Tipps für den Umgang mit Nörgler*innen

Tom nörgelt

Ein nörgelnder Kollege

Tom ist allen seinen Kolleg*innen als chronischer Nörgler bekannt. Nichts, aber auch gar nichts scheint ihm recht zu sein und es ist auch nichts gut genug in seinen Augen. Stets gibt es irgend etwas zu bemängeln; in allem findet er etwas Schlechtes. Wenn er nichts auszusetzen hat, schweigt er – Lob und Anerkennung gibt es von seiner Seite aus nicht. „Das Ausbleiben von Nörgeln ist sein Kompliment“, meinte eine Kollegin kürzlich halb scherzhaft, halb ernst. Mit Toms Nörgel-Verhalten gibt er seinen Kolleg*innen ganz deutlich das Gefühl, sie würden etwas falsch machen. Die Schuld liegt seiner Wahrnehmung nach immer bei anderen, und er sieht sich im Recht.

Toms ständiges Meckern und schimpfen belastet das Team. Er zieht andere mit seiner resistenten Unzufriedenheit herunter, die schlechte Stimmung überträgt sich auf die gesamte Teamatmosphäre. Seine Kolleg*innen ärgern sich, sind genervt, gereizt und vermeiden immer mehr den Kontakt.

Was hinter dem Nörgeln steckt

Nörgelnde Menschen sind häufig unzufrieden (das kommt sicher nicht als Überraschung). Sie sind dabei nicht nur von konkreten Schwierigkeiten auf der Arbeit frustriert, sondern in der Regel mit sich selbst und ihrem Leben. Wenn sie keinen Spaß haben, sollen die anderen bitte ebenfalls nichts genießen! Dieses Verhalten endet nicht mit dem Feierabend – zu Hause ist es ebenso.

Toms Leben ist nicht, wie er es sich wünscht und vorgestellt hat. Er hat das Gefühl, still zu stehen und dass alles an ihm vorüber gezogen ist, ohne dass er seine Träume verwirklichen konnte. Er weiß nicht, wie er irgend etwas konkret verbessern könnte und sieht die Verantwortung dafür auch nicht bei sich, sondern bei anderen: Weil seine Ehefrau so ist, wie sie ist, ist er unglücklich – denkt Tom. Weil seine Kinder verzogen und undankbar sind, hat er es schwer – so seine Annahme.

Toms Kindheit und Jugend spielen eine große Rolle in seinem jetzigen Verhalten: Seinem Vater konnte er es nie recht machen. Er hat als Kind stets das Beste gegeben, hat sich sehr angestrengt, um seinen Vater stolz zu machen, aber dieser hat nur an ihm herumkritisiert und mal dies, mal das auszusetzen gehabt: Tom wäre nicht gut genug in der Schule, wäre nicht schnell, nicht klug, nicht stark, nicht mutig genug…

Beim väterlichen Nörgeln ging es auch oft um Kleinigkeiten im Alltag: Toms Vater hatte schlechte Laune, weil nicht abgewaschen war (machte es aber selber nicht). Das nächste Mal war abgewaschen, aber dafür konnte er seine Hosenträger nicht finden, und daran war angeblich Toms Mutter schuld. Diese versuchte alles, um es ihrem Mann recht zu machen, aber vergeblich. Und sie beschützte Tom auch nicht vor dem Herunterputzen und der Geringschätzung.

Doch nun ist Tom längst erwachsen und seine Kindheit ist keine Rechtfertigung für sein Verhalten mit seinen Kolleg*innen oder privat.

Was tun bei Nörgler*innen

Es ist von der jeweiligen Persönlichkeit und auch von der Tagesform und -stimmung abhängig, wie ein Umgang mit nörgelnden Menschen einigermaßen gut aussehen kann. Nicht jede Idee passt zu jedem Mensch – weder zu dir, noch zu deinem nörgelnden Gegenüber. Im Folgenden nenne ich 10 Dos und 3 Don’ts, die manche Menschen in meinem Umfeld schon hilfreich fanden. Schau einfach, was davon für dich in Frage kommt und probiere im Zweifelsfall aus.

10 Dos

  1. Konkret Nachfragen: Stelle sachliche Rückfragen. Was stört die nörgelnde Person genau? Was würde sie sich exakt wünschen? Und wie kann das konkret aussehen? Häufig kommen Nörgler*innen dann ins Stocken, weil es ihnen nicht wirklich um Veränderungen geht, sondern ums Nörgeln.
  2. Keine Reaktion: Du gehst nicht auf das Nörgeln ein. Im Gespräch übergehst du die Kommentare und bleibst inhaltlich bei anderen Themen. Die nörgelnde Person bekommt keinen Widerhall mit den Unzufriedenheiten. Entweder reduziert sie die negativen Kommentare daraufhin oder sie will ein großes Gespräch. In dem Fall soll die nörgelnde Person es initiieren, denn es ist ihr Bedürfnis und nicht deines.
  3. Eine Nörgelrunde: Du kannst es auf eine formellere Ebene bringen, indem du vorschlägst, dass alle bei einer Teamsitzung ihre Unzufriedenheiten äußern können. Jede Person darf bis zu 2 Minuten sagen, was sie stört. Und im Anschluss geht es darum, dass alle konstruktive Vorschläge machen, so dass es nicht bei dem Missmut stehenbleibt.
  4. Blendende Laune: Mit guter Laune kontern und entgegnen, was dir alles gefällt und was du prima findest. Lasse dich nicht beirren von der Negativstimmung und setze auf Gegenwind. Es ist sinnvoll, das nur dann zu tun, wenn du wirklich gut drauf bist – bei Gereiztheit oder Angespanntheit bringt es nicht viel, dann wirkt dieser Umgang verkrampft.
  5. Paradoxe Intervention: Du nörgelst ebenfalls, und zwar noch mehr. Dabei übertreibst du. Alles geht dir gegen den Strich, nichts kann dich zufrieden stimmen. So irritierst du dein Gegenüber. Die nörgelnde Person kommt ggf. in die Lage, auch zu widersprechen und zu sagen, dass es doch gar nicht so schlecht ist. In jedem Fall verändert sich die Dynamik, wenn nicht die übliche Person allein nörgelt und wenn du nicht länger das Gefühl hast, du musst das Positive aufzeigen, ein Gegengewicht schaffen oder etwas in Schutz nehmen, was du vielleicht selber nicht so großartig findest.
  6. Nach Emotionen fragen: „Wie geht es dir damit?“ Oder sagen: „Ich habe das Gefühl, du bist gerade verärgert/enttäuscht/missgelaunt. Kommt das hin oder wie fühlst du dich gerade?“ Das Gespräch wird dann vermutlich ein ganz anderes als die Inhalte der Nörgel-Themen.
  7. Verschiedene Perspektiven akzeptieren: Jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Ansicht und die damit verbundenen Gefühle. So auch Nörgler*innen. Der Inhalt hat etwas mit der jeweiligen Person und deren Prioritäten, Bedürfnissen und Erwartungen zu tun – nicht unbedingt mit dem Gegenüber. Du kannst eine andere Meinungen und Wünsche haben.
  8. Verhalten benennen: „Bei mir kommt eine große Portion Verärgerung an. In der Häufigkeit und Dichte ist das anstrengend für mich. Ich wünsche mir, dass du anders mit deinen Gefühlen umgehst. Wenn das gerade nicht möglich ist, dann nörgele, aber ich will mich nicht davon herunterziehen lassen und werde nicht darauf eingehen.“
  9. Verantwortungsübernahme klarmachen: „Wenn du unzufrieden bist, kannst du etwas verändern. Die Verantwortung für deine Gefühle liegen bei dir, so wie die Verantwortung für meine Gefühle bei mir liegen. Du weißt am besten, was du brauchst und willst. Deswegen ist es gut, wenn du die Initiative dafür übernimmst.“
  10. Ein klares Stopp-Zeichen setzen: „Ich höre viel Missmut, aber keine Wünsche oder Veränderungsideen. Dein Äußern von Unzufriedenheit zieht mich runter. Solange du keine konstruktiven Vorschläge machst, möchte ich nicht mehr hören, was dich alles stört.“

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3 Don’ts

  1. Dir den Schuh anziehen/Dich ändern: Nur weil die nörgelnde Person ggf. mit Verhalten von dir unzufrieden ist, heißt das nicht, dass du etwas anders machen musst. Lass die Gefühle bei deinem Gegenüber. Du bist nicht auf der Welt, um anderen ihre Wünsche von den Augen abzulesen oder es ihnen recht zu machen. Du wirst es Nörgler*innen nie recht machen können, egal, wie sehr du dich anstrengst, denn das Problem liegt nicht bei dir.
  2. Dich rechtfertigen: Du bist nicht am Nörgeln schuld und dementsprechend gibt es keinen Grund, Dich zu erklären, zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Mit so einem Verhalten suggerierst du, dass es an dir liegt, und das sendet ein falsches Signal.
  3. Große Veränderungen erwarten: Wir können andere Menschen nicht verändern – nur uns selber, und das ist schwer und dauert. Jedes Verhalten hat eine Geschichte und ist über Jahre und Jahrzehnte gewachsen. Dass die andere Person nörgelt und ihre Gewohnheit zu Nörgeln können wir nicht verändern – nur, wie wir damit umgehen.

.

Was ist deine Strategie bei Nörgler*innen? Welche Umgangsweisen hast du für dich gefunden und was kannst du weiterempfehlen? Was hilft, und was bringt nichts deiner Erfahrung nach?

Ich freue mich auf deine Rückmeldungen und Ideen…
sagt Christa Schäfer

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2 Antworten

  1. Danke Christa, dieser Beitrag hat mich sehr berührt, weil er mir Antwort auf mein eigenes Verhalten
    gegeben hat.
    Es ist schwer dieses lang eingeübte Verhalten abzustellen. Der Unzufriedene kritisiert sich selbst permanent. Liebe und Annahme sind die wirksamsten Tools

    1. Hallo Renate, besten Dank für deine Gedanken. Ich freue mich sehr, dass mein Blogbeitrag dich zum Nachdenken angeregt hat. Und anscheinend hast du dir sogar etwas für die Zukunft vorgenommen. Alles Gute dafür wünscht dir Christa

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