Mobbing, Bossing und Staffing

Eine Frau am Computer, die frustriert ist. Und mehrere Arbeitskollegen im Hintergrund.

Mobbing, Bossing und Staffing beschreiben belastende Angriffe am Arbeitsplatz oder auch im Schulkontext. Der wichtigste Unterschied liegt darin, von wem das Verhalten ausgeht und gegen wen es sich richtet. Während Mobbing häufig zwischen Kolleg:innen (und zwischen Schüler:innen) stattfindet, geht Bossing von einer Führungskraft aus. Staffing richtet sich dagegen gegen eine Führungskraft.

Doch nicht jeder Streit, nicht jede Kritik und nicht jede schwierige Zusammenarbeit ist automatisch Mobbing. Entscheidend sind Wiederholung, Systematik, Dauer und ein zunehmendes Machtungleichgewicht.

Inhalt

Was bedeuten Mobbing, Bossing und Staffing?

Was ist Mobbing?

Mobbing bedeutet, dass eine Person wiederholt und systematisch ausgegrenzt, abgewertet oder angegriffen wird. Häufig geschieht dies durch Kolleg:innen oder eine Gruppe auf derselben Hierarchieebene (wie z.B. Peers).

Mobbing kann sehr unterschiedlich aussehen. Betroffene werden beispielsweise nicht mehr in Gespräche einbezogen, erhalten wichtige Informationen zu spät oder werden vor anderen lächerlich gemacht. Auch Gerüchte, ständige Kritik, persönliche Angriffe oder der Ausschluss aus dem Team können Teil einer Mobbingdynamik sein.

Beispiel: Eine Mitarbeiterin wird über Wochen nicht mehr zu gemeinsamen Pausen eingeladen. Im Team fallen abwertende Bemerkungen über sie, und wichtige Informationen werden ihr regelmäßig vorenthalten.t

Was ist Bossing?

Bossing ist Mobbing durch eine Führungskraft im Arbeitskontext. Die Angriffe richten sich von oben nach unten gegen eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter.

Besonders belastend ist dabei das hierarchische Machtgefälle. Führungskräfte können Aufgaben verteilen, Leistungen bewerten, Informationen weitergeben oder berufliche Entscheidungen beeinflussen. Diese Möglichkeiten können gezielt genutzt werden, um eine Person unter Druck zu setzen.

Bossing zeigt sich zum Beispiel durch ständige öffentliche Kritik, unrealistische Arbeitsaufträge, den Entzug von Verantwortung oder die bewusste Ausgrenzung aus wichtigen Gesprächen.

Beispiel: Ein Vorgesetzter nimmt einem Mitarbeiter nach und nach alle verantwortungsvollen Aufgaben weg, kritisiert ihn regelmäßig vor dem gesamten Team und setzt ihm kaum erfüllbare Fristen.

Was ist Staffing?

Staffing bezeichnet im Arbeitskontext das Mobbing gegen eine Führungskraft. Die Angriffe verlaufen von unten nach oben und gehen von einzelnen Mitarbeitenden oder einer Gruppe aus.

Beim Staffing werden Entscheidungen unterlaufen, Absprachen ignoriert oder Informationen bewusst zurückgehalten. Mitarbeitende können die Kompetenz der Führungskraft infrage stellen, ihre Autorität schwächen oder andere Teammitglieder gegen sie aufbringen.

Auch ohne formale Führungsmacht kann eine Gruppe großen Druck auf eine einzelne Leitungsperson ausüben.

Beispiel: Mehrere Mitarbeitende ignorieren wiederholt die Entscheidungen ihrer neuen Teamleitung, verweigern die Zusammenarbeit und machen sich vor anderen über deren Anweisungen lustig.

Was haben Mobbing, Bossing und Staffing gemeinsam?

Mobbing, Bossing und Staffing haben viele Gemeinsamkeiten. In allen drei Fällen wird eine Person wiederholt abgewertet, ausgegrenzt oder angegriffen. Es handelt sich nicht um einen einzelnen Vorfall, sondern um eine belastende Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

Oft beginnen diese Prozesse unscheinbar. Eine Person wird nicht informiert, in Besprechungen übergangen oder mit kleinen Bemerkungen bloßgestellt. Jeder einzelne Vorfall wirkt möglicherweise noch harmlos. Durch die Wiederholung entsteht jedoch ein Muster.

Typisch ist außerdem ein Machtungleichgewicht. Dieses kann durch eine berufliche Position entstehen, wie beim Bossing. Es kann aber auch durch die Macht einer Gruppe entstehen, wie beim Staffing oder beim Mobbing im Team.

Die betroffene Person gerät zunehmend in eine unterlegene Position. Sie kann sich immer schwerer wehren, verliert Unterstützung und zweifelt möglicherweise an der eigenen Wahrnehmung.

Auch die Folgen ähneln sich. Mobbing, Bossing und Staffing können Stress, Angst, Rückzug, Schlafprobleme und gesundheitliche Beschwerden auslösen. Betroffene verlieren häufig Vertrauen in sich selbst, in ihre Kolleg:innen oder in die gesamte Organisation.

Darüber hinaus leidet das Arbeitsklima. Zusammenarbeit, Motivation und Vertrauen nehmen ab. Deshalb betreffen Mobbingprozesse nicht nur einzelne Personen, sondern immer auch das gesamte Team und die Organisation als solches.

Was ist der Unterschied zwischen Mobbing, Bossing und Staffing?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Richtung der Angriffe.

Mobbing findet häufig zwischen Kolleg:innen oder innerhalb eines Teams statt. Eine Person wird auf derselben Hierarchieebene systematisch ausgegrenzt oder abgewertet.

Bossing verläuft von oben nach unten. Eine Führungskraft richtet ihr Verhalten gegen eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter und nutzt dabei möglicherweise ihre formale Macht.

Staffing verläuft von unten nach oben. Mitarbeitende richten sich gegen eine Führungskraft, unterlaufen Entscheidungen oder versuchen, deren Autorität zu schwächen.

Kurz zusammengefasst:

Mobbing: auf derselben Hierarchieebene
Bossing: von der Führungskraft gegen Mitarbeitende
Staffing: von Mitarbeitenden gegen eine Führungskraft

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Machtverhältnisse und Handlungsmöglichkeiten unterschiedlich sind. Eine Mitarbeiterin, die Bossing erlebt, befindet sich in einer anderen Ausgangslage als eine Führungskraft, die von mehreren Mitarbeitenden systematisch angegriffen wird.

Auch die Unterstützung muss deshalb zur jeweiligen Situation passen. Je nach Fall können Vorgesetzte, Personalvertretungen, Betriebsrat, Beschwerdestellen, Beratung, Supervision oder externe Konfliktklärung hilfreich sein.

Wichtig bleibt jedoch: Nicht jeder Konflikt ist Mobbing. Unterschiedliche Meinungen, Kritik oder einmalige Grenzüberschreitungen sind noch kein Beweis für Mobbing, Bossing oder Staffing. Entscheidend sind die Wiederholung, die Systematik, die Dauer und die zunehmende Unterlegenheit einer Person.

Je früher solche Dynamiken erkannt und ernst genommen werden, desto größer ist die Chance, sie zu stoppen. Eine klare Sprache und eine sorgfältige Einordnung sind deshalb ein wichtiger erster Schritt.

Was ist zu tun bei Mobbing, Bossing oder Staffing?

Mobbing, Bossing und Staffing unterscheiden sich von Konflikten.

Wer Mobbing, Bossing oder Staffing erlebt, sollte die Situation nicht allein tragen. Ein erster wichtiger Schritt ist, die Vorfälle möglichst genau zu dokumentieren. Hilfreich sind Datum, Ort, beteiligte Personen, konkrete Aussagen oder Handlungen sowie mögliche Beobachter:innen. So wird aus einem diffusen Gefühl ein nachvollziehbares Muster.

Ebenso wichtig ist es, Unterstützung zu suchen. Je nach Arbeitsplatz können dies eine vertraute Führungskraft, der Betriebs- oder Personalrat, eine Beschwerdestelle, die Personalabteilung oder eine externe Beratung sein. Bei Bossing ist es sinnvoll, eine Stelle außerhalb der direkten Führungslinie einzubeziehen. Bei Staffing braucht die betroffene Führungskraft oft Unterstützung durch die nächsthöhere Leitung oder eine externe Begleitung.

Auch Mediation oder Konfliktklärung können hilfreich sein. Voraussetzung ist jedoch, dass die Beteiligten bereit sind, an einer Klärung mitzuwirken und dass die betroffene Person ausreichend geschützt ist. Bei starkem Machtungleichgewicht, massiven Angriffen oder gesundheitlicher Gefährdung reicht ein gemeinsames Gespräch allein häufig nicht aus.

Entscheidend ist, früh zu handeln. Je länger die Dynamik andauert, desto stärker verfestigen sich Rollen, Fronten und Verletzungen. Mobbing, Bossing und Staffing sind keine privaten Probleme einzelner Personen, sondern eine Aufgabe für die gesamte Organisation.

Wenn du jemanden zum Reden brauchst,
schreib mich an und wir schauen auf deine nächstmöglichen Schritte …

💚 sagt Dr. Christa D. Schäfer

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