Highlights vom Schulmediationskongress 2022

Dieses Jahr begann mit einem absoluten Highlight für mich: Dem zweiten Online-Schulmediationskongress vom 3. bis 7. Januar 2022. Hashtag #smk2022.

Der Schulmediationskongress – so funktioniert er

Ein Online-Kongress ist eine Veranstaltung, die – wie der Name nahelegt – online stattfindet. Ich habe Interviews und Gespräche mit bekannten Expert*innen zu verschiedenen Themen geführt und diese auf Video aufgezeichnet. An jedem Veranstaltungstag des Kongresses wurden drei der Videos für 24 Stunden kostenfrei zum Anschauen zur Verfügung gestellt.

Am Montag, dem 3. Januar, hat das Eröffnungs-Live stattgefunden. Ich habe alle Teilnehmer*innen herzlich begrüßt sowie einen kurzen Input gegeben, was Schulmediation bedeutet und wie sie funktioniert. Damit konnten auch alle Nicht-Mediator*innen den Gesprächen gut folgen. Der Höhepunkt des Montags: Gemeinsam und feierlich haben wir den Kongress eröffnet.

Vom 3. bis 7. Januar wurden jeweils pro Tag drei Gespräche freigeschaltet, die ich zuvor mit den Expert*innen geführt hatte. Am Mittwoch, dem 5. Januar 2022 konnten sich die Kongressbesucher*innen sprechen und austauschen. Über die Plattform Wonder.me konnten alle im virtuellen Raum umherwandern, sich treffen, verabreden, plaudern, diskutieren, gemeinsam essen und trinken.

Am Montag, dem 10. Januar fand das Abschluss-Live mit einem besonderen Webinar statt. Es ging um einen Rückblick auf den Kongress, aber auch um das interaktive Webinar von Christa Schäfer zur „Friedenstreppe“ – einer „kleinen Form der Mediation“, super gut für Grundschulen geeignet. Daniela Ebenbauer hat aus Wien über ihre Friedenstreppe berichtet, eine wunderschön gebaute Treppe, mit der die Konfliktbearbeitung eine ästhetisch und optisch sehr ansprechende Form erlangt.

Beim Abschluss-Live wurden ebenfalls verschiedene Präsente verlost. Der Bundesverband Steinbeis Mediationsforum hat 10 Jahresabonnements der Zeitschrift „Die Mediation“ verlost, die Akademie für ganzheitliches Kinder- und Jugendcoaching hat Mut-Edelsteine für alle Schüler*innen einer Schule als Gewinn ausgeschrieben, und es gab Bücher von Astrid Frank und Gundi Haigner und Seminarplätze vom Palaverzelt und zur Schulmediation.

Mit Live-Musik von Felisa am Akkordeon, persönlichen Gesprächen untereinander und einer großen Zufriedenheit wurde auch dieser zweite Schulmediationskongress beendet. Jetzt heißt es warten bis Januar 2023.

Motto 2022: Für mehr „Wir-Gefühl“ in der Klasse

Das Motto des Schulmediationskongresses 2022 lautete: „Mehr Miteinander in der Schule“. Eine grundlegende Frage dabei war: Wie kann ein Wir-Gefühl in Klassen und Schulen erreicht werden?

Mein Ziel mit dem Schulmediationskongress ist, eine Veränderung in Schule und Gesellschaft anzustoßen. Schon lange vor der Pandemie lag mit der Schule viel im Argen: Personalmangel, eine Zementierung und Verschlechterung von bereits vorhandenen Ungleichheiten in der Schule, Burn-Out bei vielen Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen, Starrheit im Schulsystem, zahlreiche Schüler*innen werden abgehängt. Die Situation durch Covid hat das alles nur noch verschlimmert (Link zum Artikel mit den negativen Auswirkungen der Pandemie auf junge Menschen). Mit dem Kongress will ich Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und Schulleitungen erreichen, um Impulse zu geben und pädagogische Werkzeuge, Ideen und Konzepte in die Schulen zu tragen. Der Gedanke ist, dass die Teilnehmenden des Schulmediationskongresses als Multiplikator*innen mit den erworbenen Erkenntnissen und Informationen in ihre Schulen gehen, und dort positive Veränderungen anstoßen. Gleiches gilt natürlich für Eltern, die am Kongress teilnehmen und über ihre Elternrolle in der Schule etwas bewirken können.

Expert*innen im Schulmediationskongress 2022

Im Folgenden gebe ich ein Miniatur-Blitzlicht über die Expert*innen des Schulmediationskongresses und füge einige ihrer zentralen Aussagen bei:

  • Die Autorin Astrid Frank liest im Interview aus ihrem Buch „Unsichtbare Wunden“ und ergänzt die Geschichte der 13-jährigen Anna und ihrer Klasse mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Mobbing. Die Frage, weshalb ein gemobbtes Kind in diese Lage geraten konnte, ist der falsche Ausgangspunkt, denn Mobbing beginnt beim Täter, nicht dem Opfer (oder Betroffenen in der Opferrolle). Was Täter und Opfer machen, ist nicht so relevant, sondern wie die Gruppe sich verhält: Die Macht liegt in der Gruppe und die Verantwortung bei den Lehrkräften, welche wiederum von der Schulleitung Unterstützung benötigt – und diese von der Politik.
  • Die Psychologin und Soziologin Prof. Dr. Dr. Christa Kolodej erklärt, dass das Lehrer*innenverhalten entscheidet, wie die Dynamik von Betroffenen und Tätern sich weiter entwickelt: Sofern Lehrkräfte konsequent gegen Mobbing vorgehen, sind mehr Kinder gegen als für Mobbing. Wenn Lehrer*innen aber wegschauen, wendet sich die Mehrzahl der zuvor außenstehenden Kinder den Täter*innen zu und mobbt ebenfalls. Mobbing hat nicht allein Auswirkungen auf die Betroffenen, sondern auch auf die Klasse, die Schule und den Lernerfolg.
  • Der Neuropsychologe Prof. Dr. Gerald Hüther vergleicht die Schule mit einem Ozeanfrachter aus dem 19. Jahrhundert, dessen Ruder längst eingerostet ist. Er wirft die Frage auf, ob unser pädagogisches Konzept von Lernen überhaupt tragfähig sei und ob das, was in der Schule stattfindet, überhaupt Lernen ist – oder aber eine Art Dressur und Abrechnung, mit der auch etwas gelernt werde, so wie im Zirkus. Wirkliches Lernen findet ihm zufolge in der Auseinandersetzung mit der Welt statt; es ist für ihn elementar, dass Kinder nicht ihre Freude am Lernen in der Schule verlieren, denn das sei bei den meisten nicht mehr zu reparieren.
  • Die Sozialpädagogin und Mediatorin Gesine Otto bereichert uns um die Erkenntnis, dass beim Systemischen Konsensieren ganz andere Ergebnisse herauskommen als bei einer Mehrheitsabstimmung. Die Frage beim Systemischen Konsensieren lautet: Wer hat Widerstand? Es wird mit Grün, Orange und Rot abgestimmt, und was dabei herauskommt, ist komplett anders, als wenn nach Zustimmung gefragt wird.
  • Die Lachyoga- und Entspannungspädagogin Gisela Dombrowsky führt in das Thema Lachyoga ein. Sie berichtet, wie Lachyoga entstanden ist und wie das Thema didaktisch in Schulen eingeführt werden kann. Interessanterweise gibt es in Gruppen und Klassen, in denen viel miteinander gelacht werden kann, weniger Konflikte. Die Verbindung zwischen Lachyoga und Konflikten lässt sich also eindeutig herstellen. Natürlich fehlten auch Übungen nicht, die in Klassen und Schulen durchgeführt werden können.
  • Die Ethnologin Gisela Stelzer-Marx übt mit dem Palaver-Zelt den Mediationsprozess auf kindgerechte Art und Weise bei Konflikten in der Kita und der Grundschule. Ein Smileybarometer vor und nach dem geklärten Konflikt gibt Aufschluss darüber, in welcher Not Kinder sich befinden, die in einem Konflikt sind, und wie erleichtert sie sich im Anschluss fühlen. Wenn der Konflikt produktiv geklärt und aufgelöst wurde, sind Kinder ganz anders aufnahmefähig in der Schule, weil sie nicht mehr mit so einer Belastung zu kämpfen haben.
  • Der Mediator und Trainer Guido Küßner hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulteams für die Arbeit fit zu machen und überträgt Thomas Robrechts Konzept zur Konfliktbearbeitung in Teams innerhalb der Wirtschaft auf die Schule. Er hat beobachtet, dass die Frage “Was läuft gut?“ oft für Irritation sorgt, da vor allem der Blick darauf liegt, was nicht funktioniert. Er spricht sich aus gegen „Seifenblasenmaßnahmen“ – das sind Gegenmaßnahmen, die aufsteigen und sofort zerplatzen.
  • Gundi Haigner hat zum Thema Freewriting gesprochen. Den Stift ansetzen und 7 Minuten all das aufschreiben, das kommt. Ein interessanter Ansatz, den Gundi Haigner in Wien seit langer Zeit mit ihren Schulklassen durchführt. Ein berührender Ansatz, wenn man bedenkt, was in 7 Minuten alles passieren kann, was entsteht, was ans Licht kommt. Meine große Empfehlung, diese Methode selbst auszuprobieren. Und natürlich hat Freewriting mit Konflikte zu tun, denn wer intensiv den Gedanken von Schulkamerad*innen gelauscht hat, der geht weniger in Konflikte miteinander.
  • Im Gespräch mit Petra Rodenberg ging es um das Themenfeld „Eltern, Schule und Familiencoaching“. Schule und Eltern sind in einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Das gelingt in Grundschulen meist einigermaßen gut, in Mittelstufenklassen oft auch weniger. Da kommen Konflikte auf, die ausgetragen und gelöst werden müssen. Nur wenn das gelingt, können Schüler*innen gut lernen und durch ihre Schullaufbahn kommen.
  • Die Moderatorin und Autorin Petra Schwarz hat über Kommunikation gesprochen. Kommunikation ist etwas, was täglich passiert, was man täglich professionalisieren kann. Die Haltung zum Gegenüber ist dabei ganz wesentlich. Gut zuhören können, in gewählten Worten sprechen, all das trägt zur gelingenden Kommunikation bei. Das Gespräche wurde von Tipps und Hinweisen zu den Formaten Moderieren und Präsentieren ergänzt. Und zum Schluss gibt Petra Schwarz sogar noch Hinweise zur „Schlagfertigkeit in der Kommunikation“.
  • Der Sozialpädagoge Philipp Behar-Kremer stellt klar, dass Cyber-Mobbing nichts Neues, sondern eine Weiterführung von traditionellem Mobbing ist: 80 bis 90% der Betroffenen von Cyber-Mobbing erleben auch Mobbing von ihrer Klasse im analogen Raum. Soziale Ausgrenzung wirkt im Gehirn ähnlich wie physischer Schmerz – das muss Lehrkräften und Eltern klar sein, denn Lehrer*innen sagen auch nicht zu Eltern: „Ihr Kind wird 2 bis 3 Mal in der Woche geschlagen, aber wir schauen mal, wie sich das entwickelt.“ Was es braucht, sind Anti-Mobbing-Beauftragte, aber keine Mobbing-Sprechstunde, weil über die Schüler*innen gelästert wird, die dort hingehen.
  • Sabine Omarow ist Expertin für LRS und Dyskalkulie und ebenfalls Kongressveranstalterin eines Online-Kongresses. Sie gibt im Gespräch mit Christa Schäfer einen Überblick über LRS / Dyskalkulie und geht auf die vielen Konflikte ein, die hieraus entstehen können. Sie können zwischen Schule und Elternhaus, aber auch unter Schüler*innen aufkommen und tragen natürlich gar nicht dazu bei, dass sich die Situation für betroffenen Schüler*innen entspannt. Ein hochinteressantes Gespräch.
  • Die Multiplikatorin und Trainerin für Demokratie-Lernen Silvia Simbeck unterscheidet zwischen tolerant (grün), intolerant (rot) und scheintolerant (gelb); bei Scheintoleranz sagen Menschen nicht, was sie stört, aber ärgern sich jedes Mal wieder. Simbeck wirft die Frage auf, was es mit Menschen macht, wenn sie lange scheintolerant sind; die Antwort ist, dass sie meist vom gelben in den roten Bereich wandern. Die meisten Menschen tendieren zu gelb oder rot, und es ist wichtig, die Erkenntnis zu gewinnen, wozu man selbst tendiert.
  • Die Politikwissenschaftlerin Susanne Ulrich teilt uns ihre Erkenntnisse aus dem Programm „Betzavta“ (hebräisch für „Miteinander“) mit, einem Training aus der Demokratiepädagogik. Menschen sind nicht nur als Individuen im Raum, sondern als Vertreter*innen von stärkeren oder schwächeren Gruppen. Mächtige Gruppen profitieren, wenn nicht noch eine neue Regel für den Umgang miteinander hinzukommt, weil sie einen Vorteil durch den Status quo haben, während Benachteiligte sich eine Regel gewünscht hätten, die ihren Nachteil ausgleicht.
  • Der Mediator und Ausbilder Thomas Robrecht hat sich das Ziel gesetzt, Teams in nur drei Stunden wieder arbeitsfähig zu machen. Er erklärt, dass am Ende der drei Stunden nicht alle glücklich und alle Probleme geklärt sein müssen, sondern die Frage bearbeitet wird: Was muss das Team tun, um Konflikte zu lösen? Es gibt eine Würdigung von Gefühlen und eine Ermittlung von Bedürfnissen, und manchmal wird klar, dass der Konflikt wichtiger ist als die Lösung (dann, wenn Menschen mehr von dem Konflikt haben, als wenn sie ihn sein lassen).

Rückblick auf den Schulmediationskongress 2022

Der Schulmediationskongress war ein voller Erfolg.
Über 1000 Kongressbesucher*innen aus 5 verschiedenen Ländern.
Und eine Vielzahl von positiven Rückmeldungen.

„Wie schön es ist, Menschen zuzuhören, die für eine Sache brennen. Ich habe viel Inspiration und neue Ideen aus diesem Kongress mitgenommen und freue mich auf den Schulanfang am Montag und auf alles, was noch kommt. Herzlichen Dank!“ (Sandra)

„Jedes Gespräch ein Geschenk. So viele menschenfreundliche Menschen erleben und von ihnen partizipieren zu dürfen, ist eine riesengroße Freude und das Beste kommt immer zum Abschluss… ich habe viel mitgelacht…“ (Corinne)

„Liebe Christa, herzlichen Dank für Dein Engagement all diese wertvollen Informationen bereit zu stellen (und das sogar kostenfrei!). Ich bin sehr inspiriert von Tag 1 und in neugieriger Vorfreude auf die kommenden Tage. Vielen, vielen Dank!“ (Sarah)

Jetzt vormerken: Schulmediationskongress 2023

Wer nicht an dem Kongress teilnehmen konnte, aber neugierig geworden ist und Interesse an den Gesprächen hat, kann das Kongresspaket 2022 erwerben und sich die Interviews im Nachhinein ansehen.

Ich freue mich auch, wenn du anderen Menschen von dem Kongress berichtest – und für dich selbst und andere vermerkst, dass 2023 der nächste Schulmediationskongress stattfinden wird! Gibt es Themen, die dich besonders interessieren, oder Expert*innen, die du gern sehen und hören würdest? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Ich bin gespannt auf deine Rückmeldungen und freue mich darauf, dich nächstes Jahr zum dritten Schulmediationskongress begrüßen zu dürfen. Anmeldungen sind bald möglich …

Dann bis bald, sagt Christa

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