Mobbing in der Schule

Leider ist Mobbing in der Schule ein Thema, dem wir momentan sehr viel Aufmerksamkeit widmen müssen. In Deutschland ist jede:r zweite Fünftklässler:in in der Schule von Gewalt betroffen. Jede:r sechste Schüler:in wird gemobbt.

Inhalt

Was ist Mobbing?

Mobbing in der Schule ist eine Form von aggressivem Verhalten. Es tritt auf, wenn eine Person oder eine Gruppe von Menschen eine andere Person über einen längeren Zeitraum immer wieder ärgert und angreift. Die Person, die geschädigt wird, wird dabei für schwächer oder verletzlicher gehalten.

Welche Formen von Mobbing gibt es?

Mobbing kann viele Formen annehmen, es gibt körperliches, verbales, nonverbales und Cybermobbing. Körperliches Mobbing beinhaltet die Anwendung von körperlicher Gewalt, um eine andere Person zu verletzen oder zu verängstigen. Dies kann durch Schläge, treten, schubsen passieren, oder indem jemandem sein Eigentum weggenommen wird. Verbales Mobbing beinhaltet die Verwendung von Worten, um eine andere Person zu verletzen oder herabzusetzen. Dies passiert beispielsweise durch Beschimpfungen, Hänseleien, Drohungen und das Verbreiten von Gerüchten. Nonverbales Mobbing ist ein einschüchterndes Verhalten, das keinen direkten körperlichen Kontakt beinhaltet. Beispielsweise wird dazu jemandem die kalte Schulter gezeigt oder ihm werden Drohbotschaften geschickt. Cybermobbing ist die Nutzung von Technologien wie sozialen Medien, Textnachrichten und E-Mails, um jemanden zu belästigen oder einzuschüchtern.

Anzeichen von Mobbing

Anzeichen für Mobbing können körperlich, verbal und nonverbal sein. Körperlich können die Opfer unerklärliche blaue Flecken oder Verletzungen haben, über die sie nur ungern sprechen. Verbale Anzeichen sind Beschimpfungen, Hänseleien und Spott. Nonverbale Anzeichen lassen sich an der Körpersprache erkennen. Schüler:innen vermeiden dann beispielsweise den Blickkontakt oder ziehen sich aus sozialen Situationen zurück.

Es ist wichtig, dass Pädagog*innen, Eltern und andere Erwachsene die Anzeichen dafür erkennen, dass ein Kind gemobbt wird. Weiter ist wichtig, dass sie Maßnahmen ergreifen, um zu helfen. Es ist auch wichtig, Kindern beizubringen, wie sie für sich selbst eintreten und angemessen reagieren können, wenn sie Zeuge von Mobbing werden. Und schließlich sollten Schulen über umfassende Anti-Mobbing-Richtlinien verfügen, damit sich alle Schüler/innen beim Lernen sicher und respektiert fühlen können.

Mobbing macht Stress

Der Körper reduziert seine Funktionen auf das Nötigste, und er aktiviert das Hormon Adrenalin, das mehrfach wirkt. Zunächst schaltet die Verdauung ab, denn bei Gefahr muss man nicht essen. Die Folge ist ein komisches Gefühl im Magen. Die Herzfrequenz wird erhöht, um dem Gehirn mehr Blut und Sauerstoff zuzuführen, wir spüren ein vermehrtes Herzklopfen. Der Denkapparat wird abgeschaltet, massive Denkblockaden sind die Folge. Wir können uns nicht besinnen (Blackout). Das Immunsystem schaltet ab (gute Voraussetzungen, um krank zu werden). Mobbing führt also unweigerlich zu gesundheitlichen Beschwerden.

Folgen von Mobbing

Mobbing kann seinen Opfern körperlichen und seelischen Schaden zufügen und zu einer Vielzahl von Problemen führen, darunter Depressionen, Angstzustände, schulische Schwierigkeiten und sogar Selbstmordgedanken.

Mobbing ist ein Gruppenphänomen

Man spricht systemisch gesehen dabei vom Mobbingsystem, in dem Mobbing in der Schule stattfindet. Da gibt es die Mobbing-Akteure (Täter), die Mobbing-Betroffenen (Opfer) und die anderen Rollen. Erst die Gesamtheit des Systems macht Mobbing möglich. Auch die „Wegschauer“ tragen dazu bei, dass sich Mobbing verfestigt. Wird aus einem Wegschauer ein „Hinschauer“, und unterstützt diese:r die oder den Betroffenen, so kann Mobbing gestoppt werden.

Beachte: Das Opfer hat niemals Schuld am Mobbing.

Maßnahmen gegen Mobbing

Um Mobbing in der Schule wirksam zu bekämpfen, ist es wichtig, dass Schulen, Eltern und Schüler:innen zusammenarbeiten. Die Schulen sollten über umfassende Anti-Mobbing-Richtlinien verfügen, die klare Erwartungen an das Verhalten und angemessene Konsequenzen für diejenigen, die Mobbing betreiben, festlegen. Zusätzlich zu diesen Richtlinien sollten die Schulen Schulungen und Trainings anbieten, wie man Mobbing erkennt und anspricht wenn sie auftritt.

Auch die Eltern können eine wichtige Rolle bei der Prävention und Reaktion auf Mobbing spielen. Eltern sollten auf Anzeichen achten, dass ihr Kind gemobbt wird, und die notwendigen Maßnahmen ergreifen. Sie sollten auch mit ihren Kindern über Mobbing sprechen und mit ihnen besprechen, wie sie angemessen reagieren können, wenn sie selbst gemobbt werden oder miterleben, wie jemand anderes gemobbt wird.

Natürlich haben insbesondere Schüler:innen einer Klasse eine wichtige Rolle. Sie sollten über die Auswirkungen von Mobbing aufgeklärt sein. Ebenfalls sollten sie wissen, wie sie effektiv reagieren können, wenn sie selbst Ziel von Mobbing sind oder miterleben, wie jemand anderes gemobbt wird. Weiter benötigen sie Mut und Zivilcourage, damit sie sich für Mitschüler:innen einsetzen, die gemobbt werden, und damit sie Maßnahmen ergreifen, um dies zu stoppen, einem Erwachsenen Bescheid zu geben oder ähnliches.

Auch externe auf Mobbing spezialisierte Organisationen können bei Mobbing in Schulen unterstützen. Solche Organisationen setzen sich dafür ein, Mobbing zu verhindern und ein sicheres Umfeld für alle in Schule Beteiligten zu schaffen. Sie arbeitet daran, das Bewusstsein für Mobbing zu schärfen und Ressourcen bereitzustellen, mit denen jede:r Einzelne etwas gegen Mobbing in seinem Umfeld tun kann. Die Organisation stellt beispielsweise Aufklärungsmaterialien wie Videos, Poster und Broschüren zur Verfügung, die in Schulen, zu Hause und in anderen Bereichen eingesetzt werden können.

Prävention bei Mobbing in Schule

Mobbing in der Schule betrifft täglich sowohl Schüler:innen als auch Lehrkräfte und führt zu verminderter Sicherheit, schulischem Versagen und psychischen Problemen. Daher muss die Prävention von Mobbing in allen Schulen ein wichtiger Schwerpunkt sein.

Zu den Präventionsmaßnahmen gehört die Förderung positiver Beziehungen zwischen Gleichaltrigen. Auch die Entwicklung eines unterstützenden Umfelds durch Bildung und Einbeziehung der Gemeinschaft ist wichtig. Lehrkräfte und andere Pädagog:innen sollten mit Fähigkeiten und Ressourcen ausgestattet sein, um bei Mobbingvorfällen effektiv eingreifen zu können. Schließlich ist es wünschenswert, dass Pädagog:innen medienpädagogisches Grundwissen besitzen und über die neuen Technologien Bescheid wissen, die für Cyber-Mobbing genutzt werden können.

Die Schulen benötigen Richtlinien, die klare Erwartungen an angemessenes Verhalten stellen und Konsequenzen für Mobbing-Verhalten vorsehen. Darüber hinaus ist ein Beratungsangebot günstig, so dass alle Schüler:innen der Schule einen Beratungsdienste in Anspruch nehmen können. In vielen Schulen gibt es hierzu die Schulsozialarbeit oder eine Anti-Mobbing Sprechstunde. Auch Schulpsychologie kann hierfür in Anspruch genommen werden.

Durch Aufklärung, Intervention und Prävention können Schulen eine Kultur des gegenseitigen Respekts innerhalb ihrer Schulgemeinschaft fördern. Wenn Schüler/innen die Auswirkungen von Mobbing verstehen und wissen, was sie tun können, um es zu verhindern, sind sie eher bereit, in schädlichen Situationen einzugreifen und ein Umfeld zu schaffen, das akzeptierend und integrativ ist. Dies schärft das Bewusstsein für das Thema Mobbing bei allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft, was zu gesünderen Beziehungen und einem positiveren Schulklima führt.

Um Mobbing vorzubeugen können Pädagog*innen:

Wenn Mobbing bereits stattfindet

Ist bereits ein Mobbingvorfall in der Schule, in einer Klasse vorhanden, so können unter anderem die beiden Methoden No Blame Approach oder Farsta-Methode genutzt werden. Beide möchte ich im folgenden kurz vorstellen.

No Blame Approach

Der No Blame Approach ist ein effektiver Weg, um Mobbingverhalten anzugehen, ohne die Beteiligten zu bestrafen oder zu beschämen. Dieser Ansatz konzentriert sich auf die Vermittlung von Empathie, die Förderung positiver Beziehungen zwischen Gleichaltrigen, die Entwicklung eines unterstützenden Umfelds durch Bildung und das Engagement in der Gemeinschaft, die Ausstattung von Lehrkräften mit den notwendigen Fähigkeiten, um bei Mobbingvorfällen effektiv einzugreifen, die Bereitstellung von Beratungsdiensten für alle in Mobbing involvierten Schüler:innen und die Unterstützung der Mobbingbetroffenen. Durch diese umfassenden und kooperativen Ansätze schaffen Pädagog:innen ein sicheres Lernumfeld, in dem sich dann alle unterstützt und respektiert fühlen. So wird Mobbing gestoppt.

1. Identifiziere das Mobbing und bereite den No Blame Approach vor
Der erste Schritt in einem No Blame-Ansatz gegen Mobbing ist es, Mobbing zu erkennen, möglichst bevor es eskaliert. Das kann bedeuten, dass alle aufmerksam nach Anzeichen für Mobbingverhalten Ausschau halten, und es frühzeitig ansprechen, bevor es außer Kontrolle gerät. Natürlich kann auch ein Mobbing-Fragebogen für Klarheit sorgen.

2. Gespräch mit dem oder der Mobbingbetroffenen
Im ersten Gespräch mit der oder dem von Mobbing betroffenen Person soll diese für das Verfahren No Blame Approach gewonnen werden. Ferner soll Zuversicht vermittelt werden, dass sich die schwierige Situation beenden lässt. Es wird weder intensiv über einzelne Geschehnisse gesprochen, noch soll der Begriff Mobbing verwendet werden. Das Gespräch kann gut von Lehrkräften und/oder Schulsozialarbeit oder auch unparteiische Dritten (wie beispielsweise Mediator*innen mit einer Zusatzausbildung im Anti-Mobbing-Bereich) geführt werden.

3. Gespräch mit einer Unterstützergruppe
Zeitnah am Gespräch mit dem oder der von Mobbing betroffene Person soll ein Gespräch mit den Mitgliedern einer Unterstützergruppe organisiert werden. Die Bildung dieser Unterstützergruppe ist ein wichtiges Element im No Blame Approach. Schüler:innen werden um Unterstützung gebeten, damit die schwierige Mobbingsituation überwunden werden kann. Die am Mobbing beteiligten Akteur:innen werden dabei aktiv in den Prozess eingebunden. Auch hier bleibt das Verfahren auf Augenhöhe mit den Schüler:innen. Die Gruppe der Unterstützer:innen sucht Möglichkeit, damit es allen Schüler:innen der Klasse wieder gut geht, damit das Klassenklima steigt und niemand mehr Angst haben muss. Diese Maßnahmen werden anschließend von der Unterstützungsgruppe zusammen mit der Klasse durchgeführt.

4. Nachgespräche
Es finden zwei Nachgespräche statt, ein Gespräch mit der von Mobbing betroffenen Personen und ein Gespräch mit der Unterstützergruppe. In den Gesprächen werden Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Mobbingstopps gesichert.

Die Farsta-Methode

Die Farsta-Methode wurde in Farsta, einem Stadtteil von Stockholm, entwickelt. Sie ist eine eher konfrontativ wirkende Intervention und ein weiterer anerkannter Ansatz zur Bekämpfung von Mobbing in Bildungseinrichtungen. Sie besteht aus drei wichtigen Schritten:

  1. Sammlung von Informationen und Gespräch mit der von Mobbing betroffenen Person
    Der erste Schritt der Farsta-Methode ist das Erkennen und Identifizieren von Mobbingverhalten. Dies setzt voraus, dass Lehrkräfte und andere Pädagog:innen die Anzeichen von Mobbing erkennen und deuten. Durch ein sensibel geführtes Gespräch mit der von Mobbing betroffenen Person werden weitere Informationen zu den Vorfällen erfragt. Dabei ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die von Mobbing betroffene Person sicher fühlen kann.

  2. Unterstützung organisieren
    Zur Vorbereitung der Gespräche mit den mobbenden Personen muss einiges überlegt werden. Die mobbenden Schüler:innen dürfen nicht vorab von den geplanten Gesprächen erfahren, damit sie sich nicht absprechen können.

  3. Sprich Klartext mit den Mobbern
    Die mobbenden Schüler:innen werden unangekündigt einzeln aus dem Unterricht geholt. Die Pädagog:innen, die mit dem Mobbingopfer gesprochen haben, führen nun auch die Gespräche mit den mobbenden Schüler:innen. Es gibt hierzu Leitfäden, die eine gute Gesprächsgrundlage darstellen. Im Gespräch wird den Täter:innen vermittelt, dass die Schule den Übergriffen nicht toleriert und die Mobbenden die Verantwortung für ihre Taten übernehmen müssen. Es ist wichtig, dass die Pädagog:innen nicht auf eventuelle Rechtfertigungsversuche der Schüler:innen eingehen. Die Täter:innen sollten vielmehr dazu gebracht werden, über Verhaltensweisen nachzudenken, die weiteres Mobbing verhindern. Dazu werden sie angeregt, Vereinbarung zu entwickeln und umzusetzen.

  4. Nachgespräche sichern die Nachhaltigkeit
    Natürlich ist es wichtig, nach einer angemessenen Zeit zu schauen, ob das Mobbing gestoppt wurde und wie die Schüler:innen in der Zwischenzeit miteinander interagieren.

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Pädagog*innen sprechen mit der Farsta-Methode ernsthaft und ehrlich. Deshalb ist diese Methode ein wertvolles Instrument für heftige Mobbingvorfälle und für höhere Klassenstufen. Unbedingt sollte sie von jemandem durchgeführt werden, die oder der in diesem Bereich geschult ist.

Idealerweise gibt es ein Team von Mobbingexpert:innen in der Schule. Dieses Team sollte dazu in der Lage sein, beide Verfahren durchzuführen, je nachdem, welches Interventionsverfahren sich als gerade zielführend herausstellt.

Manche Schulen nutzen auch Klassenmediationen, um Mobbing zu stoppen. Davon rate ich aus verschiedensten Gründen ab.

Ein dritter unglaublich kraftvoller Interventionsansatz gegen Mobbing ist der Whole School Approach-Ansatz. Hier möchte ich gerne das Olweus-Mobbing-Präventions-Programm und das KiVa-Programm nennen. In einem weiteren Blogartikel dazu demnächst mehr …

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Ich freue mich, dass du dich für das Thema Mobbing interessiert.

Ich wünsche dir allerdings auch, dass du in deinem Umfeld wenige Mobbingfälle verzeichnest.

Schreib’ mir gerne, wenn ich dich unterstützen kann.
Alles Gute wünscht dir Christa

Hier schreibt:

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