Co-Mediation: Die doppelte Kraft zur Konfliktlösung

2 weiße große Kaffeetassen stehen nebeneinander

Das Co bei Co-Mediation steht für Kooperation. Bei der Co-Mediation kooperieren nämlich zwei Mediator:innen zusammen und führen eine Mediation zusammen durch. Noch einmal etwas genauer:

Was bedeutet Co-Mediation?

Co-Mediation ist ein Ansatz im Mediationsverfahren, bei dem zwei (oder mehr) Mediator:innen zusammen arbeiten, um einen Konflikt zu lösen. Nicht eine einzelne Person übernimmt die Rolle des Mediators, vielmehr arbeiten bei der Co-Mediation zwei Mediator:innen zusammen und leiten den Prozess.

Wann sollte Co-Mediation genutzt werden?

Co-Mediation kann in einer Vielzahl von Situationen hilfreich sein. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgeführt, in denen ich die Co-Mediation als besonders nützlich erachtet:

  • Komplexe Konflikte: Bei Konflikten, die mehrschichtige oder komplizierte Themen und Fragen betreffen, kann Co-Mediation hilfreich sein. Zwei Mediator:innen können verschiedene Aspekte des Konflikts bearbeiten und dabei sicherstellen, alle Nuancen und Facetten des Problems angemessen zu berücksichtigen. Sie können auch dazu beitragen, dass der Prozess strukturiert und fokussiert bleibt, auch wenn der Konflikt viele verschiedene Themen und Bereiche betrifft.
  • Mehrparteien-Konflikte: In Situationen, in denen mehr als zwei Parteien am Konflikt beteiligt sind, kann Co-Mediation dabei helfen, dass alle Stimmen gehört werden. Zwei Mediator:innen können den komplexen Gesprächsverlauf gewöhnlich besser führen als ein:e Mediator:in. Dies ist besonders in größeren Gruppen oder bei Mehrparteienkonflikten hilfreich. Auf diese Weise können die Mediator:innen alle Anliegen angemessen berücksichtigen.
  • Konflikte mit hoher Emotionalität: Wenn ein Konflikt ein hohes Maß an Emotionen aufweist, kann die Co-Mediation helfen, ein sicheres und unterstützendes Umfeld für alle Beteiligten zu schaffen. Während eine Mediatorin sich darauf konzentrieren kann, den Prozess zu moderieren, kann die andere Mediatorin die emotionalen Reaktionen der Parteien beobachten und angemessen darauf reagieren.
  • Hohe Diversität: Mit zwei Mediator:innen, die verschiedene Aspekte der Diversität repräsentieren, etwa in Bezug auf Geschlecht, Alter oder Kultur, kann ein breiteres Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven der Parteien erreicht werden. Die Vielfalt in den Mediatoren stärkt das Vertrauen der Parteien in die Mediation und fördert ein Gefühl von Fairness im Prozess. Dies führt zu einer effektiveren und inklusiveren Konfliktlösung beispielsweise in der Interkulturellen Mediation.
  • Familie und Partnerschaft: In Konflikten in Familie und Partnerschaft ist es mitunter wichtig, dass das Geschlecht der Mediand:innen in den Mediator:innen gespiegelt wird. Dies gibt den Mediand:innen ein besseres Gefühl und sie fühlen sich verstanden. Zudem können unterschiedliche Kommunikationsstile und Techniken den spezifischen Bedürfnissen der Parteien besser gerecht werden.
  • Lernumgebung: Co-Mediation bietet auch eine hervorragende Möglichkeit für Mediator:innen, voneinander zu lernen und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Sie können die Techniken und Ansätze ihrer Kolleg:innen beobachten und neue Ideen und Perspektiven für ihre eigene Praxis gewinnen.

Ich möchte betonen, dass die Entscheidung für oder gegen Co-Mediation von den spezifischen Umständen und Bedürfnissen des jeweiligen Falls abhängt. Es ist oft sinnvoll, diese Entscheidung in Absprache mit allen beteiligten Parteien zu treffen.

Vorteile für die Mediand:innen

  1. Diversität und Breite der Expertise: In einer Co-Mediation bringen zwei oder mehr Mediator:innen ihre jeweiligen Fachkenntnisse und Perspektiven ein. Das bietet den Mediand:innen den Vorteil, dass sie von einem breiteren Spektrum an Wissen und Fähigkeiten profitieren können, was zu einer fundierten und passenderen Konfliktlösung beiträgt.
  2. Bessere Wahrnehmung und Verständnis: Mit mehreren Mediator:innen im Raum erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass alle Aspekte des Konflikts und die Belange aller Beteiligten erfasst und verstanden werden. Die Mediator:innen ergänzen sich gegenseitig und stellen sicher, dass sie kein wichtiges Detail übersehen.
  3. Effizienz: Co-Mediation kann auch die Effizienz des Mediationsprozesses erhöhen. Während eine:r Mediator:in beispielsweise Gespräche führt, kann der oder die andere wichtige Punkte dokumentieren oder Vorbereitungen für den nächsten Schritt treffen. Das spart Zeit und ermöglicht eine strukturiertere Durchführung der Mediation.
  4. Flexibilität: Co-Mediation kann es ermöglichen, den Prozess flexibler zu gestalten und anzupassen, um den spezifischen Bedürfnissen und Umständen des Konflikts gerecht zu werden.
  5. Unterstützung bei emotionalen Konflikten: In emotional beladenen Situationen können Co-Mediator:innen eine zusätzliche Unterstützung und Sicherheit bieten. Sie tragen dazu bei, die emotionale Last zu verteilen und sorgen dafür, dass alle Beteiligten gehört und verstanden werden.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Vorteile der Co-Mediation in hohem Maße von den spezifischen Umständen des jeweiligen Falls abhängen. Ebenfalls wichtig bleibt die Qualität der Zusammenarbeit und die Koordination zwischen den Mediator:innen.

Formen von Co-Mediation

Co-Mediation kann in verschiedenen Formen durchgeführt werden, die je nach den spezifischen Anforderungen des Falls und den Präferenzen der Mediator:innen variieren können.

Gleichberechtigte Mediator:innen: Dies ist das hauptsächlich genutzte Modell in Deutschland. Bei dieser Form der Co-Mediation arbeiten zwei Mediator:innen als gleichberechtigte Partner:innen zusammen. Sie teilen sich die Verantwortung für die Leitung des Mediationsprozesses. Dies kann eine größere Bandbreite an Perspektiven und Fähigkeiten in den Prozess einbringen. Es kann auch dazu beitragen, ein Gefühl der Ausgewogenheit und Fairness zu schaffen. Dennoch erfordert es eine hohe Ebene der Koordination und Kommunikation zwischen den Mediator:innen.

Ein:e Hauptmediator:in und eine Unterstützung: In dieser Form der Co-Mediation übernimmt eine Person die Hauptverantwortung für die Leitung der Mediation, während die andere Person unterstützt. Die unterstützende Person kann verschiedene Rollen einnehmen, wie z.B. Beobachten und Feedback geben, Notizen machen oder bestimmte Aufgaben übernehmen. Dieses Modell kann in Situationen nützlich sein, in denen eine Person über mehr Erfahrung oder Fachwissen verfügt, oder als Trainingsmöglichkeit für weniger erfahrene Mediator:innen. Die Rollen und Verantwortlichkeiten werden klar kommuniziert, so werden Verwirrung oder Missverständnisse bei den Mediand:innen vermieden.

In beiden Formen der Co-Mediation ist es entscheidend, dass die Mediator:innen gut zusammenarbeiten und in der Lage sind, effektiv zu kommunizieren und sich auf eine gemeinsame Strategie und Vorgehensweise zu einigen.

Herausforderungen & Nachteile von Co-Mediation

Es gibt auch Herausforderungen bei der Co-Mediation. Dazu gehören die Notwendigkeit einer engen Koordination zwischen den Mediator:innen und mögliche höhere Kosten im Vergleich zur Einzelmediation. Deshalb ist es wichtig, die spezifischen Umstände und Bedürfnisse des Falles zu berücksichtigen, wenn man entscheidet, ob Co-Mediation der geeignete Ansatz ist.

Obwohl Co-Mediation viele Vorteile bietet, gibt es auch einige Herausforderungen und potenzielle Nachteile zu bedenken:

  • Koordination und Kommunikation: Wenn zwei Mediator:innen zusammenarbeiten, ist es wichtig, dass sie gut koordiniert sind und effektiv kommunizieren. Wenn dies nicht der Fall ist, kann es zu Missverständnissen oder Unklarheiten im Mediationsprozess kommen.
  • Längere Vor- und Nachbereitungszeit: Bei der Co-Mediation kann die Vor- und Nachbereitung mehr Zeit in Anspruch nehmen. Koordination und Abstimmung zwischen zwei Mediator:innen erfordern ein zusätzliches Element der Planung. Beide Mediator:innen müssen sicherstellen, dass sie eine gemeinsame Strategie haben. Sie klären ihre Rollen und Verantwortlichkeiten, sie besprechen die zu verwendenden Techniken und Methoden. Darüber hinaus können Diskussionen und Entscheidungsfindungen mehr Zeit in Anspruch nehmen, wenn zwei Personen beteiligt sind. Dies gilt insbesondere, wenn unterschiedliche Meinungen oder Ansätze aufeinandertreffen.
  • Kosten: Co-Mediation ist teurer als eine Einzelmediation, da zwei Mediator:innen bezahlt werden müssen. Dies kann ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für oder gegen Co-Mediation sein, insbesondere in Fällen mit begrenzten finanziellen Ressourcen.
  • Risiko von Parteinahme: Es besteht die Gefahr, dass eine Partei das Gefühl hat, dass die Mediator:innen nicht neutral sind. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn ein:e Mediand:in eine engere Beziehung zu einer Mediatorin oder einem Mediator aufbaut.
  • Potenzielle Verwirrung für die Konfliktparteien: In einigen wenigen Fällen können die Konfliktparteien durch die Anwesenheit von zwei Mediator:innen verwirrt sein.

Es ist wichtig, diese möglichen Nachteile zu berücksichtigen und zu versuchen, sie durch eine gute Planung, Kommunikation und Koordination zwischen den Mediator:innen zu minimieren.

Was bei der Co-Mediation zu beachten ist

Co-Mediation bietet eine breite Palette an Möglichkeiten für kreativen und effektiven Konfliktlösungsprozess. Es erfordert jedoch auch eine sorgfältige Planung und Koordination zwischen den Mediator:innen. Folgende Punkte sollten bei einer Co-Mediation berücksichtigt werden.

Gleichberechtigt oder Hauptverantwortung mit Unterstützung?

Eines der ersten Dinge, die zu klären ist, ist die Rollenverteilung zwischen den Mediator:innen. Arbeiten die Mediator:innen gleichberechtigt oder gibt es eine hauptverantwortliche Mediator:in und eine Unterstützung?

Wer macht was? Wer beginnt?

Wichtig sind Überlegungen, wer welche Aufgaben übernehmen wird. Zum Beispiel: Wer wird die Mediation einleiten? Wer wird den Sicheren Rahmen erläutern? Wer wird die Fragen stellen, wer visualisieren? Eine klare Aufgabenverteilung führt dazu, dass der Mediationsprozess reibungslos verläuft und die Parteien nicht verwirrt werden.

Wer steht im Fokus der Konfliktparteien?

Ein weiterer Aspekt ist die Verteilung der Aufmerksamkeit der Parteien auf die beiden Mediator:innen. Möchten diese, dass die Parteien ihre Aufmerksamkeit gleichmäßig auf beide Mediator:innen verteilen, oder bevorzugt sie, dass ein:e Mediator:in mehr im Mittelpunkt steht, während die andere mehr beobachtet und zuhört?

Welche Techniken und Methoden bereitet wer vor?

Wenn spezielle Methoden in der Mediation verwenden werden sollen, ist es gut im Voraus zu entscheiden, wer welche Methode vorbereitet und einführt. Es kann ebenso hilfreich sein, eine Liste der Methoden zu erstellen und anschließend zu besprechen, wer für welche Methode verantwortlich sein will.

Gibt es eine Rollenverteilung?

In einigen Co-Mediationen kann es hilfreich sein, eine Rollenverteilung zu haben. Ein:e Mediator:in könnte sich mehr auf den sachlichen Aspekt des Konflikts konzentrieren, die oder der andere mehr auf die emotionalen Aspekte. Die Mediator:innen sollten überlegen, ob eine solche Rollenverteilung sinnvoll ist und wie sie am besten umgesetzt werden kann.

Was passiert bei Uneinigkeiten im Mediator:innen-Team?

Es ist gut, sich über eventuelle Uneinigkeiten im Mediationsprozess Gedanken zu machen. Gut ist es auch Vereinbarungen zu treffen, wie damit umgegangen werden soll. Wer trifft Entscheidungen, wenn die Mediator:innen unterschiedliche Meinungen haben? Wie wird sichergestellt, dass solche Uneinigkeiten den Mediationsprozess nicht stören und die Neutralität beeinträchtigen?

Die Co-Mediation kann eine effektive und kraftvolle Möglichkeit in der Konfliktlösung sein. Stellt sicher, dass ihr im Mediator:innen-Team gut aufeinander abgestimmt seid und effektiv zusammenarbeiten könnt.

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Lieber alleine oder lieber im Tandem mediieren?

Was ist dein Favorite im Mediationsverfahren?

Ich bin gespannt auf deine Antwort …
sagt Christa

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6 Antworten

  1. Mediation ist auf jeden Fall sehr angefragt. Ich kenne einige Leute, die eine Mediationsausbildung gemacht haben. Ich glaube, dass die Konfliktlösung ein wichtiger Bereich in vielen Unternehmen sein sollte.

    1. Hallo Jim, vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast absolut recht, Mediation ist zunehmend gefragt, und es ist ermutigend zu hören, dass immer mehr Menschen eine Mediationsausbildung absolvieren. Die Fähigkeit, Konflikte effektiv zu lösen, ist in der Tat ein kritischer und wertvoller Bereich in Unternehmen. Co-Mediation, bei der zwei Mediatoren zusammenarbeiten, kann in diesem Kontext besonders effektiv sein, da sie unterschiedliche Perspektiven und Fähigkeiten in den Prozess einbringen und dadurch eine ausgeglichenere und umfassendere Konfliktlösung ermöglichen. Solche Ansätze tragen dazu bei, ein harmonischeres und produktiveres Arbeitsumfeld zu schaffen.

  2. Lieben Dank für Deinen Beitrag.
    Ich bin ein großer Fan der Co-Mediation. Es ist effektiver, professioneller und es macht mir viel Freude.
    Der Austausch mit den Kolleg*innen hilft vor, während und nach den Terminen. Wir ergänzen uns in der Moderation
    und unterstützen uns bei den Tools. Teammediationen biete ich immer mit einem Kollegen oder einer Kollegin an.
    Bei Paarmediationen mit weiblichen und männlichen Teilnehmern versuche ich auf der Seite der Mediatoren einen entsprechenden Ausgleich anzubieten.

    1. Hallo Angelika, es freut mich sehr zu hören, dass du ein großer Fan der Co-Mediation bist und die Vorteile dieser Arbeitsweise in deiner Praxis erlebst. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit Kolleg:innen sind in der Tat unschätzbar wertvoll, um sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen. Alles Gute weiterhin für deine Mediationen wünscht dir Christa

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