Mobbing in der Kita

Vier Kinder, die lachen und eines, das eher an der Seite geduldet ist

Die Frage, ob es schon Mobbing in der Kita gibt, wird von einigen Pädagog:innen eindeutig mit „ja“ beantwortetet, von anderen eher mit „nein“. Ich selber habe mich lange geweigert eine eindeutige Antwort zu geben, obwohl ich von Zeit zu Zeit immer wieder Vorträge und Fortbildungen zu diesem Thema gebe.

Mobbing meint psychische Gewalt, die durch das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Gruppe von Personen definiert ist. Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören u. a. Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Zuweisung sinnloser Aufgaben und anderweitiger Machtmissbrauch, Gewaltandrohung, soziale Exklusion oder eine fortgesetzte, unangemessene Kritik an einer natürlichen Person oder ihrem Tun, die einer Tyrannei bzw. einem unmenschlich-rücksichtslosen Umgang gleichkommt. So beginnt der Artikel über Mobbing in Wikipedia.

In diesem Blogartikel findest du ein anonymisiertes Fallbeispiel und meine persönliche Antwort auf drei Fragestellungen zum Thema Mobbing in der Kita.

Inhalt

Ein Fallbeispiel

Sheila ist fünf Jahre alt. Seit einigen Wochen geht sie nicht mehr gern in die Kita. Sie zieht sich zurück. Zu ihren Eltern sagt sie, dass sie nicht mehr in den Kindergarten gehen möchte. Mal klagt Sheila über Bauchschmerzen, mal über Kopfschmerzen, und sie erklärt, dass sie oft nicht schlafen kann oder dass ihr immer wieder übel ist.

Ihren Eltern kommt es so vor, als sei Sheila immer lustloser geworden in der vergangenen Zeit. So möchte sie nicht mehr mit anderen Kindern spielen. Sonst hatte sie stets solche Freude an den Tagesabläufen und an den Ritualen, aber jetzt zieht sie sich immer mehr zurück. Sheilas Mutter sagt: „Es wirkt fast so, als ob sie eine Depression hat. Können Kinder denn schon Depressionen haben?“

Sheilas Eltern sind ratlos. Sie sprechen mit den Erzieher:innen in der Kita. Diese geben die Rückmeldung, dass Sheila in letzter Zeit eher allein gespielt habe und nicht so sehr mit anderen im Kontakt gewesen sei.

Eines Tages bricht Sheila zu Hause zusammen. Die ganze Zeit hat sie versucht, alles mit sich selber auszumachen, aber jetzt kann sie nicht mehr. Sie berichtet:

„Die anderen Kinder haben ‚Schokokeks‘ zu mir gesagt. Das wollte ich nicht. Dann sind sie immer gemeiner geworden. Sie haben mir Sachen in die Haare geschmiert und mich an den Haaren gezogen und gesagt, dass meine Haare sowieso ganz komisch sind. Dabei stimmt das gar nicht. Sie haben mir meine Jacke weggenommen und meine Schuhe versteckt. Jörn hat mir ein Bein gestellt, und alle haben mich ausgelacht. Jeden Morgen haben sie mich ‚Schokokeks‘ genannt. Irgendwann haben sie gar nicht mehr meinen Namen gesagt, sondern nur noch ‚Schokokeks‘. Alle waren zum Geburtstag bei Tanja eingeladen, nur ich nicht. Und gestern haben sie mich umgeschubst und Sandra und Jörn haben mich getreten. Das ist so gemein!“

Von den Eltern darauf angesprochen, erklären die Erzieher:innen, dass sie davon nichts mitbekommen hätten. Außerdem hätten Kinder doch noch keine Vorurteile, nicht in der Kita; das käme erst später. Sheilas Eltern wird von verschiedenen Stellen versichert, dass es Mobbing in der Kita nicht gebe. Dazu seien die Kinder noch zu klein und gar nicht fähig, weil sie es nicht planen würden. Erst in der Schule würde das losgehen.

Gibt es bereits Mobbing in der Kita?

Ja, auch in der Kita können bereits erste Formen von Mobbing auftreten, obwohl ich bei kleinen Kindern eher von aggressivem Verhalten als von Mobbing im eigentlichen Sinne spreche. Man sollte bedenken, dass kleine Kinder noch dabei sind, soziale Kompetenzen und Empathie zu entwickeln, und dass sie ihre Emotionen meist noch nicht effektiv regulieren können. Dies kann zu Verhaltensweisen führen, die Erwachsenen als Mobbing erscheinen könnten.

Es ist dennoch wichtig, zwischen gelegentlichen Konflikten, die in diesem Alter normal sind, und wiederholtem, schädigendem Verhalten zu unterscheiden. Wenn ein Kind wiederholt ein anderes Kind physisch oder emotional schädigt, ist dies ein Zeichen für Mobbing.

Erzieher:innen (und Eltern zu Hause) müssen in solchen Fällen eingreifen und den Kindern helfen, gesunde soziale Fähigkeiten und Konfliktlösungsfähigkeiten zu entwickeln. Das Thema Mobbing sollte frühzeitig in einer Teamfortbildung thematisiert und anschließend präventiv bearbeitet werden, um ein positives soziales Klima zu fördern. In solch einem Klima tritt Mobbing eher selten auf.

Was können Erzieher:innen tun, damit Mobbing erst gar nicht erst auftritt?

Es gibt mehrere Ansätze, die im Sinne der Prävention dazu beitragen, Mobbing in der Kita zu verhindern:

  1. Förderung von Empathie und Respekt: Es ist wichtig, Kinder schon in jungen Jahren zu zeigen, einander zu respektieren und Mitgefühl zu zeigen. Dies kann durch Geschichten, Spiele und Aktivitäten geschehen, die diese Werte vermitteln.
  2. Konfliktlösungsfähigkeiten lehren: Kinder können lernen, Konflikte auf positive Weise zu lösen, anstatt auf Aggression oder Ausgrenzung zurückzugreifen. Dies kann beinhalten, dass sie lernen, wie sie ihre Gefühle ausdrücken, auf die Gefühle anderer reagieren und Kompromisse finden können.
  3. Positive soziale Interaktionen fördern: Schaffe Möglichkeiten für positive Interaktionen zwischen den Kindern. Dies kann durch gemeinsame Aktivitäten, kooperative Spiele und Teamarbeit geschehen.
  4. Offene Kommunikation: Sorge dafür, dass die Kinder wissen, dass sie sich an einen Erwachsenen wenden können, wenn sie Probleme haben. Dies schafft eine Umgebung, in der Probleme frühzeitig erkannt und angegangen werden können.
  5. Intervention bei Problemen: Wenn du Anzeichen von Mobbing oder anderen sozialen Problemen bemerken, greife ein und bespreche das Problem mit den beteiligten Kindern und gegebenenfalls mit ihren Eltern.
  6. Schulung des Teams: Stelle sicher, dass die Erzieher:innen deiner Kita über Mobbing und seine Prävention informiert sind. Sie sollten in der Lage sein, Anzeichen von Mobbing zu erkennen und effektiv darauf zu reagieren.
  7. Einbindung der Eltern: Eltern sollten ebenfalls über Mobbing und seine Prävention informiert sein. Sie können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Botschaften über Respekt und Empathie zu Hause zu verstärken und sicherzustellen, dass ihr Kind sich sicher und unterstützt fühlt.

Was können Erzieher:innen tun, wenn Sie Mobbing bemerken?

Mobbing ist ein ernstes Problem, das unverzüglich angegangen werden sollte. Hier sind einige Schritte, die Erzieher:innen gehen können, wenn sie Mobbing unter Kindern in der Kita bemerken:

  1. Eingreifen: Bei Anzeichen von Mobbing sollten Erzieherinnen sofort eingreifen, um die Situation zu deeskalieren und das betroffene Kind zu schützen.
  2. Situation klären: Versuche zu verstehen, was passiert ist, indem du sowohl das „gemobbte Kind“ als auch das „Kind, das gemobbt hat“ befragst. Bleibe dabei neutral und wertungsfrei, um den Kindern eine sichere Umgebung zu bieten, in der sie über das Geschehene sprechen können.
  3. Unterstützung für das von Mobbing betroffene Kind: Stelle sicher, dass das von Mobbing betroffene Kind sich sicher und unterstützt fühlt. Es kann hilfreich sein, dem Kind Ressourcen oder Strategien an die Hand zu geben, wie es mit dieser Situation umgehen kann.
  4. Gespräche mit dem Kind, das als Mobbingakteur aufgetreten ist: Sprich mit dem Kind, das „gemobbt hat“, um ihm die Auswirkungen seines Verhaltens auf das andere Kind klarzumachen. Es ist wichtig, eine Alternative zum bisherigen Verhalten aufzuzeigen, ohne das Kind zu stigmatisieren.
  5. Eltern einbeziehen: Informiere die Eltern der beteiligten Kinder über die Situation und arbeiten mit ihnen zusammen, um eine Lösung zu finden.
  6. Präventive Maßnahmen: Nutze die Situation als Lernmöglichkeit für die gesamte Gruppe. Diskutiere mit den Kindern über Streitigkeiten und Konflikte und zeigen ihnen, wie sie Konflikte auf eine positive Weise lösen können. Lese mit den Kindern Büchern, in denen Kinder im Konflikt klug handeln. Mache ein Projekt zum WIR-Gefühl in der Gruppe. Führe den Kita-Gruppenrat ein oder ähnliches …
  7. Weiteres Monitoring: Beobachte die Situation weiterhin, um sicherzustellen, dass das Mobbing aufhört und dass alle Kinder sich sicher fühlen.

Es ist wichtig, dass alle Kinder in einer sicheren und unterstützenden Umgebung aufwachsen, in der Mobbing nicht toleriert wird. Durch frühzeitiges Eingreifen und konsequente Prävention können Erzieher:innen dazu beitragen, Mobbing in der Kita zu verhindern.

Erzähl gerne in den Kommentaren, ob du bereits einen Mobbingfall in einer Kita erlebt hast und wie ihr damit umgegangen seid.

Egal ob bei Mobbing im Kita- oder auch bei Mobbing im Schulkontext.
Für mich gilt: „Freundlichkeit zählt – Nein zu Mobbing!“.

Und bei dir?
fragt Christa

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