Der Watercooler-Effekt – Klatsch als Bedürfnis

Kaffeemaschine mit 2 Tassen voll Kaffee

Tratsch und Klatsch schweißt zusammen. „Klatsch entsteht aus dem menschlichen Bedürfnis nach Zugehörigkeit“, so erklärt es der amerikanische Psychologieprofessor Nicholas DiFonzo. Und da der Tratsch und Klatsch in Firmen oft am Wasserspender stattfindet, gibt er diesem Effekt den Namen „Watercooler-Effekt“. Und da der Klatsch und Tratsch heutzutage ebenso häufig an der Kaffeemaschine stattfindet, habe ich das Bild einer Kaffeemaschine für diesen Artikel gewählt.

Interessant ist, dass Psycholog:innen die effizienzsteigernde Wirkung von zufälligen Begegnungen und Gesprächen in Arbeitspausen betonen. Die Produktivität von Mitarbeitenden wird durch solche Gespräche um bis zu 15% gesteigert.

Inhalt

Was genau ist der Watercooler-Effekt?

Der Watercooler-Effekt bezieht sich auf die informellen Gespräche und den sozialen Austausch in gemeinschaftlichen Bereichen einer Firma oder einer Einrichtung. Diese Art von Interaktion kann eine wichtige Rolle für den Aufbau von Beziehungen, den Austausch von Informationen und Ideen sowie für das allgemeine Arbeitsklima spielen.

Der Watercooler-Effekt kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Arbeitsumgebung haben. Positiv kann er dazu beitragen, dass Mitarbeiter sich gegenseitig unterstützen, Informationen austauschen und Probleme gemeinsam lösen. Auf der negativen Seite kann er auch zur Verbreitung von Gerüchten, Klatsch und Tratsch führen. Dies kann dann sogar das Arbeitsklima und die Produktivität beeinträchtigen.

Positive und negative Auswirkungen dieses Effekts

Hier eine genauere Auflistung der positiven und negativen Auswirkungen des Watercooler-Effekts:

Positive Auswirkungen:

  1. Beziehungsaufbau: Der informelle Austausch ermöglicht es den Mitarbeiter:innen persönliche Beziehungen aufzubauen. So wird ein besseres Verständnis für die Persönlichkeiten der Kolleg:innen entwickeln. Dies kann zu einer stärkeren Zusammenarbeit und einer besseren Teamdynamik führen.
  2. Informationsaustausch: Der Watercooler-Effekt bietet eine Gelegenheit, Informationen und Ideen in einer entspannten Umgebung auszutauschen. Dies kann dazu führen, dass Mitarbeiter:innen innovative Lösungen für Probleme finden oder neue Perspektiven auf Projekte und Herausforderungen erhalten.
  3. Erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit: Indem die Mitarbeiter:innen soziale Verbindungen am Arbeitsplatz pflegen, führt dies zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit und einem positiven Arbeitsklima.
  4. Netzwerkbildung: Der Watercooler-Effekt kann den Mitarbeiter:innen helfen, ihr berufliches Netzwerk zu erweitern. Möglicherweise werden Kontakte geknüpft, die eine Karriere fördern können.

Negative Auswirkungen:

  1. Gerüchte und Klatsch: Leider können durch den informellen Charakter des Watercooler-Effekts auch Gerüchte und Klatsch verbreitet werden. Dies kann zu Misstrauen, Unruhe und einer negativen Atmosphäre am Arbeitsplatz führen.
  2. Ablenkung: Manchmal wird die Produktivität der Arbeit beeinträchtigt, da informelle Gespräche zu einer Ablenkung von der Arbeit werden können. Die Mitarbeiter:innen müssen darauf achten, dass die informellen Gespräche am Watercooler nicht dazu führen, dass sie ihre Arbeit vernachlässigen.
  3. Gruppenbildung: Der Watercooler-Effekt kann manchmal dazu führen, dass Gruppen oder Cliquen entstehen, die den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im gesamten Team beeinträchtigen können.
  4. Ausgrenzung: Wenn einige Mitarbeiter:innen nicht an den informellen Gesprächen teilnehmen, kann dies dazu führen, dass sie sich ausgeschlossen oder isoliert fühlen, was wiederum ihre Arbeitszufriedenheit und ihre Beziehungen zu Kollegen beeinträchtigen kann.

Die positiven Aspekte des Watercooler-Effekts sind zu fördern und die negativen Aspekte zu minimieren. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen eine offene Kommunikation, ein inklusives Arbeitsumfeld und klare Richtlinien für angemessenes Verhalten am Arbeitsplatz pflegen.

Die Gefahr der miesen Teamstimmung

Das Lästern zählt zu den negativen Effekten, die der Watercooler-Effekt haben kann. Lästern kann nicht nur die Arbeitsatmosphäre vergiften, sondern auch zu Misstrauen, fehlender Zusammenarbeit und mangelnde Produktivität führen.

Ein Beispiel für eine unschöne Situation, die durch Lästern entstehen kann, ist die Ausgrenzung bestimmter Mitarbeiter:innen. Stellen wir uns vor, während der Mittagspause werden Gerüchte über eine Kollegin verbreitet, die angeblich ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß erledigt. Diese Gerüchte breiten sich schnell unter den Kolleg:innen aus. Meist spricht niemand die betroffene Person darauf an oder gibt ihr die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Das Ergebnis ist, dass die Kollegin plötzlich von ihren Teammitgliedern gemieden wird. Kolleg:innen wollen nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten oder lehnen sie sogar offen ab. Die betroffene Mitarbeiterin fühlt sich ausgeschlossen, ihr Selbstbewusstsein leidet und ihre Arbeitsergebnisse verschlechtern sich weiter.

Ein anderes Beispiel ist die Schaffung einer toxischen Arbeitsumgebung. Hier geht das Vertrauen und die Offenheit, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendig sind, verloren. In solch einer Atmosphäre haben die Mitarbeiter:innen ständig Angst, dass hinter ihrem Rücken über sie gesprochen wird. Dies führt dazu, dass sie sich zurückhalten und weniger bereit sind, Ideen und Informationen zu teilen oder konstruktive Kritik zu üben. Die Folge ist eine Verschlechterung der Teamdynamik und der Arbeitsleistung.

Es ist daher von großer Bedeutung, den Watercooler-Effekt bewusst zu nutzen und gleichzeitig auf eine respektvolle und professionelle Kommunikation zu achten, um unschönen Situationen vorzubeugen.

Virtuelle Formen des Watercooler-Effekts

Gibt es den Watercooler-Effekt auch beim virtuellen Arbeiten? Na klar, und Formen zur Unterstützung des Watercooler-Effektes im digitalen Raum sind sogar zunehmend wichtiger geworden, insbesondere mit dem Anstieg von Remote-Arbeit und digitaler Kommunikation. Hier sind drei Beispiele für virtuelle Watercooler-Interaktionen:

  1. Messaging-Apps und Chatrooms: Plattformen wie Slack, Microsoft Teams oder Discord ermöglichen Mitarbeiter:innen, in Echtzeit miteinander zu kommunizieren und informelle Gespräche in speziellen Chatrooms oder Gruppen zu führen. Diese Chatrooms können nach Themen, Interessen oder Projekten organisiert sein und bieten den Mitarbeiter:innen die Möglichkeit, sich in einem informellen Rahmen auszutauschen.
  2. Virtuelle Kaffeepausen: Einige Unternehmen organisieren virtuelle Kaffeepausen oder Teambuilding-Aktivitäten, bei denen sich Mitarbeiter:innen über Videoanrufe wie Zoom, Microsoft Teams oder Skype verbinden. Während dieser Veranstaltungen können Teilnehmer:innen in ungezwungener Atmosphäre plaudern und soziale Verbindungen pflegen, ähnlich wie bei persönlichen Gesprächen am “Wasserkühler”.
  3. Online-Community-Plattformen: Einige Unternehmen verwenden Community-Plattformen wie Yammer, Workplace by Facebook oder Circle, um Mitarbeitern einen Raum für informelle Diskussionen und den Austausch von Ideen zu bieten. Diese Plattformen ermöglichen es den Benutzer:innen, Diskussionen zu starten, auf Beiträge zu antworten und sogar Inhalte wie Bilder oder Links zu teilen, ähnlich wie bei persönlichen Watercooler-Gesprächen.

Diese virtuellen Formen des Kontakts helfen, die sozialen Verbindungen und den Informationsaustausch aufrechtzuerhalten. Insbesondere in Zeiten der Remote-Arbeit und der digitalen Kommunikation ist dies für eine gesunde Arbeitsumgebung wichtig. Gleichzeitig können die virtuellen Formen die gleichen positiven und negativen Auswirkungen haben wie persönliche Watercooler-Gespräche. Deshalb sollten Unternehmen darauf achten, klare Richtlinien für angemessenes Verhalten und Kommunikation auf diesen Plattformen zu etablieren.

Valentina

Valentina ist eine engagierte Deutsch als Zweitsprache (DAZ)-Lehrerin an einer Grundschule. Sie fühlte sich oft isoliert. In dem Wunsch, sich besser in das Lehrerteam zu integrieren, begann sie ihre Pausen im Lehrer-Pausenraum, an der Kaffeemaschine und dem Drucker zu verbringen, dem Ort für den informellen Austausch.

Anfangs zögerlich nahm sie an den lebhaften Gesprächen teil und wurde bald zu einer regelmäßigen Teilnehmerin. Der sogenannte “Watercooler-Effekt” hatte eine positive Wirkung auf Valentinas Schulerfahrung. Sie knüpfte engere Bindungen zu den Kolleg:innen und erfuhr von neuen Lehrmethoden, die sie in ihrem Unterricht anwenden konnte. Zugleich beeindruckten ihre Hingabe und Fähigkeiten ihre Kolleg:innen, die sie daraufhin um Rat in Fragen der Integration und des Sprachunterrichts baten.

Als sie eines Tages von einem erfolgreichen Projekt in ihrer Klasse erzählte, wurden die anderen Lehrkräfte inspiriert. Valentina hatte ihre Schüler:innen motiviert, Geschichten aus ihrer Heimat in ihrer Muttersprache zu schreiben und ins Deutsche zu übersetzen. Die Idee, die Lesemotivation der Schüler:innen auf diese Weise zu erhöhen, wurde in der gesamten Schule implementiert und verbesserte die Lesebegeisterung und Sprachkenntnisse der Schüler:innen.

Durch den “Watercooler-Effekt” konnte Valentina nicht nur enge Beziehungen zu ihren Kolleg:innen aufbauen, sondern auch das Bildungserlebnis für die gesamte Schule verbessern. Die informellen Gespräche und der Austausch von Ideen bereicherten den Unterricht durch innovative Ansätze.

Förderung des Watercooler-Effekt im Schulkollegium

Natürlich greift der Watercooler-Effekt auch in Schulen. In Deutschland stehen die Pädagog:innen jedoch weniger am “Wasserspender”, sondern eher an der Kaffeemaschine oder am Kopierer. Hier einige Ideen, wie der Watercooler-Effekt gesteigert werden kann.

  1. Schaffe Gelegenheiten für informelle Interaktionen: Gestalte Pausenräume oder gemeinschaftliche Bereiche so, dass sie zum Verweilen und zum Gespräch einladen. Stelle bequeme Sitzgelegenheiten, Kaffeemaschinen oder andere Annehmlichkeiten bereit, die den informellen Austausch fördern.
  2. Nutze informelle Veranstaltungen: Organisiere Veranstaltungen wie gemeinsame Mittagessen, Feiern oder Teambuilding-Aktivitäten, bei denen sich die Lehrkräfte in einem entspannten Rahmen austauschen können.
  3. Sei offen und zugänglich: Zeige Interesse an den Erfahrungen, Ideen und Meinungen deiner Kolleg:innen. Indem du aktiv zuhörst und dein Wissen teilst, ermutigst du andere, das Gleiche zu tun.
  4. Fördere eine positive Kommunikationskultur: Schaffe ein Klima der Offenheit und des Vertrauens, in dem Ideen und Meinungen ohne Angst vor Kritik oder Zurückweisung geäußert werden können.
  5. Nutze eventuell Technologie zur Förderung des Watercooler-Effekts: Hier kann an Online-Kommunikationstools gedacht werden, wie Chatrooms, Foren oder soziale Medien, um informelle Diskussionen und den Austausch von Ideen zu ermöglichen.
  6. Baue informelle Elemente in formelle Treffen ein: Beginne Besprechungen oder Konferenzen mit einem check-in oder einer kurzen Phase des informellen Austauschs, um das Eis zu brechen und die Atmosphäre zu lockern.
  7. Erkenne und nutze den Wert informeller Gespräche: Betrachte den Watercooler-Effekt nicht als Zeitverschwendung, sondern als Gelegenheit, Beziehungen aufzubauen, Wissen zu teilen und Innovationen zu fördern.
  8. Setze Grenzen für Klatsch und Tratsch: Achte darauf, dass informelle Gespräche respektvoll und professionell bleiben, um ein positives Arbeitsklima zu erhalten.
  9. Sei ein Vorbild für den Watercooler-Effekt: Indem du selbst aktiv am informellen Austausch teilnimmst und dessen Wert anerkennst, ermutigst du andere, es dir gleichzutun.
  10. Reflektiere und passe deine Strategien an: Beobachte die Auswirkungen deiner Bemühungen, den Watercooler-Effekt zu fördern, und passe deine Herangehensweise bei Bedarf an, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Der Watercooler-Effekt unter Schüler:innen

Ein ähnliches Phänomen kann auch unter Schüler:innen beobachtet werden. In Pausen, auf dem Schulhof oder in der Mensa haben Schüler:innen oft die Möglichkeit, informell miteinander zu sprechen, Freundschaften zu schließen und Informationen auszutauschen, die nicht unbedingt mit dem Unterricht zusammenhängen. Solche informellen Gespräche können dennoch das Lernen bereichern, indem sie neue Perspektiven bringen, Interessen wecken und das allgemeine Engagement fördern.

Es ist wichtig zu beachten, dass solche informellen Interaktionen – ob in der Mensa, der Caféteria oder auf dem Schulhof – eine wertvolle Ergänzung zum formellen Lernen oder Arbeiten sind und dazu beitragen können, eine gesunde und effektive Gemeinschaft zu schaffen.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, den Austausch im Klassenrahmen zu fördern, indem man Austauschrunden einführt. Eine Montags-Eingangsrunde, eine Freitags-Ausgangsrunde, Feedbackrunden, spaßige Runden, eine-Frage-viele-Antworten-Runde oder was auch immer. Ich bin jedenfalls ein riesiger Fan solcher Möglichkeiten miteinander ins Gespräch zu kommen.

"Das wahre Geheimnis des Erfolgs liegt in der Fähikgiet, aus demAlltäglichen etwas Außergewöhnliches zu machen." John D. Rockefeller

Hast du den Watercooler-Effekt bereits in deinem Arbeitsumfeld entdecken können? Berichte gerne in den Kommentaren darüber.

Ich freue mich, von dir zu lesen …
sagt Christa

Hier schreibt:

Aktuelles:

Die diesjährige Ausbildung Schulmediation beginnt bald. Am 07.03.2024 geht es los. Sei dabei: SMA 2024 – Konflikte lösen, Gemeinschaft stärken

Folge mir auf:

Mein neustes Produkt für dich:

Bald beginnt die Ausbildung zur Schulmediation. Kursstart in diesem Jahr: 30.03.2023

Hier geht es zur Anmeldung:

Schulmediationsausbildung

 

Kategorien:

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn gerne:

2 Antworten

  1. Danke für den Artikel, liebe Christa. Nach anderthalb Jahren Homeoffice seit meinem Weggang aus dem Angestelltenjob habe ich mich in einem CoWorkingSpace eingemietet – und halleluja: Das ist eine ganz neue Qualität und ich freue mich auf meine Schreibtischtage!

    1. Hallo André,

      danke für deinen Einblick! Es ist wirklich faszinierend, wie sehr unsere Arbeitsumgebung die Art und Weise beeinflussen kann, wie wir uns fühlen und arbeiten. Das Homeoffice bietet zwar viele Vorteile, aber der fehlende informelle Austausch mit Kolleg:innen, wie er durch den Watercooler-Effekt beschrieben wird, kann definitiv eine Herausforderung darstellen. Co-Workingspaces sind in dieser Hinsicht oft eine großartige Lösung, da sie nicht nur einen professionellen Arbeitsplatz bieten, sondern auch Möglichkeiten für soziale Interaktionen und Netzwerkbildung. Es freut mich zu hören, dass du positive Erfahrungen in deinem Co-Workingspace gemacht hast. Viel Erfolg weiterhin und genieße die inspirierenden Gespräche an der Kaffeemaschine!

      Beste Grüße von Christa 🌞

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Artikel

Die beleuchtete Staatsoper mit den Wünschen der Kinder

Kinderwünsche beim Festival of Lights

Der Kinderchor der Staatsoper Berlin hat Wünsche und Visionen für unser Zukunft formuliert. Das Festival of Lights hat diese Wünsche in beeindruckender Weise auf ein großes Gebäude projiziert. Ein wunderbares Projekt. Mehr zu den Kinderwünschen …

Weiterlesen »

Angst und Schule in den Zeiten der Pandemie

Es ist mir ein wichtiges Anliegen, über die Angst im Schulkontext zur Pandemiezeit zu schreiben. Viele Kinder und Jugendliche haben Ängste, schon lange vor Pandemiebeginn. Und seitdem Covid vor beinahe zwei Jahren unsere Leben umgekrempelt hat, sind neue Ängste hinzugekommen.

Weiterlesen »

Es freut mich, dass du auf meine Seite gefunden hast.
Wenn du mehr über mich und meine Angebote wissen möchtest,
dann schau doch auch auf folgender Seite vorbei:
www.schulmediationskongress.de

News von Christa

Melde dich hier zu meinem Newsletter an.

Marketing von

Melde dich hier zu meinem Newsletter an.

Marketing von
Logo