder schauen aus dem Fenster. Statt sofort mit klassischen Methoden zu arbeiten, beginnt die Lehrerin mit einem Mini-Workshop zur „Vielfalt“ auf Basis des DISG-Modells. Die Jugendlichen reflektieren: Wer redet viel? Und wer denkt erst, bevor er spricht? Wer sorgt dafür, dass es gerecht zugeht? Und wer hat den Überblick? In Kleingruppen erarbeiten sie ihre Stärken, entdecken Unterschiede – und erkennen: „Aha – das sind nicht nervige Macken, sondern unterschiedliche Typen.“

Diese Erkenntnis führt zu spürbarer Entspannung. Plötzlich wird klar, warum es bisher oft geknallt hat – und wie sie in Zukunft besser zusammenarbeiten können. Die Jugendlichen verlassen die Situation nicht mit einem neuen Regelkatalog, sondern mit einem besseren Verständnis füreinander.

Ein Beispiel zur Schulmediation

Ein Beispiel aus der Praxis: In einer 6. Klasse geraten zwei Schüler immer wieder aneinander. Der eine redet viel, ist ständig in Bewegung und liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Der andere wirkt eher zurückgezogen, legt großen Wert auf Ordnung und ärgert sich, wenn Regeln nicht eingehalten werden. Die Konflikte scheinen persönlich, sind aber bei genauerem Hinsehen ein Ausdruck unterschiedlicher Grundhaltungen. Durch ein Mediationsgespräch lernen beide, ihre Unterschiede wahrzunehmen und wertzuschätzen – nicht durch pädagogische Appelle, sondern durch ein gemeinsames Arbeiten mit dem DISG-Modell. Der eine erkennt, dass seine Spontanität manchmal für andere überfordernd sein kann. Der andere lernt, dass nicht jeder Mensch gleich strukturiert sein muss, um respektvoll zu sein. Ein Perspektivwechsel, der nicht nur den Konflikt entschärft, sondern langfristig soziale Kompetenzen stärkt.

Eine Coaching-Einzelsituation

Jana ist 14 Jahre alt und kommt zur Schulsozialarbeiterin Frau Wimmer. Janas Klassenlehrerin hat sie angesprochen, weil es in letzter Zeit häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Jana und einigen Mitschüler:innen kam – besonders im Klassensprecher:innen-Team, wo Jana engagiert, aber auch sehr bestimmend auftritt. Jana selbst sagt: „Ich will halt, dass was passiert. Mich nervt’s, wenn alle immer nur labern und nichts entscheiden.“

Im Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin Frau Wimmer wird schnell deutlich: Jana ist selbstbewusst, redet viel, ist ideenreich – und nimmt wenig Rücksicht auf leisere Stimmen. Gleichzeitig ist sie frustriert: „Alle sind so empfindlich. Wenn ich sage, was Sache ist, heulen sie gleich rum.“ Ihre Sichtweise ist stark von Zielorientierung geprägt. Sie will gestalten, bewegen, führen – stößt damit aber regelmäßig an Grenzen.

Frau Wimmer lädt Jana ein, sich spielerisch mit verschiedenen Kommunikations- und Verhaltenstypen auseinanderzusetzen. Auf dem Tisch liegen vier farbige Karten mit kurzen Beschreibungen. Sie bittet Jana, sich spontan selbst einzuschätzen: „Was passt am ehesten zu dir?“ Sie greift zur roten Karte / zum Löwen / dem dominanten Stil. „Das bin ich!“

Gemeinsam schauen sich beide die anderen Typen an. Jana runzelt die Stirn bei der grünen Karte / Schildkröte („ruhig, verlässlich, braucht Zeit“) und sagt: „Ich versteh einfach nicht, warum man so ist.“ Genau hier setzt eine wichtige Arbeit an. Nicht mit dem Ziel, Jana zu verändern – sondern, um ihre Wahrnehmung zu erweitern. Wir sprechen über Stärken: ihre Klarheit, ihren Mut, ihre Entschlussfreude. Und dann über Wirkung: Wie kommt sie bei anderen an? Wann wird aus Klarheit vielleicht Druck?

In einer Visualisierung stellt Jana die vier Typen symbolisch auf: farbige Figuren im Raum, verbunden mit Situationen aus ihrer Klasse. Sie erkennt, dass ihre Mitschülerin Lea – „die, die nie was sagt“ – vermutlich zur stetigen Gruppe gehört. Und dass ihr Co-Klassensprecher Jonas eher ein initiativer Typ ist – viel Charme, wenig Struktur. Plötzlich entsteht ein Aha-Moment: „Kein Wunder, dass wir uns dauernd in die Quere kommen.“

Im Verlauf des Gesprächs im Zimmer der Schulsozialarbeit entwickelt Jana Ideen, wie sie ihre Rolle verändern kann, ohne sich zu verbiegen. Sie will lernen, bewusster zuzuhören, anderen Raum zu geben – nicht, weil sie „zu viel“ ist, sondern weil sie als Klassensprecherin wirksam sein will. Frau Wimmer übt mit Jana zudem konkrete Formulierungen: Wie kann sie Vorschläge machen, ohne andere zu überrollen? Wie kann sie Rückmeldungen geben, ohne „von oben herab“ zu wirken?

Zwei Wochen später erhält die Schulsozialarbeiterin von Janas Klassenlehrerin eine Mail: „Ich weiß nicht genau, was ihr gemacht habt – aber Jana ist wie ausgewechselt. Immer noch bestimmt, aber plötzlich sehr aufmerksam.“

Fazit

Diese drei Beispiele zeigen, wie wirkungsvoll das DISG-Modell im Gespräch auch mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden kann. Nicht als starre Typologie, sondern als Reflexionsrahmen, der Selbstwahrnehmung, Empathie und persönliche Entwicklung unterstützt.

Verstehen statt bewerten. Ermöglichen statt beschränken.

Wichtig ist es, auf die Gefahr der Etikettierung zu achten. Wenn das DISG-Modell dazu genutzt wird, um Verhalten schnell zu kategorisieren („der ist halt typisch D“, „sie ist halt ein I-Kind“), dann verlieren wir genau das, was wir eigentlich stärken wollen: differenzierte Wahrnehmung, empathisches Verstehen und die Möglichkeit zur Entwicklung.

Deshalb gilt: Keine Schubladen, sondern Türen. Das DISG-Modell sollte Kindern und Jugendlichen helfen, sich selbst besser kennenzulernen – und nicht zu einer Art Rollenzuweisung führen, die schwer wieder abzulegen ist.

Jetzt bist du dran:

Hast du schon mit Kindern / Jugendlichen und dem DISG-Modell gearbeitet? Dann teile gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren! Was hat für dich gut funktioniert? Gab es Aha-Momente? Oder auch Situationen, in denen das Modell an seine Grenzen kam? Ich bin gespannt auf deine Perspektive …

sagt Christa

Hier schreibt:

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2 Kommentare

  1. Das Modell entfaltet seine Stärken besonders im Gruppencoaching, da Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Teilnehmenden sichtbar werden. Im Einzelcoaching fehlt diese direkte Vergleichsmöglichkeit. Dennoch kann das Modell sinnvoll eingesetzt werden, indem die Person ihre eigenen Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster in verschiedenen Situationen reflektiert. Ergänzend können Fallbeispiele, Rollenspiele oder Perspektivwechsel genutzt werden, um alternative Sichtweisen zu entwickeln und die fehlende Vergleichsebene teilweise zu kompensieren. Dadurch unterstützt das Modell die Selbstreflexion und die Entwicklung individueller Lösungsstrategien.

    1. Vielen Dank für deinen spannenden Kommentar. 🌷

      Die Arbeit mit DISG bei Kindern und Jugendlichen ist noch relativ unbekannt, darum um so schöner von dir einen ganz praktischen Kommentar dazu zu erhalten. Wie schön, dass du das DISG-Modell anscheinend bereits ganz selbstverständlich in deiner Arbeit nutzt, besonders im Gruppencoaching. Das finde ich großartig, denn gerade dort kann sehr sichtbar werden, dass Menschen Situationen unterschiedlich wahrnehmen, verschieden reagieren und dennoch miteinander in Kontakt kommen können.

      Deinen Gedanken, dass im Einzelcoaching die direkte Vergleichsebene fehlt, kann ich gut nachvollziehen. Gleichzeitig beschreibst du so wunderbar, wie das Modell auch dort hilfreich eingesetzt werden kann: nicht als Etikett, sondern als Reflexionshilfe.

      Besonders dein letzter Satz gefällt mir sehr: Dass das Modell die Selbstreflexion und die Entwicklung individueller Lösungsstrategien unterstützt, hört sich für mich richtig gut an. Das ist aus meiner Sicht ein großes Argument dafür, solche Modelle nicht vorschnell abzulehnen, sondern sie sorgfältig, reflektiert und entwicklungsorientiert einzusetzen.

      Viele Grüße 💚🍀

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