LEARNTEC 2026: Was mich an der Zukunft des Lernens fasziniert

Christa Schäfer auf der Learntec 2026

Von Berlin nach Karlsruhe ist es ein Stück. Das kann man nicht schönreden. Man steigt nicht mal eben kurz in den Zug, schaut sich eine Messe an und ist zum Abendessen wieder entspannt zu Hause. Und trotzdem: Für die LEARNTEC 2026 war mir dieser Weg nicht zu weit. Im Gegenteil. Ich bin nach Karlsruhe gefahren, weil ich wissen wollte, wohin sich Lernen entwickelt. Nicht irgendwann. Nicht in einer fernen Zukunft. Sondern jetzt.

Inhalt

Die LEARNTEC bezeichnet sich selbst als Europas führende Veranstaltung für digitale Bildung in Schule, Hochschule und Beruf. 2026 fand sie vom 5. bis 7. Mai in der Messe Karlsruhe statt und brachte Anbieter, Expert:innen, Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Interessierte zusammen, die sich mit digitalem Lernen, E-Learning, Künstlicher Intelligenz, Virtual Reality, Lernplattformen, Gamification und neuen Bildungsformaten beschäftigen.

Und genau das war spürbar: Lernen ist nicht mehr nur Buch, Tafel, Arbeitsblatt, Seminarraum. Lernen wird digitaler, vernetzter, individueller, spielerischer, künstlich intelligenter – und manchmal auch irritierend futuristisch. Ich bin über die Messe gegangen und hatte immer wieder diesen Gedanken: Ach, schau an. Das ist also nicht mehr Zukunft. Das ist schon da.

Lernen verändert sich rapide

Was mich auf der LEARNTEC besonders beschäftigt hat, war die Geschwindigkeit der Veränderung. Digitales Lernen ist längst kein Randthema mehr. Es ist nicht mehr die kleine Ergänzung zum „eigentlichen“ Lernen. Es rückt in den Mittelpunkt.

In vielen Unternehmen ist digitales Lernen heute selbstverständlich. Neue Mitarbeitende werden nicht mehr ausschließlich in Präsenz eingearbeitet. Onboarding findet digital statt: mit Lernvideos, kleinen Wissenseinheiten, Tests, digitalen Handbüchern, Erklärformaten und Lernpfaden. Wer neu in ein Unternehmen kommt, kann Schritt für Schritt durch Inhalte geführt werden, unabhängig davon, ob gerade eine Trainerin Zeit hat oder ein Seminarraum frei ist.

Eine wichtige Rolle spielen dabei LMS-Systeme. LMS steht für Learning Management System. Gemeint ist eine digitale Lernplattform, auf der Lerninhalte bereitgestellt, Lernfortschritte dokumentiert, Kurse organisiert und Teilnehmende begleitet werden können. In einem LMS kann ich zum Beispiel ein Schulungsmodul starten, ein Video ansehen, eine Aufgabe bearbeiten, ein Quiz ausfüllen und anschließend sehen, was ich bereits geschafft habe. Für Unternehmen ist das interessant, weil Wissen strukturiert, wiederholbar und skalierbar vermittelt werden kann.

Auch für Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen ist diese Entwicklung bedeutsam. Denn Lernen wird damit nicht automatisch besser – aber es wird anders organisierbar. Inhalte können flexibler verfügbar gemacht werden. Lernende können in ihrem Tempo arbeiten. Lehrende können Materialien sammeln, strukturieren und aktualisieren. Gleichzeitig entstehen neue Fragen: Wie viel digitales Lernen ist sinnvoll? Wo braucht es weiterhin Beziehung, Präsenz und unmittelbare Resonanz? Und wie verhindern wir, dass digitale Plattformen nur alte Arbeitsblätter in neuer Verpackung sind?

Für mich war auf der LEARNTEC deutlich: Die Technik ist da. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht mehr allein darin, digitale Werkzeuge zu finden. Die Herausforderung liegt darin, sie pädagogisch klug einzusetzen.

Dr. Christa Schäfer auf der Learntec 2026

Künstliche Intelligenz verändert das Lernen massiv

Ein zweiter Punkt, der mich fasziniert hat, war der Einfluss von Künstlicher Intelligenz. Natürlich ist KI inzwischen überall Thema. Aber auf der LEARNTEC wurde sehr konkret sichtbar, was das für Bildung und Weiterbildung bedeuten kann.

Besonders beeindruckt hat mich die Möglichkeit, Avatare zu erstellen und mit diesen Avataren Lehrvideos produzieren zu lassen. Das Prinzip ist ungefähr so: Ich wähle oder erstelle eine digitale Person, also einen Avatar. Dann gebe ich Inhalte ein, zum Beispiel eine PowerPoint-Präsentation. Das Programm verarbeitet diese Inhalte und erstellt daraus ein Lehrvideo, in dem der Avatar spricht, erklärt und durch das Thema führt.

Das klingt erst einmal technisch. Aber pädagogisch ist es ziemlich spannend. Denn damit können Lernvideos viel schneller produziert werden als früher. Man braucht nicht unbedingt ein Filmstudio, keine aufwendige Kamera, kein perfektes Licht, keine zehn Takes, weil man sich beim Sprechen verhaspelt hat. Inhalte können aktualisiert, übersetzt, angepasst und in verschiedenen Formaten ausgespielt werden.

Für Unternehmen ist das natürlich attraktiv. Schulungen können schneller erstellt werden. Pflichtunterweisungen, Produkttrainings, Einführungsmodule oder kurze Erklärvideos lassen sich effizient produzieren. Aber auch für Schulen und Weiterbildung könnte das interessant werden. Lehrkräfte könnten Erklärvideos vorbereiten. Trainer:innen könnten Inhalte für Teilnehmende bereitstellen. Komplexe Themen könnten in kleinen Einheiten vermittelt werden.

Und gleichzeitig stellen sich wichtige Fragen. Was passiert mit Beziehung, wenn ein Avatar erklärt? Wann unterstützt KI Lernen wirklich – und wann erzeugt sie nur eine glatte Oberfläche? Wie erkennen Lernende, ob Inhalte korrekt, relevant und didaktisch gut aufbereitet sind? Wer überprüft die Qualität? Und welche Rolle bleibt den Menschen?

Meine Antwort darauf wäre: KI kann Lernprozesse erleichtern, beschleunigen und bereichern. Aber sie ersetzt keine pädagogische Haltung. Sie ersetzt kein echtes Interesse an Lernenden. Sie ersetzt nicht die Fähigkeit, zu merken, wann jemand verwirrt ist, blockiert, beschämt, überfordert oder neugierig. KI kann viel. Aber Lernen bleibt Beziehungsgeschehen.

Kommunikation üben mit KI: Schwierige Gespräche trainieren

Ein weiterer Punkt, der mich auf der LEARNTEC besonders beschäftigt hat, war das Üben von Kommunikation mit KI. Denn Künstliche Intelligenz kann nicht nur Inhalte erstellen, Präsentationen in Lehrvideos verwandeln oder Avatare sprechen lassen. Sie kann auch Gesprächspartnerin sein.

Ich habe zum Beispiel mit der Mitarbeiterin Beate gesprochen. Beate war keine echte Mitarbeiterin, sondern ein Audio-Avatar. Aber sie klang erstaunlich lebendig. Ihre Rolle: eine schwierige Mitarbeiterin, die neue Aufgaben haben möchte, weil sie sich mit ihren bisherigen Aufgaben langweilt. Und genau darin lag die Spannung. Denn das Gespräch war nicht einfach nur ein nettes Ausprobieren. Es war eine Übungssituation.

Wie reagiere ich, wenn jemand unzufrieden ist? Und wie höre ich zu, ohne sofort Lösungen überzustülpen? Wie frage ich nach Bedürfnissen, Interessen und Hintergründen? Und wie bleibe ich klar, wenn Forderungen im Raum stehen? Wie kann ich Verständnis zeigen, ohne automatisch alles zuzusagen?

Solche Gesprächssituationen kennen wir aus Führung, Beratung, Schule, Mediation und Teamarbeit. Oft sind es genau diese Gespräche, die im Alltag herausfordernd sind. Ein Elternteil ist verärgert. Eine Kollegin fühlt sich übergangen. Ein Schüler verweigert sich. Eine Mitarbeiterin möchte Veränderung. Ein Teamkonflikt schwelt schon länger. Und dann sollen wir ruhig bleiben, gut zuhören, klug fragen und zugleich den Rahmen halten.

Mit KI lassen sich solche Situationen in einem geschützten Raum üben. Das finde ich spannend. Denn Kommunikation lernt man nicht nur durch Theorie. Kommunikation lernt man durch Ausprobieren, Stolpern, Reflektieren und Wiederholen. Genau dafür können KI-Avatare hilfreich sein. Sie ermöglichen Rollenspiele, ohne dass sofort eine echte Person betroffen ist. Man kann schwierige Gesprächsanfänge testen, Formulierungen ausprobieren. Und man kann merken, wo man selbst schnell in Rechtfertigung, Belehrung oder Lösungssuche rutscht.

Gerade für Mediation sehe ich hier großes Potenzial. Mediator:innen könnten mit KI Gesprächsführung trainieren: aktives Zuhören, Spiegeln, Zusammenfassen, Umformulieren, Interessen herausarbeiten, Deeskalation üben oder schwierige Dynamiken durchspielen. Auch angehende Schulmediator:innen könnten mit KI erste Gesprächssituationen erproben, bevor sie mit echten Konfliktparteien arbeiten. Nicht als Ersatz für echte Rollenspiele, Supervision oder Praxiserfahrung – aber als zusätzliche Übungsmöglichkeit.

Denn Mediation lebt von Präsenz, Wahrnehmung, Beziehung und feinen Zwischentönen. Das kann KI nicht vollständig abbilden. Ein echter Konflikt ist immer komplexer als ein Trainingsszenario. Menschen reagieren widersprüchlich, emotional, körperlich, manchmal überraschend. Trotzdem kann ein KI-Avatar helfen, Sicherheit aufzubauen. Er kann einen Raum schaffen, in dem man mehrfach üben darf, ohne sich zu blamieren. Und vielleicht ist genau das für viele Lernende ein wichtiger Schritt.

Christa Schäfer auf der Learntec 2026

Ich bin aus dem Gespräch mit Beate jedenfalls mit einem Aha-Gefühl herausgegangen. Nicht, weil ich dachte: Jetzt brauchen wir keine echten Trainings mehr. Sondern weil ich dachte: Das könnte eine starke Ergänzung sein. Ein Übungsraum für Gespräche, die im echten Leben oft viel zu selten geübt werden, obwohl so viel von ihnen abhängt.

Virtual Reality hatte ich unterschätzt

Ganz ehrlich: Virtual Reality hatte ich nicht besonders stark auf dem Schirm. Natürlich kannte ich VR-Brillen. Natürlich wusste ich, dass es virtuelle Welten gibt. Aber ich hatte die Bedeutung für Lernen unterschätzt.

Auf der LEARNTEC wurde mir klarer, welche Rolle diese Technik in Zukunft spielen könnte. Mit VR-Brillen können Lernende in sehr realitätsnahe Situationen eintauchen. Sie können Handgriffe üben, Räume betreten, Maschinen kennenlernen, Gefahrensituationen simulieren oder fremde Welten erkunden. Nicht nur anschauen. Erleben.

Das macht einen Unterschied.

Wer einen Arbeitsablauf nur liest, versteht ihn auf einer kognitiven Ebene. Wer ihn in einem Video sieht, versteht ihn vielleicht besser und emotionaler. Und wer ihn aber in einer virtuellen Umgebung selbst ausführt, bekommt ein anderes Gefühl für Abläufe, Raum, Reihenfolge und Konsequenzen. Gerade in Berufen, in denen praktische Handgriffe wichtig sind, kann das enorm wertvoll sein: Medizin, Pflege, Handwerk, Industrie, Technik, Sicherheitstrainings, Laborarbeit, Feuerwehr, Katastrophenschutz.

Aber auch für Schule ist Virtual Reality spannend. Stell dir vor, Schüler:innen können nicht nur über das alte Rom lesen, sondern virtuell durch eine römische Straße gehen. Sie können nicht nur ein Bild vom Regenwald ansehen, sondern sich in einer virtuellen Umgebung bewegen. Jugendliche können nicht nur über den menschlichen Körper lernen, sondern Organe dreidimensional betrachten. Kinder können nicht nur über gefährliche Situationen sprechen, sondern in geschützten Simulationen Handlungsoptionen ausprobieren.

Natürlich darf man nicht naiv werden. VR ist kein Wundermittel. Eine Brille auf dem Kopf macht noch kein gutes Lernen. Es braucht didaktische Konzepte, Reflexion und Einbettung. Gerade Schule müsste sorgfältig prüfen: Was ist pädagogisch sinnvoll? Was ist Spielerei? Welche Technik ist bezahlbar? Was ist inklusiv? Wie gehen wir mit körperlichen Reaktionen, Reizüberflutung oder Datenschutz um?

Trotzdem bin ich von der LEARNTEC mit dem Gefühl gegangen: Diese Technik wird bleiben. Und sie wird Lernen verändern. Vielleicht nicht morgen in jeder Grundschule. Aber in vielen Bildungsbereichen sehr viel schneller, als ich bisher gedacht hatte.

Robotik: Ein Roboter namens Booster

Dann war da noch Booster. Ein menschlich aussehender, niedlicher Roboter, der tanzen konnte und offensichtlich auch zur Motivation beim Lernen eingesetzt werden kann. Ich gebe zu: Erst einmal war ich vor allem amüsiert. Ein kleiner Roboter, der tanzt – das hat natürlich etwas Niedliches, fast Spielerisches.

Aber genau da beginnt es interessant zu werden.

Dr. Christa Schäfer mit Roboter Booster

Denn Robotik im Bildungskontext ist nicht nur Technik. Sie berührt Motivation, Interaktion, Sprache, Bewegung, Programmieren, soziale Reaktionen und Neugier. Ein Roboter kann Lernende aktivieren. Er kann Aufgaben stellen, Bewegungen vormachen, einfache Gespräche führen, Reaktionen hervorrufen oder als Projektionsfläche dienen. Kinder und Jugendliche reagieren auf Roboter oft anders als auf ein Arbeitsblatt. Sie sind neugierig, wollen ausprobieren und wollen wissen: Was kann der? Was passiert, wenn ich etwas sage? Kann ich ihn steuern? Kann ich ihm etwas beibringen?

Ich hatte vorher noch nicht zu Ende gedacht, was damit alles gelernt werden kann. Robotik kann ein Zugang zu Technikbildung sein. Kinder können verstehen, dass Maschinen nicht magisch handeln, sondern programmiert werden. Sie können Ursache und Wirkung erleben. Sprache, Bewegung und Logik verbinden. Und im Team Lösungen entwickeln. Und vielleicht können Roboter auch dort motivieren, wo klassische Lernsettings schnell Widerstand auslösen.

Natürlich gilt auch hier: Ein Roboter ist kein Ersatz für eine pädagogische Fachkraft. Er ist kein Freund, kein Therapeut, kein Lehrer im menschlichen Sinn. Aber er kann ein Lernanlass sein. Ein Medium. Ein Impulsgeber. Vielleicht manchmal auch ein kleiner Türöffner.

Mich hat Booster jedenfalls zum Nachdenken gebracht. Nicht, weil ich jetzt sofort Roboter in jede Schule stellen möchte. Sondern weil ich gemerkt habe, dass Robotik nicht nur kalte Technik ist. Sie kann emotional wirken. Und sobald Emotion im Spiel ist, wird es pädagogisch interessant.

Gamification: Lernen darf auch spannend sein

Ein weiterer Bereich, der mich auf der LEARNTEC angesprochen hat, war Gamification. Also die Frage: Wie können spielerische Elemente Lernen motivierender, strukturierter und lebendiger machen?

Ich habe Escape Games gesehen, die zum Lernen eingesetzt werden. Lernreisen, die nicht einfach aus Kapitel 1, Kapitel 2 und Kapitel 3 bestehen, sondern wie kleine Abenteuer aufgebaut sind. Lese-Apps, die Kinder motivieren, dranzubleiben. Aufgaben, die mit Rätseln, Levels, Entscheidungen oder Geschichten verbunden sind.

Gamification bedeutet nicht, dass Lernen zur Dauerbespaßung werden muss. Das wäre ein Missverständnis. Lernen darf anstrengend sein. Es darf Tiefe haben. Es darf auch mal zäh sein. Aber spielerische Elemente können helfen, Einstiegshürden zu senken. Sie können Neugier wecken. Sie können Fortschritt sichtbar machen und sie können aus einem trockenen Inhalt eine Herausforderung machen.

Ein Escape Game zum Lernen funktioniert zum Beispiel deshalb gut, weil es mehrere Dinge verbindet: Wissen, Teamarbeit, Zeitdruck, Problemlösung, Kommunikation und Handlung. Lernende müssen nicht nur Informationen aufnehmen. Sie müssen sie anwenden und die Bausteine kombinieren. Sie müssen miteinander sprechen. Und sie erleben im besten Fall: Wir haben gemeinsam etwas geschafft.

Gerade für Schule sehe ich hier viel Potenzial. Nicht jedes Thema braucht ein Spiel. Aber viele Themen könnten lebendiger werden, wenn sie stärker als Entdeckungsprozess gestaltet würden. Eine Lernreise kann Schüler:innen Orientierung geben. Eine App kann Leseprozesse unterstützen. Ein Rätsel kann Aufmerksamkeit bündeln. Ein spielerischer Einstieg kann helfen, auch diejenigen mitzunehmen, die innerlich schon abgeschaltet haben.

Für mich ist Gamification dann stark, wenn sie nicht nur Punkte, Abzeichen und bunte Belohnungen verteilt, sondern echte Lernprozesse unterstützt. Also nicht: „Du bekommst einen Stern, weil du etwas erledigt hast.“ Sondern: „Du wirst Teil einer Aufgabe, die dich herausfordert, aktiviert und in Beziehung zu anderen bringt.“

Nach Corona: Warum sind wir so schnell zurück zur reinen Präsenz?

Ein Gedanke hat mich auf der LEARNTEC besonders beschäftigt. Während Corona wurde Schule plötzlich digital. Nicht immer gut. Natürlich erst recht nicht gerecht. Und zu der Zeit bei Weitem auch nicht pädagogisch überzeugend. Aber sie wurde digital. Präsenzunterricht wurde innerhalb kürzester Zeit auf Online-Unterricht umgestellt. Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern mussten sich in Systeme einarbeiten, improvisieren, ausprobieren, scheitern und weitermachen.

Und dann? Danach sind viele Schulen wieder fast vollständig zur alten Präsenzlogik zurückgekehrt.

Natürlich war die Rückkehr in die Schule wichtig. Kinder und Jugendliche brauchen Begegnung. Sie brauchen Klassengemeinschaft, Beziehung, Pausenhof, direkte Ansprache, gemeinsames Lernen. Präsenz ist kostbar. Das haben wir in der Pandemie vielleicht sogar noch stärker verstanden.

Aber ich frage mich trotzdem: Warum haben wir die Vorteile hybrider Möglichkeiten nicht konsequenter weitergedacht?

Es gibt Kinder, die länger krank sind. Kinder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen können. Jugendliche mit Schulabsentismus. Schüler:innen, die aus familiären Gründen zeitweise nicht vor Ort sein können. Kinder, die vielleicht mit Eltern unterwegs sind oder in schwierigen Lebenssituationen stecken. Muss für sie Unterricht immer ganz abbrechen? Oder könnten digitale und hybride Lösungen zumindest Brücken bauen?

Schon lange habe ich gedacht, für solche Situationen müsste es einen Avatar geben, der Schule und Kind unterstützt und die Verbindung schafft. Auf der LEARNTEC habe ich eine Lösung gesehen, die mir dazu gefallen hat: einen Telepräsenzroboter, also ein Gerät, das auf den Platz des Kindes gestellt werden kann. Das Kind sitzt zu Hause mit einem Tablet und kann sehen und hören, was im Klassenraum passiert. Es kann sich melden und am Unterricht teilnehmen. Die Personen in der Schule sehen das Kind nicht direkt, aber das Kind kann über Audio- und Videofunktionen verbunden sein.

Avatar für Schulsituation

Das finde ich bemerkenswert.

Denn hier geht es nicht nur um Technik. Es geht um Zugehörigkeit. Ein krankes Kind könnte weiterhin Teil der Klasse bleiben. Es könnte mitbekommen, worüber gesprochen wird. Und es könnte sich beteiligen, hören, lachen, fragen, reagieren. Vielleicht nicht in vollem Umfang. Aber mehr als gar nicht.

Gerade bei längerer Krankheit kann das bedeutsam sein. Wer über Wochen oder Monate fehlt, verliert nicht nur Lernstoff. Er oder sie verliert Anschluss. An Gespräche, Routinen, Beziehungen und zum Gefühl: Ich gehöre dazu.

Natürlich muss man auch hier genau hinschauen. Nicht jedes kranke Kind sollte oder möchte am Unterricht teilnehmen. Genesung geht vor. Datenschutz muss geklärt sein. Die Klasse muss vorbereitet werden. Lehrkräfte brauchen Unterstützung. Und hybride Teilnahme darf nicht bedeuten, dass Kinder unter Druck geraten, selbst krank noch funktionieren zu müssen.

Aber als Möglichkeit finde ich es stark. Nicht als Pflicht. Nicht als Kontrolle. Sondern als Brücke.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen nach Corona: Wie können wir digitale Erfahrungen nicht einfach abhaken, sondern klug weiterentwickeln? Wie können wir Präsenz bewahren und digitale Teilhabe ermöglichen? Wie können wir verhindern, dass Kinder aus dem System fallen, nur weil sie nicht im Raum sitzen?

Die Zukunft des Lernens ist nicht nur technisch

Was mich auf der LEARNTEC 2026 fasziniert hat, war nicht nur die Technik. Es waren nicht nur die Avatare, VR-Brillen, Roboter, Lernplattformen oder Escape Games. Es war die Ahnung, dass Lernen sich grundlegend verändert. Lernen wird flexibler. Sichtbarer. Datenbasierter. Spielerischer. Immersiver. Künstlich intelligenter. Aber hoffentlich nicht kälter.

Denn bei aller Begeisterung bleibt für mich eine zentrale Frage: Wofür nutzen wir diese Möglichkeiten?

1.Nutzen wir sie, um Menschen noch effizienter durch Inhalte zu schleusen? Oder nutzen wir sie, um Lernen zugänglicher, gerechter, individueller und lebendiger zu machen?

2. Nutzen wir KI, um pädagogische Arbeit zu ersetzen? Oder um Menschen zu entlasten, damit mehr Raum für Beziehung entsteht?

3. Nutzen wir VR als spektakulären Effekt? Oder als Möglichkeit, Erfahrungen zu ermöglichen, die sonst nicht zugänglich wären?

4. Nutzen wir Gamification als Belohnungsmaschine? Oder als Einladung zu Neugier, Kooperation und Problemlösung?

5. Nutzen wir hybride Technik zur Kontrolle? Oder zur Teilhabe?

Für mich liegt genau dort die eigentliche Zukunft des Lernens. Nicht in der Frage, welche Technik am beeindruckendsten ist. Sondern in der Frage, welche Haltung wir mit ihr verbinden.

Ich bin aus Karlsruhe zurückgefahren mit vielen Eindrücken, vielen Fragen und einer großen Portion Staunen. Ja, der Weg von Berlin nach Karlsruhe hat sich definitiv gelohnt.

Die LEARNTEC 2026 hat mir gezeigt: Die Zukunft des Lernens kommt nicht irgendwann. Sie steht längst vor uns. Manchmal als Avatar. Oder als als VR-Technik. Manchmal als kleiner tanzender Roboter. Manchmal als digitale Lernreise. Und manchmal als technische Brücke für ein Kind, das gerade nicht im Klassenraum sitzen kann – aber trotzdem dazugehören möchte.

Learntec 2026

👉🏼 Schreib mir gerne in die Kommentare, wie du solche „modernen“ Lernelementen findest. Bist du eher positiv oder eher skeptisch gestimmt in Anbetracht der neuen Möglichkeiten?

Dr. Christa D. Schäfer
#learntec2026

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